Harald Sawatzki sammelt Kaffeemühlen – die 350 Exemplare stehen im Museum in Bramstedt Von der Bohne zum Pulver

Harald Sawatzki hat ein Hobby. Er sammelt Kaffeemühlen. Mittlerweile besitzt er 350 Exemplare. Sie alle sind in einem Museum in Bramstedt ausgestellt.
26.06.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Andrea Grotheer

Hagen. Sie ist über 50, noch gut in Schuss und hat viel von der Welt gesehen: Seine erste Kaffeemühle bekam Harald Sawatzki 1960 von seiner Stiefoma geschenkt. Die konnte nicht ahnen, dass sie damit einen Sammelvirus auslösen würde. 350 Exemplare nennt der Albstedter heute sein eigen, in Bramstedt, einem Ortsteil in Hagen im Bremischen, hat er beim Landhaus Ahrens ein Museum eingerichtet.

„Ich bin damals in die Lehre gekommen, als Maler habe ich acht Mark (etwa vier Euro) im Monat verdient. Die Kaffeemühle hat bei dem Lehrlingsgehalt nie eine Kaffeebohne gesehen“, kann der 69-Jährige heute darüber schmunzeln. „Überall mitgeschleppt“ habe er das gute Stück, auch bei seinen Umzügen als späterer Zivilbeschäftigter bei der Bundeswehr, erzählt er.

Seine Kaffeemühlen hat er nach Herstellern sortiert. „Ich kenne die Geschichten der Mühlen, weiß bei vielen, wo sie herkommen und was sie erlebt haben“, sagt Harald Sawatzki. Einfache und edle Ausführungen gebe es. Aus dem Jahre 1820 ist das älteste Exemplar, ein Unikat aus Österreich. Marke Eigenbau, wie der Sammler weiß. Wie die meisten seiner Kaffeemühlen hat der Handwerker auch diese liebevoll restauriert. „Oft sind sie ganz verrostet, wenn sie bei mir ankommen“, erzählt er.

Fünf verschiedene Sorten an Kaffeemühlen gibt es. Um 1880 kamen die sogenannten Schoßmühlen auf den Markt, die man – wie der Name schon sagt – zum Mahlen in seinen Schoß stellt. Die Tischmühle entstand etwa zur gleichen Zeit, ab 1900 gab es Wandmühlen. Handmühlen, die man beim Mahlen nicht abstellt, benutzte man ab 1930. Mokka-Mühlen aus Messing werden hauptsächlich im Orient für stärker gebrannten Kaffee benötigt.

„Als ich geheiratet habe, gehörten elektrische Kaffeemühlen zu jedem Haushalt, sie haben die Holzmühlen vom Markt getrieben“, gibt er einen kleinen Rückblick. Doch der Kaffee aus diesen Mühlen schmecke nicht: „Er wird eher zerschlagen als gemahlen, sozusagen ein zweites Mal gebrannt“, erklärt Harald Sawatzki den Nachteil. „Heute werden diese Mühlen teilweise noch für verklebten Puderzucker benutzt“, weiß Andreas Ahrens, Inhaber des Landhauses Ahrens. Er hat Sammler Harald Sawatzki die Räumlichkeiten, die vor der Renovierung Garage und Abstellraum waren und früher zu einem Malerbetrieb gehörten, für das Museum zur Verfügung gestellt.

Der Gastronom hat eine besondere Beziehung zu der Sammlung: „Eine Kaffeemühle gehört mir, ich habe sie im letzten Jahr von meinem Onkel geschenkt bekommen“, erzählt er. Sie stammt aus dem Kolonialwarenladen seiner Großeltern, der früher in Bramstedt ansässig war und in den 1970-er-Jahren geschlossen wurde. 19,25 DM (knapp zehn Euro) steht auf dem Preisschild unter dem hölzernen Haushaltsgerät. „Kaffeemühlen waren schon immer ein Luxusartikel“, meint Andreas Ahrens mit Blick auf den Preis.

An die großen elektrischen Kaffeemühlen im Bäckerladen erinnert sich Andreas Ahrens auch noch. „Düsenjäger“ nennt er sie wegen der Lautstärke. Und einige weitere private Sammlerstücke hat der Gastwirt in die Kaffeemühlensammlung integriert. Zu sehen sind eine alte Kaffee-Leuchtreklame und ein Aushängeplakat aus dem „Kaufhaus Hermann von Oesen“. „Mir gefiel die Idee der Ausstellung, die wir unseren Gästen gerne empfehlen“, sagt er.

