Warum es einen Vietnamesen nach Spitzbergen verschlägt

Eigentlich ist die Waffe seiner Wahl ein Bambusstab. Damit bringt Privatermittler Phong Packer in dem Krimi „Kalt kommt der Tod“ jeden zu Fall, seien es russische Wrestler oder aggressive Skinheads.
29.09.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Warum es einen Vietnamesen nach Spitzbergen verschlägt
Von Kathrin Aldenhoff
Warum es einen Vietnamesen nach Spitzbergen verschlägt

Wegen des Klimawandels schmilzt das Eis der Arktis, und die Rohstoffe, die darunter lagern, werden zugänglich. Dänemark, Norwegen, die USA, Kanada und Russland streiten schon seit Jahren, wem sie gehören.

Hans Snoek / pixelio.de

Eigentlich ist die Waffe seiner Wahl ein Bambusstab. Damit bringt Privatermittler Phong Packer in dem Krimi „Kalt kommt der Tod“ jeden zu Fall, seien es russische Wrestler oder aggressive Skinheads. Als er sich in der Schneewüste Spitzbergens einem 400 Kilogramm schweren Eisbären gegenüber sieht, greift der Bremer dann aber doch zum Gewehr. Und rettet seine Begleiterin und sich mit einem gezielten Schuss durch das Auge des Tieres.

Phong Packer ist ein echter Held mit Witz und Charme sowie einem handfesten Trauma im emotionalen Gepäck. Als Junge flüchtete er in einem morschen Boot aus Vietnam, in einem Flüchtlingslager in Malaysia lernte er das Kämpfen, dann adoptierte ihn eine reiche Bremer Familie. In seinem ersten Fall verschlägt es Packer auf die arktische Inselgruppe Spitzbergen.

Mit seinem fünften Thriller ist Hannes Sprado erneut ein rasanter, packender und lesenswerter Krimi gelungen. Aus dem aktuellen Streit um die Rohstoffvorkommen in der Arktis baute Sprado eine bedrohliche Szenerie für seinen Ermittler.

Sprado ist Herausgeber und Chefredakteur der P.M.-Zeitschriftengruppe, seine Krimis schreibt er nebenbei. „Ich mache das, weil ich als Chefredakteur nicht mehr zum Schreiben komme“, sagte Sprado bei der Vorstellung seines Buches in Bremen. Für die Recherche reiste er nach Spitzbergen und verbrachte vier Tage in Dunkelheit und Kälte, um die Stimmung dort glaubwürdig schildern zu können.

Das gelingt, die Beschreibungen von Landschaft und Leuten auf Spitzbergen wirken sehr plastisch. Seinen Anfang nimmt der Roman aber in Bremen, im ehemaligen Gebäude der Reederei Beluga. Dort sitzt die Firma des Bremer Reeders Otto C. Riesenberg, Phongs Adoptivvater. Er beauftragt Packer, seine Tochter Carolin zu suchen. Die Professorin für Polarforschung ist mit zwei Kolleginnen während einer Expedition auf Spitzbergen verschwunden. Innerhalb weniger Stunden überschlagen sich die Ereignisse: Eine Kollegin von Carolin wird mit einem Loch im Kopf und von einem Eisbären zerfetzt im Schnee gefunden. Ein Orden in der Hand der Leiche führt die Ermittler zu einem russischen Milliardär. Nebenbei kommt Packer einem Callgirl-Ring auf die Spur, für den Carolin gearbeitet haben soll. Dubiose Sicherheitsleute tauchen auf, und es wird klar: Es geht um Öl, Macht und Geld. Im Wettlauf um die Rohstoffe der Arktis greift die russische Regierung bei Hannes Sprado zu kriminellen Methoden. Die Rollenverteilung ist einfach: Die Russen sind die Bösen. Wenn Packer grausam gefoltert wird und der russische Geheimdienst agiert, scheint der Kalte Krieg zurück zu sein. Ein Glück, dass auch der tapfere Mitstreiter von Packer ein Russe ist und auf diese Weise die Ehre der Nation retten kann. Zumindest halbwegs.

Hannes Sprado: Kalt kommt der Tod. Edition Temmen,

Bremen. 416 Seiten, 14,90 .

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