Frage der Woche Warum sind Weihnachtsmärkte im Trend?

Während viele Volksfeste mit einem Besucherschwund zu kämpfen haben, erleben Weihnachtsmärkte einen regelrechten Boom. Die Gründe dafür untersuchen wir in unserer Rubrik „Frage der Woche“.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Paul Hellmich

Bremen. Während viele Volksfeste mit einem Besucherschwund zu kämpfen haben, erleben Weihnachtsmärkte einen regelrechten Boom. Die Gründe dafür untersuchen wir in unserer Rubrik „Frage der Woche“.

Während der Deutsche Schaustellerbund (DSB) im Jahr 2000 rund 14.000 Jahrmärkte in der Bundesrepublik zählte, waren es zuletzt noch knapp 10.000. Das entspricht einem Rückgang um fast 30 Prozent. Eine ganz andere Situation zeigt sich bei den Weihnachtsmärkten. Im Vergleich zu 2001 verzeichnet der DSB eine Steigerung der Besucherzahlen um knapp 70 Prozent. Heute haben die Weihnachtsmärkte in Deutschland zusammengerechnet etwa 85 Millionen Besucher.

Mit den ganz großen Märkten kann der Bremer Weihnachtsmarkt zwar nicht mithalten. Aber auch hier steigt die Zahl der Besucher, teilt die Touristik-Zentrale mit. Zusammen mit dem Mittelalter-Markt an der Schlachte zieht der Weihnachtsmarkt mittlerweile eine Million Besucher an. Genauere Daten sollen dieses Jahr ermittelt werden.

Lesen Sie auch

Wie lässt sich der Erfolg der Weihnachtsmärkte im Vergleich zu Jahrmärkten im Frühjahr und Sommer erklären? Ist festliche Stimmung einfach besser für das Geschäft? „Es ist ja nicht so, dass alle Jahrmärkte Probleme haben. Gerade große Veranstaltungen haben stabile Besucherzahlen“, sagt Lucinde Boennecke, Sprecherin des Deutschen Schaustellerbundes. Betroffen seien vor allem kleine Feste. Schuld daran seien Versäumnisse der Tourismus-Zentralen, aber auch der demographische Wandel: Auf dem Land leben zu wenig junge Leute – manchmal lohnt sich das Geschäft für die Karussellbetreiber schlicht nicht mehr.

„Weihnachtsmärkte sind für die Schausteller mittlerweile eine wichtige Einnahmequelle", sagt Lucinde Boennecke . "Viele mittlere und kleine Betriebe können es sich schlichtweg nicht leisten, zu Weihnachten nichts zu machen.“ Die Städte und Gemeinden können dadurch aus einem größeren Angebot an Glühwein-, Crêpe- und Süßigkeitenbuden schöpfen.

Weihnachtsmärkte und Marketing

Ein Teil des Erfolgs der Weihnachtsmärkte ist wohl der Werbung zuzuschreiben. "Weihnachtsmärkte werden mittlerweile verstärkt touristisch vermarktet, stellt Peter Rose, Wirtschaftswissenschaftler an der Hochschule Bremen fest. Auch die Tourismuszentrale in Bremen bietet schon länger Komplettpakete mit Übernachtung, Stadtführung und Glühwein an. Etwa 20 Prozent der Besucher des Weihnachtsmarkts sind Übernachtungsgäste, sagt Sprecherin Maike Lucas. Weitere 40 Prozent sind Tagestouristen aus dem Umland. Mit einer wachsenden Zahl an Städtereisen sei in Deutschland ein regelrechter Weihnachtsmarkttourismus entstanden.

Lesen Sie auch

Dabei spielt die Suche nach Alleinstellungsmerkmalen eine wichtige Rolle. „Die Weihnachtsmärkte versuchen, sich von denen in anderen Städten abzusetzen“, sagt Wirtschaftswissenschaftler Rose. „Man stellt zum Beispiel den Markt unter ein bestimmtes Thema und erweitert das Konzept.“ So wirbt die Bremer Touristikzentrale damit, dass man hier vor der Kulisse des UNESCO-Weltkulturerbes feiern könne. Seit 2004 gibt es mit dem „Schlachtezauber“ einen kleinen Ableger des eigentlichen Weihnachtsmarkts. Auch der sei durch seine Nähe zum Wasser und durch das Mittelaltermotto etwas ganz besonderes, sagt Maike Lucas.

Was macht aber für die Besucher den Reiz eines Weihnachtsmarktbesuches aus? Wirtschaftswissenschaftler Peter Rose sieht vor allem ein Ritual, ein Ereignis, das fester Teil der Jahresplanung ist – nicht zuletzt weil man auch durch die Berichterstattung in den Medien eine Erwartungshaltung geweckt wird. Weihnachten selbst spielt dabei natürlich auch eine Rolle. „Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt ist auch ein Teil des Zurücklehnens, des Zur-Ruhe-Kommens – man stimmt sich auf das Fest ein.“ Klaustrophobisch dürfe man dabei natürlich nicht sein, sagt Rose, „aber den meisten Leuten scheint das zu behagen.“

Mittlerweile sind deutsche Weihnachtsmärkte auch ein Exportschlager. In Chicago wird seit 1996 der „Christkindlmarket“ gefeiert, der sich stark an seinem Nürnberger Vorbild orientiert. Auch in Osaka in Japan, dem schottischen Edinburgh und vielen anderen Städten überall auf der Welt gibt es deutsche Weihnachtsmärkte.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+