Frage der Woche Warum ist Bremen eine Musikstadt?

Bremen. Das Musikfest Bremen jährt sich zum 22. Mal. Mittlerweile strahlt das Festival auf ganz Nordwestdeutschland aus. Warum ist die kleine Stadt Bremen ein international so anerkannter Musikstandort?
26.08.2011, 15:09
Lesedauer: 2 Min
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Von Kan Nozawa

Bremen. Das Musikfest Bremen jährt sich zum 22. Mal. Mittlerweile strahlt das Festival auf ganz Nordwestdeutschland aus. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und die Bremer Philharmoniker sind nicht nur beim Musikfest eine feste Größe – die beiden Klangkörper werden international anerkannt. Dirigenten-Ikone Herbert von Karajan hält „Die Glocke“ für einen der besten Konzertsäle Europas. Warum ist die kleine Stadt Bremen ein weltweit so beachteter Musikstandort?

„Bremen hat nicht viel Geld, aber ideale Bedingungen“, antwortet Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz auf die Frage im Gespräch mit WESER-KURIER Online. Die Musiktradition sei fest verwurzelt bei den Bürgern der Stadt.

1825 riefen acht Bremer aus dem politischen und kulturellen Kreis den „Verein der Privat Concerte“ ins Leben. Er gründete ein Privatorchester – eines der ersten bürgerlichen Orchester überhaupt. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm die Stadt Bremen das Orchester. Seit nunmehr zehn Jahren fungiert es als GmbH unter dem Namen „Bremer Philharmoniker“, und der damalige Konzertverein prägt heute als „Philharmonische Gesellschaft“ immer noch wesentlich den Kulturbetrieb. Sie trägt zur Finanzierung der Philharmoniker bei, veranstaltet Konzerte und unterstützt junge Musikertalente.

„Bremens musikalische Leistung ist nicht das Ergebnis einzelner, sondern der ganzen Gesellschaft“, betont Staatsrätin Emigholz. Es gehöre zur hanseatischen Tradition, dass Wohlhabende sich für nicht so gut situierte Bürger einsetzen: „Die Musikkultur hat zur Demokratisierung von unterschiedlichen Gruppen geführt.“

Hier scheint die überschaubare Größe Bremens kein Makel zu sein, sondern ein Standortvorteil. „In Bremen gibt es ein ganz anderes Netzwerk als in Metropolen“, sagt Carmen Emigholz und meint damit Politik, Gesellschaft, Medien und Sponsoren. „Daraus entsteht eine Kontinuität bei der Kulturarbeit, die es woanders nicht gibt.“

Das bestätigt auch der Intendant und Gründer des Musikfestes Bremen: „Durch die überschaubare Zahl an Menschen entsteht ein ganz anderes Vertrauen“, schwärmt Thomas Albert. Eine „breite Trägerschaft mit Herz und Verstand“ habe ihn immer kritisch begleitet und inspiriert bei seiner kulturellen Arbeit. Und die Bürger der Stadt seien erstaunlich offen für neue Wege.

Das müssen sie sein, die „guten Bedingungen“, die Staatsrätin Carmen Emigholz ins Feld führt. Bedingungen, mit denen Bremen punktet. Zum Beispiel beim Generalmusikdirektor der Bremer Philharmoniker: „Ein Markus Poschner ist eigentlich unbezahlbar – der ist nur gekommen, weil wir ihm hier alle Freiheiten lassen“, plaudert Emigholz aus dem Nähkästchen.

„Arbeit auf Augenhöhe“ nennt sie das Erfolgsgeheimnis. Und Musikfest-Intendant Albert greift gern zurück auf das Bild der Stadtmusikanten: „Bremen hat musikalisch gesehen eine märchenhafte Ausgangslage.“

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