Bremen-Nord ist für den bisherigen Kulturstaatsminister Bernd Neumann eine neue Welt Wieder zu Hause

Der scheidende Kulturstaatsminister in Berlin hat 70 Mal hat dafür gesorgt, dass Geld in Bremer Kulturprojekte geflossen ist. Jetzt hat Bernd Neumann der Kanzlerin Adieu gesagt und ist wieder zu Hause – in Lesum. „Für mich beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt“, stellt der CDU-Politiker fest.
21.12.2013, 00:00
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Wieder zu Hause
Von Patricia Brandt

Der scheidende Kulturstaatsminister in Berlin hat 70 Mal hat dafür gesorgt, dass Geld in Bremer Kulturprojekte geflossen ist. Jetzt hat Bernd Neumann der Kanzlerin Adieu gesagt und ist wieder zu Hause – in Lesum. „Für mich beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt“, stellt der CDU-Politiker fest.

Einer neuen Regierung wollte Bernd Neumann (CDU) nicht mehr angehören. Seit 2005 war der Bremer als Beauftragter für Kultur und Medien in Berlin tätig. Jetzt hat der 71-Jährige nach zweimonatiger Krankheit seinen Schreibtisch im Kanzleramt geräumt.

Der hoch aufgeschossene Mann mit den stahlblauen Augen hatte sich in der Vergangenheit gerne als Bremen-Lobbyist vorgestellt. Er hat in seiner Funktion als Kulturstaatsminister nach eigenen Angaben mehr als 70 positive Entscheidungen für Bremen herbeigeführt. Das steht auf der Liste, die er zum Pressegespräch mitgebracht hat. „Eine der jüngsten Entscheidungen, die ich bewusst noch in meiner Amtszeit getroffen habe, war die Bereitstellung der 400000 Euro für das Schulschiff Deutschland – in der Hoffnung, dass der Senat auch einen Beitrag zum Erhalt leistet“, sagt Neumann zum Beispiel. Wie berichtet, muss das Wahrzeichen an der Lesummündung nach Einschätzung des Schulschiff-Vereins dringend saniert werden.

Noch mehr gab es von ihm und seiner Behörde für den Denkort Bunker Valentin in Farge-Rekum. Mit 1,9 Millionen Euro wird der Ausbau zur Gedenkstätte seit 2010 vom Bund gefördert. Aber auch um kleinere Kulturprojekte wie eine Overbeck-Ausstellung (67000 Euro) im Kito kümmerte sich der Nordbremer.

„Sie können sich vorstellen, dass die meisten Projekte ohne den Staatsminister Bernd Neumann nicht gewesen wären, Bunker Valentin nicht, Overbeck-Ausstellung nicht und schon gar nicht die Michaelis-Kirche.“ 165000 Euro hatte seine Dienststelle für eine Umsetzung der restaurierten Orgel in dem Grohner Gotteshaus 2009 beigesteuert. „Es tut mir furchtbar leid. Ich gehe freiwillig, ich kann das ja nicht bis 100 machen“, sagt Neumann. Und er wolle endlich familiäre Pflichten erfüllen. Neumann ist verheiratet, hat zwei Kinder.

Jetzt sitzt der Staatsmann, den die meisten im dunklen Anzug kennen, im Pullover

auf seinem Sofa und muss sich erstmal daran gewöhnen, wieder daheim zu sein. In den vergangenen acht Jahren war er höchstens an den Wochenenden mal in dem verklinkerten Einfamilienhaus mit dem kleinen Garten.

Dabei ist der gebürtige Westpreuße seit Anfang der Fünfziger Jahre in Bremen-Nord zu Hause. „Wir sind hergekommen, weil mein Vater beim Vulkan gearbeitet hat.“ Im Norden Bremens verbrachte der Politiker seine Kindheit und Jugend. Am Gerhard-Rohlfs-Gymnasium in Vegesack machte er in den Sechzigern sein Abitur, in die Vegesacker Strandlust ging er zum Abtanzball. Später arbeitete er eine Zeit lang als Realschullehrer in der Schule an der Kerschensteinerstraße bevor er ab den Siebzigern erst in die Bremische Bürgerschaft und dann in den Bundestag einzog.

Wo bekommt man den Quasi-Neubürger Neumann künftig zu sehen? Bernd Neumann zuckt mit den Achseln. „Meine täglichen Zeitungen werde ich mir jetzt selbst am Kiosk holen. Den Weser-Kurier habe ich aber sowieso.“ Er werde in Knoops Park spazieren gehen und vielleicht auch mal eine Ausstellung im Kito besuchen. „Ich werde mich mal hier und mal dort zeigen, aber eher als Gast und nicht mehr so als Gestalter“, betont er.

Sich ehrenamtlich in der Nordbremer Kulturszene zu engagieren, daran hat Bernd Neumann augenscheinlich bisher noch nicht gedacht. Wie sieht es mit den politischen Weggefährten aus. Hat er noch Kontakt zur Nordbremer CDU? Immerhin war Neumann war von 1979 bis 2008 Landeschef der Bremer Christdemokraten. „Ich fühle mich allen verbunden in Bremen-Nord, natürlich auch mit der CDU. Aber ich werde mich nicht mehr in die Parteiarbeit einmischen“, versichert er.

Ganz kehrt der Politiker der Hauptstadt nicht den Rücken. „Ich verlasse das Kanzleramt. Aber ich habe beschlossen, auch eine Wohnung in Berlin zu behalten. In der ein oder anderen Form werde ich mich betätigen, wenn auch nicht mehr hauptberuflich.“ Neumann liebäugelt mit einer Beratertätigkeit in der Filmkunstbranche. Für seine Verdienste um den deutschen Film wurde Neumann bekanntlich erst im Juli diesen Jahres ein Platz auf dem Gelände der Bavaria-Film in Geiselgasteig bei München gewidmet.

Zu seinen Verdiensten gehörte unter anderem die Digitalisierung historischer Kinofilme, die vom Zerfall des Zelluloids bedroht waren. In Bremen-Nord wird Neumann nicht ins Kino gehen können. „Das bedauere ich sehr.“ Er habe nie verstanden, warum sich kein Filmverleiher in der 100000 Einwohner-Region niederlassen wolle. „Wir sind doch fast eine Großstadt.“

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