Der Kurzfilm „Orpheus und Eurydike“ des Blaumeier-Ateliers feierte am Sonntag Premiere in der „Gondel“

Von der Bühne ins Kino

„Orpheus und Eurydike“ war ein Erfolg auf der Theaterbühne, jetzt hat das Blaumeier-Atelier mit Hilfe der Landesmedienanstalt daraus einen Kurzfilm gemacht, der am Sonntag in der „Gondel“ seine standesgemäße Premiere feierte.
01.07.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Iris Hetscher und Arne Bode
Von der Bühne ins Kino

Der „Gondoliere“ Walther Pohl im Gespräch mit Dorothe Burhop, die eine der Eurydiken verkörpert, und mit Maximilian Kurth, der einen Orpheus spielt.

MARIANN_MENKE

„Orpheus und Eurydike“ war ein Erfolg auf der Theaterbühne, jetzt hat das Blaumeier-Atelier mit Hilfe der Landesmedienanstalt daraus einen Kurzfilm gemacht, der am Sonntag in der „Gondel“ seine standesgemäße Premiere feierte.

Filmpremieren müssen es in sich haben, auch wenn es sich um Kurzfilme handelt. Von daher gab es am Sonntagabend einen großen Auftrieb vor dem „Gondel“-Kino an der Schwachhauser Heerstraße. Schauspieler wurden mit dem Cabrio vorgefahren, Pagen geleiteten sie ins Innere des Kinos. Es gab Blitzlichtgewitter, Hauptdarsteller wedelten huldvoll mit Federboas. All das für „Orpheus und Eurydike“ – vom Blaumeier-Atelier bereits erfolgreich auf die Bühne gebracht.

Um was geht es? Die griechische Sage Orpheus und Eurydike ist von der Antike bis in die Gegenwart immer wieder neu interpretiert worden. Der Kurzfilm, den die Blaumeier gemeinsam mit der Landesmedienanstalt produziert haben, ist im Stil einer Reality-TV-Sendung gefilmt worden. Das Scripted-Reality-Format bewirkt, dass der Film wie eine dokumentarische Reportage anmutet: Jede Szene ist genau choreografiert und exakt nach Drehbuch gespielt. Der Film selbst knüpft lose an das gleichnamige Stück an, das im vergangenen Jahr im Theater Bremen gezeigt wurde. Der Sänger Orpheus und seine Eurydike sind im Kurzfilm in der Neuzeit angekommen. Götterbote Hermes arbeitet als Postbote, und Hades ist Herr über ein Uhrengeschäft. Eurydike stirbt, und es ist an Orpheus, sie mittels seiner künstlerischen Fähigkeiten aus der Unterwelt zu befreien. Hades erlaubt dies nur unter der Bedingung, dass der Sänger seine Eurydike beim Aufstieg aus der Unterwelt nicht anschaut. Da dieser aber ihre Schritte nicht hört, dreht er sich nach ihr um, worauf sie folglich wieder in der Unterwelt entschwindet. Der filmischen Handlung wurde ein zeitgemäßer Anstrich verliehen, wodurch sich die Möglichkeiten für komische Situationen auftun. Götterbote Hermes, gekonnt porträtiert von Melanie Socher, stellt die Briefe zum Beispiel per Auto zu. In dem Film ist sie ganz im Gegensatz zum Original mit einem so schlechten Orientierungssinn ausgestattet, dass sie selbst per GPS kaum das Ziel erreicht.

Die Geschichte wird zum großen Teil in Bildern, weniger in Dialogen erzählt. Zur inhaltlichen Einordnung ergreift Hermes immer wieder das Wort als Kommentator. Die Schauspieler mit und ohne Behinderung stehen dabei im Zentrum der Handlung. Es ist ihnen deutlich anzumerken, dass sie viel Herzblut in ihre Rollen gelegt haben. Die Schauplätze des Films sind allesamt in Bremen zu finden, es wurde meist in Einzelhandelsgeschäften gedreht. Das hatte den Nachteil, dass das Team nicht selbst ausleuchten konnte – viele Szenen wirken daher zu grell. Dieser partielle Amateurcharakter schadet dem Film aber nicht und lässt sich mit dem Scripted-Reality-Format in Einklang bringen. Die Geschichte endet mit einem Auszug aus Rainer Maria Rilkes „Orpheus. Eurydike. Hermes“.

Der Film wird erneut am 9. Juli, 19 Uhr, in der „Gondel“ gezeigt.

Das Blaumeier-Atelier ist mit seiner neuen Produktion „Schweinebande“ bei La Strada zu sehen.

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