Weserburg

Was Farbe kann

„Meine Malerei ist interessant, weil die Farbe bei mir etwas tut, was sie bei anderen nicht tut,“ behauptet Daniel Richter. Tatsächlich springt sofort Farbe ins Auge, wenn man das Werk „Poor Girl“, das zurzeit in der Ausstellung „Proof of Life /Lebenzeichen“ gezeigt wird, ansieht.
11.08.2017, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Von (Sigrid Schuer)

„Meine Malerei ist interessant, weil die Farbe bei mir etwas tut, was sie bei anderen nicht tut,“ behauptet Daniel Richter. Tatsächlich springt sofort Farbe ins Auge, wenn man das Werk „Poor Girl“, das zurzeit in der Ausstellung „Proof of Life /Lebenzeichen“ gezeigt wird, ansieht. Die rote Spielplatz-Rutsche fängt den Blick ein und lässt ihn pendeln zwischen diesem seltsam eindimensional und durchsichtig wirkenden Alltagsgegenstand und dem hellen Körper der titelgebenden Figur. Die grellen, pink und gelb leuchtenden Farbtupfen zwischen den schwarzen Ästen und vor dem expressionistisch düsteren Himmel zeigen, wie vergiftet die Szene ist. Durchzogen wird sie von vermeintlichen Zeitungsseiten, die wohl vom Wind verweht werden. Sie scheinen unbeschriftet, während auf dem Körper des Mädchens Verletzungen zu erkennen sind. Der dunkelgrüne Boden spiegelt die Baumstämme und trägt damit zur verstörenden Atmosphäre bei, die das Werk entfaltet. Je genauer man es betrachtet, desto mehr fallen Gestaltungsmittel auf, die nicht auf realistische Abbildung zielen. Die unterschiedlichen Farb-Zeichen in Richters Bild schaffen eine kommentierende Ebene zum Dargestellten im Bild. Sie öffnen die Doppelbödigkeit einer Kunst, die unsere Gegenwart malerisch reflektiert.

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