Antoine Jully wird in der kommenden Spielzeit Chefchoreograf am Oldenburgischen Staatstheater Vorgeschmack auf den neuen Tanzchef

In der nächsten Spielzeit wird Antoine Jully Chefchoreograf am Oldenburgischen Staatstheater. Einen Eindruck von seiner Arbeit konnte man jetzt in Düsseldorf bekommen: Das Ballett am Rhein führte sein Stück „Hidden Features“ auf.
01.04.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Vorgeschmack auf den neuen Tanzchef
Von Alexandra Albrecht

In der nächsten Spielzeit wird Antoine Jully Chefchoreograf am Oldenburgischen Staatstheater. Einen Eindruck von seiner Arbeit konnte man jetzt in Düsseldorf bekommen: Das Ballett am Rhein führte sein Stück „Hidden Features“ auf.

Am Oldenburgischen Staatstheater übernimmt mit der kommenden Saison ein neues Leitungsteam die Regie. Der ebenso ambitionierte wie erfolgreiche Intendant Markus Müller wechselt nach Mainz. Sein Nachfolger Christian Firmbach hat für die Tanzsparte eine Doppelspitze verpflichtet: Burkhard Nemitz, der zuletzt am Opernhaus Bonn ein Gastspielprogramm verantwortete, wird Spartenleiter, Antoine Jully Chefchoreograf. Dem Tanz steht in Oldenburg ein gründlicher stilistischer Wechsel bevor. Auf Guy & Roni, die eher dem Tanztheater zuzurechnen sind, folgt mit Antoine Jully ein Vertreter des Balletts.

Jully hat an den Opernhäusern in Paris und London getanzt, er kam 2005 zu Martin Schläpfer nach Mainz. Mit diesem wechselte er 2009 zum Ballett am Rhein, das die Opernhäuser in Düsseldorf und Duisburg bespielt. Jully ist mit der Bewegungssprache des zeitgenössischen Balletts vertraut, er trat in Werken von Hans van Manen, William Forsythe und natürlich von Martin Schläpfer auf. Dessen Einfluss ist Jullys neuestem Werk „Hidden Features“, das nun vom Rheinballett in Düsseldorf uraufgeführt wurde, anzusehen. Wie man dem Programmheft entnehmen kann, will Jully die „Hidden Features“ (Verborgenen Eigenschaften) des Computers sichtbar machen. Dass einige Tänzer und Tänzerinnen als Cursor, Tastatur oder Maus unterwegs sind, sieht man nur, wenn man es vorher weiß, ansonsten wirkt das rund 25-minütige Werk eher wie eine Beziehungs- und Bewegungsstudie, für die Jully mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln selbst das Bühnenbild geschaffen hat. Erstaunlich sicher arbeitet er mit dem 37-köpfigen Ensemble, das er dramaturgisch geschickt in immer neuen Konstellationen zusammenfügt. „Hidden Features“ steht zwar noch unter Schläpfers Einfluss, es zeigt aber auch das Potenzial des Nachwuchs-Choreografen, der über ein sicheres musikalisches Gefühl verfügt. Oldenburg kann sich über Jullys Engagement glücklich schätzen. Zu Beginn werde nur Jully mit den klassisch ausgebildeten Tänzerinnen und Tänzern arbeiten, sagte Burkhard Nemitz im Gespräch mit dieser Zeitung. Wenn die Compagnie gefestigt sei, sollen auch Gastchoreografen verpflichtet werden.

In Oldenburg wird Jully, der seine Tänzerkarriere nun aufgibt, eine zehnköpfige Compagnie zur Verfügung haben. Was man mit so wenigen Akteuren Großartiges auf die Bühne bringen kann, ließ sich beim Premierenabend in der Düsseldorfer Oper bewundern. Der Altmeister Hans van Manen hat der vorzüglichen Compagnie von Martin Schläpfer ein weiteres Werk anvertraut, seine „Große Fuge“, 1971 für das Nederlands Dans Theater geschaffen. Wohl kein anderer zeitgenössischer Choreograf verfügt über eine derart elegante Bewegungssprache, legt so viel Wert auf Form und erzählt trotzdem so anschaulich und gut verständlich von unseren Beziehungen und Geschlechterrollen. Zwischen den Werken von Jully und van Manen hat Schläpfer „Scenario“ (1997) von Merce Cunningham platziert, ebenfalls ein Klassiker des modernen Balletts. Die einst von Rei Kawakubo entworfenen Kostüme sind mit dicken Polstern auf den Schultern, am Po oder vor der Brust versehen und zerstören die ideale Körperlinie, die man für das Ballett eigentlich voraussetzt. Diese Dekonstruktion ist ganz im Sinne Cunninghams, der zeitlebens alte Bewegungsformen aufbrach, um zu einer neuen Tanzsprache vorzudringen. Das Ballett am Rhein hat mit dem Programm „b.19“ ein weiteres Juwel im Spielplan.

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