Barbara Lison, Direktorin der Stadtbibliothek Bremen, führt Klage über die Weigerung deutscher Verlage, Lizenzen zu erteilen Warum Büchereien so wenige Bestseller als E-Books verleihen

Bremen. Am 23. April feiern hiesige Brauer seit dem Jahr 1994 den Erlass des bayerischen Reinheitsgebots (1516) mit einem Tag des Bieres.
17.04.2014, 00:00
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Warum Büchereien so wenige Bestseller als E-Books verleihen
Von Hendrik Werner

Am 23. April feiern hiesige Brauer seit dem Jahr 1994 den Erlass des bayerischen Reinheitsgebots (1516) mit einem Tag des Bieres. Sollen sie doch. Hiesige Leser – ob ihre Lektüre nun analog ist oder digital – schauen lieber nüchtern auf diesen Tag, der nämlich auch als Welttag des Buches und des Urheberrechts firmiert. Weil das Datum überdies als der Todestag der literarisch verdienstvollen Herren Cervantes (Spanien) und Shakespeare (England) gilt, fügt es sich trefflich, dass um 19.30 Uhr in der Zentralbibliothek eine Bremer Buchpremiere stattfindet. Herausgeber Jürgen Alberts und fünf seiner Mitstreiter lesen aus der Anthologie „Scharf ist die Waffe des Schreiberlings – 13 mörderische Erzählungen um William Shakespeare“.

Wer in der Zentralbibliothek Arne Dahls aktuellen Bestseller „Neid“ oder Lisa Jacksons ebenfalls erfolgreichen Whodunit „Tödliche Spur“ als elektronische Bücher leihen möchte, könnte gleichfalls an eine kriminelle Fügung glauben. Nicht so sehr, weil es sich bei den Titeln um Thriller handelt, sondern vielmehr, weil die Bücherei diese aus nicht von ihr zu verantwortenden Gründen nicht als E-Book zur Verfügung stellen darf. Denn viele deutsche Verlage fürchten um ihre Pfründe – und enthalten daher jener Plattform, über die einheimische Bibliotheken ihre sogenannte Onleihe abwickeln, Lizenzen vor – vor allem für erfolgreiche Titel neueren Datums.

„Manche Verlage schlagen mit viel zu großen Fliegenklatschen auf die deutschen Bibliotheken ein“, sagt Barbara Lison, Leitende Bibliotheksdirektorin der Stadtbibliothek Bremen. Laut Lison befürchten einige der literarisch engagierten Medienunternehmen, ihnen könnte das Gleiche widerfahren wie der durch illegale Downloads gebeutelten Musik- und Filmbranche. Die von Verlagshäusern nachgerade apokalyptisch beschworene Kannibalisierung ihrer Buchverkäufe durch die E-Book-Verleih-Angebote der Bibliotheken gebe es nicht. Ohnedies sind E-Books zwar ein Wachstumsmarkt, aber immer noch randständig, gemessen am Gesamtausleihvolumen.

Um die lesende Öffentlichkeit für das komplexe Thema zu sensibilisieren, dessen filigrane Verästelungen bis in das der Digitalära unangemessene Urheberrecht reichen, hat die Stadtbibliothek im Internet unter www.stabi24.de/ebooks eine Abstimmung initiiert. Innerhalb von sechs Tagen haben sich 600 E-Book-Nutzer aus Bremen und umzu dafür ausgesprochen, dass es Bibliotheken künftig möglich sein muss, „E-Books zu fairen Preisen und Konditionen“ zu beziehen. Dafür setzen sich Bibliotheksverbände europaweit unter dem Motto „The Right To E-Read – Your Library“ ein.

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