Doppelt gibt es keine Kaffeemühle in der Sammlung von Harald Sawatzki, die seit einem Jahr in Bramstedt zu sehen ist und vorher in der Alten Schule in Wulsbüttel beheimatet war. „Es wird schon langsam wieder ein bisschen eng, ich muss abwägen, was ich ausstelle, zu bunt darf es auch nicht werden, aber ich sammle weiter“, erklärt der Sammler. Und: „Es hängt viel Herzblut dran“, gibt er gerne zu. In jedem Urlaub führt ihn sein Weg in ein Antiquitätengeschäft, so gibt es Kaffeemühlen aus Belgien, der Slowakei und Frankreich.

Aus Bakelit, dem ersten industriell hergestellten Kunststoff, sind die Single-Kaffeemühlen der Firma Geska, die ein marmoriertes Muster aufweisen und von 1940 an entstanden sind. Auch Bauernmalerei auf Kaffeemühlen war einmal ein Trend, bunte Blumen auf farbigem Hintergrund zieren die Geräte.

Wenn sie erzählen könnte, hätte die gewerbliche Mühle, die mit einem großen Schwungrad angetrieben wird, wohl viel zu berichten. „Sie muss auf einem Schiff gewesen sein“, vermutet Harald Sawatzki von der um 1900 hergestellten Kaffeemühle Nummer drei der Marke PeDe. Er denkt dabei an die Passagierdampfer, auf denen die Auswanderer die Heimat verließen. Bis in die 1930er-Jahre seien diese Mühlen in der Gastronomie eingesetzt worden. Auch eine russische Kaffeemühle steht im Regal. „Sie ist von 1945 und stammt aus St. Petersburg. Ein russischer Kriegsgefangener, der beim Bau des Bunker Valentins eingesetzt war, hat sie einem Aufseher für den Tausch gegen Lebensmittel gegeben“, kennt Harald Sawatzki auch diese bewegende Geschichte hinter dem Haushaltsgerät.

Bekannte Firmennamen sind auf einigen Kaffeemühlen zu finden, selbst Peugeot und Metabo haben sich der Herstellung gewidmet. Hochwertig ist die Peugeot-Mühle: „Sie ist aus Metall, das Innenleben aus Meißner Porzellan“, so der Sammler. Ganz verrostet habe er das Stück, das etwa aus dem Jahre 1900 stammt, bekommen. Metabo kennt man heute von Elektrowerkzeugen.

Aus dem Jahre 1940 stammt eine belgische Tischmühle, die Pariser Variante ist ebenfalls aus dieser Zeit. Eine Porzellan-Anfertigung aus Polen hat auf Umwegen zu Harald Sawatzki gefunden, sie wurde 1958 produziert. „Ich werde oft auch von Museums-Besuchern angesprochen, die mir Kaffeemühlen vermitteln“, erzählt Harald Sawatzki und hat noch eine Anekdote auf Lager: „Ich habe eine Zeit lang in der Straße „An der Mühle“ in Bremerhaven gewohnt. In der Nähe gab es einen Bäcker, über Umwege habe ich die alte Kaffeemühle von dort bekommen“, schmunzelt er.

Auch ein ursprünglich bei der Bundeswehr beheimatetes Gerät gehört zu seiner Sammlung, man erkennt es an der auf der Unterseite aufgestempelten Versorgungsnummer. Benutzt wurde sie allerdings nie. Und nicht nur Kaffeemühlen haben in der Sammlung von Harald Sawatzki Platz gefunden, auch Kaffeeröster, Kaffeesäcke und Kaffeedosen hat er dazu arrangiert. Für den Selbstversuch hat er einige nachgemachte Kaffeemühlen angeschafft, hier können Besucher und besonders Kinder das Mahlen von Kaffeebohnen ausprobieren. Und für alle, die nach dem Museumsbesuch noch eine Wanderung planen, hat er naturgewachsene Wanderstöcke im Angebot.

Geöffnet ist die Ausstellung jeden Sonntag von 13 bis 15 Uhr und nach Vereinbarung. Anmeldungen sind im Landhaus Ahrens (Telefon 04746/6061) oder bei Harald Sawatzki (Telefon 04746/6816) möglich.

„Oft sind sie ganz verrostet, wenn sie bei mir ankommen.“ Harald Sawatzki, Kaffeemühlen-Sammler
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