Schiffsmodellbauer zeigen mehr als 150 Miniatur-Wasserfahrzeuge / Vom Segelboot bis zum Flugzeugträger Volle Kraft voraus am Achterdieksee

Alle zwei Jahre treffen sich Schiffsmodellbauer am Achterdieksee, um ihre selbst gebauten Frachter, Segelschiffe und Schlepper zu präsentieren. Mit 78 Wohnwagen und mehr als 150 Schiffsmodellen folgten jetzt Modellschiff-Fans aus mehreren europäischen Ländern der Einladung des Schiffsmodellclubs (SMC) Bremen.
29.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jutta Barth

Alle zwei Jahre treffen sich Schiffsmodellbauer am Achterdieksee, um ihre selbst gebauten Frachter, Segelschiffe und Schlepper zu präsentieren. Mit 78 Wohnwagen und mehr als 150 Schiffsmodellen folgten jetzt Modellschiff-Fans aus mehreren europäischen Ländern der Einladung des Schiffsmodellclubs (SMC) Bremen.

Vorsichtig heben Lars (5) und sein Bruder Jan (7) ein Modell-Segelschiff aus dem Wasser und setzen es in eine Haltevorrichtung. Ihr Vater Martin Onken hat das Schiff gebaut und ist mit seinen Söhnen zum Treffen der Schiffsmodellbauer am Achterdieksee gekommen. Die Jungs achten sorgfältig darauf, dass die „Estelle“ keinen Schaden nimmt. Sie ist 110 Zentimeter lang und bis zur Segelspitze 180 Zentimeter hoch.

Der Modellbauer vom Ibbenbürener Club hat viele Stunden mit dem Bau des Seglers verbracht. „Ich möchte später auch mal ein Schiff bauen“, sagt Jan, der schon jetzt beim Sägen und Schleifen mithilft. Sein Vater hatte es als Kind von seinem Vater gelernt und gibt seine Erfahrungen jetzt an seine beiden Söhne weiter. „So ist das bei den Modellbauern“, sagt Lutz Neumann, der 2. Vorsitzende des SMC Bremen: „Den Nachwuchs müssen wir selbst produzieren.“ Es müsse viel Zeit investiert und viel Geduld aufgebracht werden, bevor ein Schiffsmodell endlich zu Wasser gelassen werden könne. Und so seien es überwiegend die Kinder, die das Hobby ihrer Eltern fortsetzten.

Söhne lernen von Vätern

So ist es auch bei Wolfgang Kaiser-Paulat. Seine Söhne Harry und Marvin zeigen stolz das von ihrem Papa gebaute Feuerwehrboot. „Es hat Spritzen, die sich von alleine drehen“, erklärt der sechsjährige Harry. Sein zwölfjähriger Bruder möchte später einmal ein Rennboot bauen. Sein Vater hat so eines mitgebracht. Es ist 180 Zentimeter lang, knallgelb, und wenn es mal fährt, schafft es fast 100 Kilometer pro Stunde. „Es wird heute hoffentlich seine Jungfernfahrt machen“, sagt der Vater. Er hätte stundenlang daran gewerkelt, weil der Motor nicht richtig lief. Heute habe er endlich Fachleute getroffen, die das Problem im Handumdrehen lösen konnten.

„Der Nachbau eines Schiffes kann – je nach Größe – schon mal einige Jahre dauern“, erklärt Martin Schneider, Schriftführer des SMC Bremen. „Und so ein Schiffsmodell ist nicht zu vergleichen mit den herkömmlichen Modellen aus dem Handel.“ Für aufwendigere Modelle seien 1500 bis 2000 Stunden nötig, und das über einen Zeitraum von einigen Jahren. Es gebe für Modellbau-Anfänger aber auch Schiffe, die in ein paar Tagen gebaut werden können, betont Schneider.

Der SMC Bremen wurde vor genau 35 Jahren gegründet. Regelmäßig treffen sich die Mitglieder einmal wöchentlich mit den Clubkameraden in der Werkstatt in Kuhsiel. Dort werden die Schiffsmodelle entweder nach Werftplänen oder Fotos im Detail nachgebaut. „An der Faszination der Schiffsmodelle hat sich bis heute nichts geändert“, erklärt Alexander Krahn, Vorsitzender des SMC Bremen. Beeindruckend für die Zuschauer sei immer wieder die detailgetreue Nachbildung der großen Vorbilder, die es meist tatsächlich irgendwo auf den Weltmeeren gibt.

Wie zum Beispiel der Flugzeugträger „USS Nimitz“ von Stephan Stemmann aus Utbremen. Das Original gehört zur 6. US-Flotte und wurde kürzlich in das Rote Meer ins Krisengebiet Syriens geschickt. Während der Bau der im Original rund 340 Meter langen Nimitz „nur“ vier Jahre dauerte, brauchte Stemmann für das 230 Zentimeter lange Modell sechs Jahre. Berühmt geworden ist die Nimitz durch den Hollywood-Film „The Final Countdown“ mit Kirk Douglas von 1980.

Das wohl kleinste Modell auf dem Achterdieksee ist ein nur 10 mal 20 Zentimete großes ferngesteuertes Luftkissen-Landungsboot. „Das Original befördert in Krisengebieten zum Beispiel Panzerfahrzeuge vom Schiff an Land“, erklärt Modellbauer Stemmann.

Ein im anderen Sinne berühmtes Schiff steuert Martin Rode über den See. Es ist die „Müritz“, ein von ihm restauriertes Modell, das es als Baukasten in der ehemaligen DDR gab. Das Schiff im Stil der 50er-Jahre besteht komplett aus Holz, Rode hatte alle Mühe, die drei Schichten alter Farbe zunächst abzuschleifen, wie er sagt. Jetzt erstrahlt es in neuem Glanz, und die Applikationen aus echtem Nussbaum geben dem kleinen Schiff einen besonderen Charme.

Mit Einsetzen der Dämmerung am Abend erleben die Zuschauer einen glanzvollen Höhepunkt. Dann gehen die Lichter auf allen Schiffsmodellen an, und kleine Leuchtbojen zeigen ihnen den Weg über den Achterdieksee. Harry und Marvin hoffen, dass das Rennboot ihres Vaters bis dahin seine Jungfernfahrt überstanden haben wird – mit voller Kraft voraus.

Wer sich für den Schiffsmodellbau interessiert, kann sich an den SMC Bremen wenden. Auskunft gibt Alexander Krahn in Achim unter der Telefonnummer 04202/ 888509 oder per E-Mail an die Adresse alexander-krahn@smc-bremen-de.

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