Wie zehn Bremer Autoren gemeinsam einen Krimi schreiben

Bremen. Es ist nur ein schmales Buch mit einem dünnen Einband, aber Karsten Klama wiegt es in der Hand wie einen Schatz. Er blättert vorsichtig durch die Seiten und sagt leise: „Da bin ich schon stolz.
08.10.2013, 00:00
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Wie zehn Bremer Autoren gemeinsam einen Krimi schreiben
Von Kathrin Aldenhoff
Wie zehn Bremer Autoren gemeinsam einen Krimi schreiben

Manche von ihnen schreiben schon länger, zum Beispiel Kurzgeschichten oder Lyrik, andere machten ihre ersten Schreibversuche: die Autoren des Bremer Gemeinschaftskrimis „Ausgestellt“.

Autorengruppe „Tatort Weserterrassen 2012/2013“

Es ist nur ein schmales Buch mit einem dünnen Einband, aber Karsten Klama wiegt es in der Hand wie einen Schatz. Er blättert vorsichtig durch die Seiten und sagt leise: „Da bin ich schon stolz.“ Es ist sein erstes Buch, sein erster Krimi. Wird das Buch aber ein Erfolg, muss er sich die Lorbeeren teilen: Der Fotograf und Journalist hat den Krimi nämlich gemeinsam mit neun weiteren Autoren geschrieben.

Begonnen hatte das Ganze mit einem Schreibseminar. Ziel war es, gemeinsam einen Krimi zu verfassen. Sonja Höstermann leitete den Workshop: „Meine Aufgabe als Dozentin war es erst einmal, den Teilnehmern die Grundlagen eines Krimis zu vermitteln.“ Dann entwickelten sie gemeinsam die Romanfiguren, den Plot und bestimmten die Tatwaffe, das Motiv, die Indizien und die falschen Fährten. „Am Anfang stand nur der Tatort fest: Das Bürgerhaus Weserterrassen“, sagt Höstermann. Denn dort fand das Seminar statt.

Die Mordwaffe, für die sich die Gruppe entschieden hat, ist übrigens ein großer Bierkrug. Damit wurde ein prominenter Bremer Galerist erschlagen, seine Leiche wird während des Konzerts einer weltberühmten Punkrock-Band gefunden.

„Am Anfang konnten wir uns gar nicht vorstellen, das zu schaffen“, sagt Klama. Die Aufgabe sei allen als riesig erschienen. Auch deshalb, weil die Gruppenmitglieder ungemein unterschiedlich seien, verschiedene Zugänge zu Literatur und Schreibvorkenntnisse hätten. Die spielerische Herangehensweise an die Aufgabe habe sich schließlich großartig bewährt.

Dass dann am Ende ein gedrucktes Buch mit einer eigenen ISBN-Nummer aus den beiden Wochenendseminaren entstehen würde, war auch für Dozentin Sonja Höstermann eine Überraschung: Seit 2005 gibt sie Kurse zum kreativen Schreiben, doch ein Buch entstand aus so einem Workshop noch nie. Höstermann: „Die Gruppe wollte das unbedingt. Also haben wir uns in unserer Freizeit getroffen und korrigiert.“ Fünfmal hätte jeder das Manuskript gelesen, nun halten sie das Buch mit dem Titel „Ausgestellt“ in den Händen.

„Manche Szenen kann ich schon auswendig“, sagt Walter Baitis. Er trägt seine grauen Haare zurückgebunden, eine Sonnenbrille steckt darin. Schon vor dem Seminar hat er Kurzgeschichten geschrieben. Aber das gemeinsame Schreiben habe etwas bei ihm verändert:„Diese Erfahrung hat mich beflügelt“, sagt er. Demnächst will er sich an einen eigenen Krimi setzen.

Wichtig für das gemeinsame Schreiben sei Respekt, meint Klama: Dass man die Ideen anderer Teilnehmer anhöre – und seien sie noch so absurd. „Wir haben gewissermaßen Gott gespielt und uns diese Welt erschaffen, wie wir sie wollten.“ An einem Wochenende, in insgesamt 16 Stunden, tippten die zehn Autoren diese Welt dann in 20 Kapiteln in ihre Laptops. Wer welche Szenen schrieb, wurde ausgelost.

Dass viele Köche den Brei verderben, ist ein bekanntes Sprichwort. Ob es auch für Autoren und Bücher gilt, ist nicht belegt. „Man merkt dem Krimi an, dass er unterschiedliche Autoren hat“, sagt Höstermann. Es sei auch gar nicht das Ziel gewesen, die verschiedenen Kapitel stilistisch anzuähneln. „Das ist der Charme eines Zehn-Leute-Buchs.“ Autorin Inga Brodersen fügt hinzu: „Bei jedem hat die Figur eine etwas andere Sprache. Beim einen spricht sie steifer, beim anderen lockerer.“ Bei einer Lesung im Bürgerhaus Weserterrassen kann man sich einen Eindruck von dieser Kooperation machen.

Mittwoch, 9. Oktober, 19 Uhr. Bürgerhaus Weserterrassen, Osterdeich, 70 b.

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