Frage der Woche Warum können sich Bremen und Hamburg nicht leiden?

Bremen. Am Sonnabend tritt Werder Bremen bei seinem Erzrivalen, dem HSV, an. Doch nicht nur beim Fußball sind sich Bremen und Hamburg nicht grün. Woher kommt eigentlich diese Hassliebe zwischen den Hansestädten? Das klären wir in der Frage der Woche.
17.02.2012, 17:30
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Warum können sich Bremen und Hamburg nicht leiden?
Von Birgit Bruns

Bremen. Am Sonnabend tritt der SV Werder Bremen bei seinem Erzrivalen, dem Hamburger Sportverein, zum 96. Bundesliga-Nordderby an. Doch nicht nur beim Fußball sind sich Bremen und Hamburg nicht grün. Woher kommt eigentlich diese Hassliebe zwischen den beiden Hansestädten? Das klären wir in der Frage der Woche.

„Angefangen hat alles mit dem Einfall der Wikinger in Hamburg im 10. Jahrhundert“, erklärt Heinz-Gerd Hofschen vom Bremer Focke-Museum. Er ist Abteilungsleiter für bremische Stadtgeschichte und kennt sich mit der lange gewachsenen Rivalität der beiden Hansestädte bestens aus. Als die Wikinger Hamburg belagerten, wechselte der Sitz des Erzbischofs von der Elbe an die Weser. Plötzlich war Bremen der Mittelpunkt Nordeuropas.

Das wollten die Hamburger nicht mit sich machen lassen. Bei den sogenannten Hansetagen, unregelmäßig stattfindenden Veranstaltungen der Hansestädte im Mittelalter, gab es immer wieder kleinere Rangeleien, welche Hansestadt denn nun die mächtigere sei, erklärt Konrad Elmshäuser, Leiter des Bremer Staatsarchivs. Meist bekamen die Hamburger den Vorrang und die besseren Sitzplätze – Bremen war einfach zu klein und damit unbedeutender.

So richtig habe sich die Feindschaft der beiden Städte erst während der vergangenen 300 Jahre zugespitzt, sagt Hofschen. Denn plötzlich entwickelte Hamburg sich schneller als Bremen. Die Stadt an der Elbe hatte im 20. Jahrhundert vier Mal so viele Einwohner und eine viel größere wirtschaftliche Bedeutung. Daran konnte auch der Erfolg der Bremer im Auswanderergeschäft nichts ändern. Zwar starteten im 20. Jahrhundert deutlich mehr Auswanderer von der Columbuskaje ab Bremerhaven als von den Hamburger Landungsbrücken. Doch das reichte nicht, um Hamburg gefährlich zu werden.

Ganz so ausgeprägt ist die Feindschaft dann allerdings doch nicht. Nach dem großen Hamburger Stadtbrand im Mai 1842 bewiesen die Bremer ein Herz für ihre Nachbarn und spendeten großzügig für den Wiederaufbau. Der Bremer Bürgermeister Johann Smidt erhielt daraufhin sogar die Ehrenbürgerschaft der Stadt Hamburg. Also ist es wohl doch eher eine Hassliebe. „Da ist natürlich auch viel Folklore dabei“, stellt Hofschen klar.

Kritisch werde es allerdings, wenn einzelne Bremer oder Hamburger anfangen würden, die vermeintliche Feindschaft zu überhöhen. Damit spielt Hofschen auf einen tödlichen Zwischenfall im Oktober 1982 an, als ein Werder-Fan auf dem Weg zum Stadion von HSV-Hooligans überfallen wurde. Er wurde von einem Stein am Kopf getroffen und starb einen Tag später im Krankenhaus. Um Racheakte und künftige Zusammenstöße zu vermeiden, trafen sich im Dezember 1982 rund 200 Fan-Delegierte beider Vereine sowie die Manager Willi Lemke und Günther Netzer in Scheeßel, etwa auf halber Strecke zwischen den beiden Hansestädten. Dort wurde ein „Stillhalteabkommen“ vereinbart.

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