Künstler mit Visionen: Phil Splash will alle Münchener zeichnen

Wenn der Zeichenstift qualmt

München. Der Mann hat sich einiges vorgenommen: Der Münchener Künstler und Grafikdesigner Phil Splash, mit bürgerlichem Namen Philipp Mulfinger, will in den nächsten 50 Jahren 1 479 000 Porträts zeichnen. Der 30-Jährige hat eine Vision: Er will 1,5 Millionen Münchener porträtieren.
20.04.2015, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Von Ralf Müller
Wenn der Zeichenstift qualmt

Schnelle Feder: Der Aktionskünstler bei der Arbeit.

Privat

Der Mann hat sich einiges vorgenommen: Der Münchener Künstler und Grafikdesigner Phil Splash, mit bürgerlichem Namen Philipp Mulfinger, will in den nächsten 50 Jahren 1 479 000 Porträts zeichnen. Der 30-Jährige hat eine Vision: Er will 1,5 Millionen Münchener porträtieren. 2 000 davon hat er schon gezeichnet.

Pro Jahr müsste er über 29 000 Zeitgenossen zu Papier bringen, etwa 80 am Tag. Rein physikalisch wäre das zu schaffen. An manchen Tagen habe er schon bis zu 140 Gesichter abgezeichnet, berichtet der Künstler, der mehr Farbe ins Leben bringen will. Auch bei knappen Produktionszeiten zwischen 30 und 60 Sekunden pro Zeichnung braucht es dazu einige Kondition. Zum Broterwerb taugt die Aktion „1,5 Millionen Münchener“ nicht: Die Porträtierten müssen nichts bezahlen; dafür dürfen sie auch ihr Abbild nicht mitnehmen. Im Internet werden mit etwas Glück Fotos von ihnen mit ihrem Porträt veröffentlicht.

Freibier ist beliebt, Freiporträts auch: Phil Splash hat keine Probleme, Modelle zu finden. An frequentierten Plätzen wie etwa im Untergeschoss der Stachuspassagen lässt er bevorzugt an den Wochenenden den Zeichenstift qualmen. Die Besessenheit trägt Mulfinger-Splash schon seit Kindesalter mit sich herum. Viele Schulstunden machte er zu persönlichen Zeichenstunden, was ihm nicht immer Anerkennung eingebracht hat, wie er berichtet. Später wurde die U-Bahn zum Atelier. Unter Tage während der Fahrten zur Arbeit und in den Pausen startete vor fünf Jahren das Projekt „1,5 Millionen Münchener“. Worin diese Mischung einmal münden wird, weiß der Künstler selbst nicht. Irgendwann werden die Porträts sicher einmal die Grundlage einer Ausstellung oder einer groß angelegten Aktion bilden. Doch einstweilen betrachtet Splash den Porträt-Marathon als „Fun-Projekt“ getreu seiner Mission, die Welt zu einem schöneren Platz zu machen. Und das geht nach seiner Logik mit Kunst am besten.

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