Die Gästeführung „Stedinger Land“ in Lemwerder und Berne informiert seit 15 Jahren über Land und Leute

Vier Damen, der Deich und das Moor

Berne. Die Gästeführung „Stedinger Land“ besteht schon seit 15 Jahren. Aktuelle Zahlen belegen, dass sich das Angebot der Gemeinden Lemwerder und Berne bewährt.
25.11.2018, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Hannelore Johannesdotter

Berne. Die Gästeführung „Stedinger Land“ besteht schon seit 15 Jahren. Aktuelle Zahlen belegen, dass sich das Angebot der Gemeinden Lemwerder und Berne bewährt. Die monatlichen Fahrten von Oktober 2018 bis März 2019 sind bereits ausgebucht.

Zu den Frauen der ersten Stunde, die seit 2003 Gäste führen, gehören Anke Bakenhus, Anke Feja und Maike Schlötelburg. Ihnen hat sich Dörte Spiekermann aus Rastede angeschlossen. Sie ist seit Anfang der 1990er Jahre qualifizierte Gästeführerin. Damals bot die sogenannte Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) Niedersachsen den organisierten Landfrauen die Ausbildung an. Vor 20 Jahren wollten die beiden südlichen Wesermarsch-Gemeinden die weite Landschaft, die besondere Natur und Kultur, die Flüsse, Deiche und das Moor stärker in den Blickpunkt rücken. Vom Jahr 2000 an finanzierten sie gemeinsam eine Gästeführer-Ausbildung.

Heimatkundliche Vorträge sollten zuerst Lust auf die Beschäftigung mit Orts- und Regionalgeschichte, mit Wirtschaft, Natur und Umwelt wecken. Maike Schlötelburg erinnert sich: „Ich habe gedacht, das sind nette Veranstaltungen, da gehst du mal hin. Ich bin da wohl etwas blauäugig drangegangen. Gästeführerin wollte ich nicht werden.“ Auch Anke Feja kam aus Interesse an den Vorträgen. „Wir wussten nicht, wie lange die Ausbildung dauern würde. Irgendwann waren wir mittendrin“, erzählt sie.

Von den 30 Vortrags-Interessierten blieben zehn Frauen und Männer zur Ausbildung übrig. Sie absolvierten in den nächsten drei Jahren insgesamt 150 Unterrichtsstunden. „Viele haben abgebrochen“, berichten die Frauen, „weil die Ausbildung so lange dauerte.“ Die nahm überhaupt erst richtig Fahrt auf, als der Berner Campingwart Olaf Brammer, pädagogischer Mitarbeiter der LEB im Bildungswerk Osterholz, ab Ende 2001 die Qualifizierung vorantrieb. Im Mai 2003 endete sie schließlich mit einer Prüfung.

Schon im Juni boten die frisch gekürten „Gästeführerinnen mit Stern“, wie sie sich offiziell nennen dürfen, erste Radtouren zu Zielen in den Gemeinden oder deren näherer Umgebung an: zum Kloster Hude und ins Witte Moor, nach Elsfleth zum Huntesperrwerk, zu den Kirchen und zur Storchenstation. Dann wurden auch weiter entfernte Ziele angesteuert, Teile der Strecken per Bus, mit Fahrrad und Zug oder per Schiff zurückgelegt.

2006 gab es den ersten farbigen Handzettel. Für die Druckkosten suchte Anke Bakenhus damals noch Spender. Inzwischen wird der jährlich erscheinende Flyer von den Gemeinden Berne und Lemwerder in einer Auflage von 1000 Stück abwechselnd finanziert „So viel brauchen wir aber nicht“, haben die Frauen festgestellt. Im Januar wird das Programm für die Sommersaison gestaltet, im Februar wird es öffentlich präsentiert. 60 bis 100 Interessierte nehmen daran teil. So manche Fahrt ist im Anschluss an die Präsentation ausgebucht. Einiges haben die Damen in den zurückliegenden 15 Jahren ausprobiert, manches wieder aufgegeben. Wie beispielsweise die Spaziergänge durch Berne am letzten Sonntag eines Monats oder die Besichtigungen der Werften. Nicht jedes Unternehmen sei davon begeistert.

Andere Angebote haben sich zu Dauerbrennern entwickelt. Wie die Drei-Tage-Tour mit dem Fahrrad, die Anke Bakenhus seit 2007 in jedem Jahr leitet. Vorher fährt sie die Strecken genau ab, wobei ihr Mann Bodo sie tatkräftig unterstützt. „Manche buchen am Ende der Tour schon die Fahrt im nächsten Jahr“, staunt Anke Bakenhus. Auch die reine Frauentour mit Bahn und Rad wird stark nachgefragt. „Eine unserer besten Ideen ist das Winterprogramm“, freut sich Anke Bakenhus. Seit Herbst 2010 gibt es zwischen Oktober und März Ausflüge mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Vor 15 Jahren wurde die erste Staffel Gästeführerinnen kostenlos ausgebildet. Die Damen repräsentieren ihre Gemeinden ehrenamtlich, die Teilnehmern der Führungen werden um einen kleinen Obolus gebeten. „Damit kann man keine Existenz gründen“, erklärt Dörte Spiekermann. „Nein“, sagt Anke Bakenhus. „Geld verdienen kann man damit nicht.“ Maike Schlötelburg ergänzt: „Das ist ein Hobby, das muss man mal so klar sagen.“ Deshalb sei es auch schwierig, Nachwuchs zu finden. Wer heute neu ins Gästeführerteam einsteigen will, muss die Ausbildung aus eigener Tasche bezahlen: Die 135 Unterrichtsstunden kosten 270 Euro.

Alle Gästeführerinnen investieren viel Zeit – auch in ihre Fortbildung. Reisegruppen fragen verstärkt nach Gästeführerinnen mit Stern, berichten sie. Um den zu behalten, verlangt die LEB „16 Stunden Fortbildung in drei Jahren“, gibt Dörte Spiekermann Auskunft. Das bezahlen die Damen selbst. Sie haben es dennoch nicht bereut, Gästeführerinnen geworden zu sein. Die Aufgabe sei vielseitig, sie alle hätten an Rhetorik und Selbstbewusstsein dazu gewonnen. Sie wollen weitermachen, "so lange wir können“.

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