Frage der Woche Warum werden Schiffe getauft?

Bremen. Schiffstaufen haben eine lange Tradition. Bereits die alten Römer zelebrierten dieses Ritual. In unserer Rubrik "Frage der Woche", erklären wir, woher der Brauch kommt und warum er auch heute noch gepflegt wird.
13.03.2013, 17:59
Lesedauer: 2 Min
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Von Swantje Friedrich

Bremen. Schiffstaufen haben eine lange Tradition. Bereits die alten Römer zelebrierten dieses Ritual. In unserer Rubrik "Frage der Woche", erklären wir, woher der Brauch kommt und warum er auch heute noch gepflegt wird.

Sie tun es bei kleinen und großen Schiffen, mit Champagner oder Whisky – seit vielen Jahrhunderten taufen Seefahrer ihre Schiffe. Als ehemaliger Kapitän hat Willi Wittig schon einige dieser Rituale erlebt. „Früher wollten die Seeleute ihre Götter gnädig stimmen“, sagt Wittig, der heute an der Hochschule Bremen Nautik und Schiffsmanagement unterrichtet. „Aber auch heute noch glauben manche, dass der Besatzung eines nicht getauften Schiffs Unglück widerfährt.“

Über den genauen Ursprung des Brauchs sind sich Experten unsicher. „Es lässt sich aber nachweisen, dass schon die alten Griechen und Römer im vierten Jahrhundert vor Christus verschiedene Stapellaufbräuche pflegten“, sagt Dirk Peters vom Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven. Demnach begossen die Seefahrer die fertig gebauten Boote mit Flüssigkeiten, wenn sie sie erstmals zu Wasser ließen. Außerdem erbrachten sie tierische und menschliche Opfer. „Namen gaben die Europäer ihren Schiffe jedoch erst ab dem 16. Jahrhundert“, sagt Peters. Der Begriff Schiffstaufe sei an die christliche Säuglingstaufe angelehnt.

Heute wird der Brauch im kleinen und großen Stil zelebriert. Um fragilere Boote nicht zu beschädigen, zerschellen einige Besitzer keine ganzen Flaschen am Schiffskörper, sondern übergießen ihn nur mit Sekt oder anderen alkoholischen Getränken, während sie den Taufspruch sagen. „Bei den großen Schiffen muss es natürlich eine ganze Flasche sein - gefüllt mit Champagner“, sagt Ex-Kapitän Wittig. Je nach Landessitte unterscheidet sich das Taufmittel erheblich: Islamische Seefahrer benutzen statt Alkohol Wasser aus dem heiligen Brunnen von Mekka, in Schottland bevorzugt man Whisky und in afrikanischen Ländern wirft die Taufpatin eine Kokosnuss gegen den Schiffsrumpf.

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Die Reedereien zelebrieren die Taufen häufig im Rahmen einer großen Veranstaltung. „Anschließend gibt es meist eine Feier, die auch zur Pflege von Geschäftsbeziehungen genutzt wird“, erklärt Wittig. Dazu lädt die Reederei Mitglieder der Schiffsbesatzung und Werftmitarbeiter ein, aber auch die Kreditgeber von Banken. Die Taufe findet entweder in der Werft statt oder erst im Hafen. Je nach Größe des Schiffes unterscheidet sich der Ablauf. Bei großen Schiffen wird die Flasche oftmals von einer Plattform aus fallen gelassen, nachdem sie mit einer Leine am Bug befestigt wurde. „Das macht fast immer eine Frau, die zur Schiffspatin bestimmt wurde, Männer gelten als böses Omen.“

Legenden über die Folgen von nicht durchgeführten Schiffstaufen gibt es viele. Unter Seeleuten gilt die Titanic als abschreckendes Beispiel. Der verunglückte Ozeandampfer der britischen Reederei White Star Line wurde nicht getauft, bevor er in See stach. „Manche glauben aber auch, dass es Unglück bringt, wenn die Flasche nicht gleich beim ersten Versuch zerschellt“, sagt Wittig. In beiden Fällen handele es sich jedoch um Aberglauben. „Die Schiffstaufe ist ähnlich wie das Richtfest bei einem neu gebauten Haus: nicht mehr als ein nettes Ritual. Es bietet eine gute Gelegenheit, um sich zu versammeln – stehen bleibt das Haus aber auch ohne.“

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