Schauspieler und Musiker Jan Josef Liefers wird 50 Vom DDR-Rebellen zum Schnösel

Berlin. Schnösel mit Schlabberpulli –„Tatort“-Kultermittler Jan Josef Liefers wird 50 und hat sich vom Querkopf aus Dresden zum gesamtdeutschen Superstar gemausert.
07.08.2014, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Cornelia Wystrichowski

Schnösel mit Schlabberpulli – „Tatort“-Kultermittler Jan Josef Liefers wird 50 und hat sich vom Querkopf aus Dresden zum gesamtdeutschen Superstar gemausert.

Ausgerechnet die Rolle als arroganter Schnösel machte ihn zum Liebling der Nation: Als eitler Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne im Münster-„Tatort“ wurde Jan Josef Liefers endgültig zum Star. Im wahren Leben schlurft Liefers reichlich entspannt durch die Gegend, für seinen nachlässigen Look mit Schlabberpulli würde ihm der Professor auf die Finger klopfen.

Wie viel vom feinen Pinkel Boerne in ihm steckt? Da muss Liefers nicht lange überlegen: „Wir haben so gut wie nichts gemeinsam. Das Einzige was wir teilen ist die Vorliebe für gute Autos, gutes Essen und guten Rotwein.“ Jetzt wird der Schauspieler mit dem jungenhaften Charme 50 Jahre alt – und kann eine große Karriere vom rebellischen DDR-Bürger zum gesamtdeutschen Superstar feiern.

Die Geschichte klingt wie ein deutsch-deutsches Märchen. Liefers kam am 8. August 1964 in Dresden zur Welt. Die Mutter war Schauspielerin, der Vater Regisseur, und der kleine Jan Josef wusste früh, dass er zum Theater wollte. Als er sich weigerte, zur Nationalen Volksarmee zu gehen, rückte sein Lebenstraum zwar zunächst in weite Ferne, später ergatterte Liefers aber doch einen Platz an der renommierten Hochschule Ernst Busch in Berlin. Später ging er ans Deutsche Theater Berlin, stand fürs DDR-Fernsehen vor der Kamera und gab mit dem Historienfilm „Die Besteigung des Chimborazo“ 1989 sein Kinodebüt.

Im selben Jahr hatte Liefers den Auftritt seines Lebens, er gehörte zu den Rednern bei der Großdemonstration auf dem Berliner Alexanderplatz wenige Tage vor dem Fall der Mauer 1989. Danach habe ihm hinter der Bühne ein Fremder Pflaumenkuchen angeboten, erzählt Liefers – es war der frühere DDR-Spionagechef Markus Wolf. Nach dem Mauerfall eroberte Liefers mit Filmen wie „Rossini“ oder „Knockin‘ on Heaven‘s Door“ die Kinoleinwand. 2002 katapultierte die „Tatort“-Rolle als Mediziner Boerne ihn endgültig in die schauspielerische Champions League.

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Mittlerweile ist es undenkbar, dass er gar nicht die erste Wahl war, sondern ursprünglich Ulrich Noethen den Pathologen an der Seite von Axel Prahl als Kommissar Thiel spielen sollte. Dank der Kultrolle im „Tatort“ hat es Liefers auch zum Werbestar gebracht. Er macht Reklame für Pralinenkugeln und gemeinsam mit Axel Prahl witzige Spots für japanische Autos. Liefers spricht Hörbücher, moderierte unlängst die Verleihung des Deutschen Filmpreises und nutzt fleißig die sozialen Medien – bei der Fußball-WM ließ er alle Welt an seinem Nervenflattern teilhaben. Fast überflüssig zu erwähnen, dass der Tausendsassa bereits eine Biografie veröffentlicht hat und Musik macht – mit seiner Band „Radio Doria“ tritt er regelmäßig auf.

Seit 2004 ist Liefers mit seiner Schauspielkollegin Anna Loos verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter, die Familie lebt mit zwei Hunden und einer Katze in Berlin. Die gemeinsame Tochter Lilly (11) tritt gerade in die Fußstapfen der berühmten Eltern, sie spielt in Til Schweigers neuem Kinofilm „Honig im Kopf“ mit. Liefers hat noch eine erwachsene Tochter aus erster Ehe und einen Sohn aus der früheren Beziehung mit Schauspielkollegin Ann-Kathrin Kramer.

Dass ihm manchmal Overacting vorgeworfen wird, damit kann Liefers leben – auch damit, dass Anna Loos den Klobrillen-Bart hasst, den er für die Boerne-Rolle tragen muss. Doch dass ihm seine Reise in das von einem Bürgerkrieg gebeutelte Syrien voriges Jahr von einigen Kritikern als PR in eigener Sache ausgelegt wurde, brachte den grundentspannten Fernsehstar auf die Palme. Schließlich meint es der Schauspieler mit seinem sozialen Engagement ernst, er macht sich unter anderem in der entwicklungspolitischen Organisation One gegen extreme Armut stark und bekam 2011 sogar das Bundesverdienstkreuz. Andere Ehrungen wie „Goldene Kamera“ oder „Bambi“ für seine schauspielerischen Leistungen hat er sowieso so gut wie alle, unter anderem für seine Rolle in der Verfilmung des DDR-Romans „Der Turm“.

Und wie geht‘s weiter? Gerüchte, dass der von den Fans kultisch verehrte Münster-„Tatort“ eingestellt wird, wurden unlängst zerstreut: Der Vertrag ist verlängert, sogar von einem Kinofilm mit Boerne und Thiel ist die Rede.

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