Bisonjäger Buffalo Bill schuf mit seinem Tournee-Zirkus das moderne Showbusiness

Wilder Westen in der Manege

Denver. Schon zu Lebzeiten war er eine Legende. Vor 100 Jahren, am 10.
06.01.2017, 00:00
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Von Michael Ossenkopp
Wilder Westen in der Manege

William Frederick Cody, bekannt als Buffalo Bill.

dpa

Denver. Schon zu Lebzeiten war er eine Legende. Vor 100 Jahren, am 10. Januar 1917, starb William Frederick Cody. Bekannt wurde der Bisonjäger, Armeescout und Romanheld unter dem Namen Buffalo Bill. Endgültig zur Berühmtheit machte ihn seine Wild West Show. Doch wegen Indianerschauen und massenhafter Tiertötungen stand er auch in der Kritik.

Durch seinen Zirkus gilt Cody als einer der Begründer des modernen Showbusiness. Im Mai 1883 hatte Buffalo Bill in Omaha seine Wild West Show gegründet, mit der er 30 Jahre lang unterwegs war. 25 Eisenbahnwaggons transportierten mehr als 100 echte Indianer, Cowboys, Pfadfinder und Reiter, 175 Ponys, Maultiere, wilde Pferde und Bisons. Auch Meisterschützin Annie Oakley, die später als Titelheldin des Musicals „Anny get your gun“ von Irving Berlin zur Berühmtheit wurde, und der „König der Cowboys“, Buck Taylor, hatten sich der Truppe angeschlossen.

Eine weitere Top-Attraktion war der berühmte Sioux-Häuptling „Sitting Bull“, der 1885 mit Cody durch Amerika tourte. Seinen legendären Ruf hatte er 1876 in der Schlacht am Little Big Horn erworben, als er General Custer und seine Soldaten vernichtend schlug. In Codys Spektakel kämpfte er aber nicht gegen die Weißen oder für bessere Lebensbedingungen der Indianer in den Reservaten, sondern kassierte für seine Auftritte 50 Dollar pro Woche und gehörte damit zu den bestbezahlten Indianern.

Mehrmals kam die Show auch nach Europa. Bis zu 16 große Dampfschiffe waren nötig, um die riesige Fracht über den Ozean zu schippern. Besonders fasziniert zeigten sich die Bewohner des alten Kontinents vom Kriegsgeheul der Indianer und den aufwendig inszenierten Kampfszenen, wenn die „Rothäute“ auf Freilicht-Bühnen Postkutschen überfielen, waghalsige Stunts präsentierten oder Büffeljagden nachstellten. Cody prägte das Bild der Indianer nachhaltig und feierte mit seiner opulenten Show sensationelle Erfolge. Beim goldenen Thronjubiläum Königin Victorias 1887 in London war er die Hauptattraktion. Daneben trat er in Paris, Wien und weiteren europäischen Metropolen auf.

Auch in Deutschland gastierte die „nie gesehene Neuheit“. Der „Braunschweiger Stadtanzeiger“ berichtete über immer neue Rekordkulissen, allein am 19. Juli 1890 kamen 18 536 Zuschauer. Anfang September campierte Cody in Bremen, im darauffolgenden Jahr in Stuttgart und Karlsruhe. Den Spitznamen „Südstadtindianer“ tragen die Bewohner dort bis heute, steinerner Zeuge des Besuchs von Buffalo Bill ist ein Brunnen mit zwei Indianerköpfen. 1906 trat Cody in Trier auf, in der folgenden Karnevalssession wählten die Verantwortlichen die Wild West Show zu ihrem Thema. Weltweit zog Buffalo Bill 50 bis 70 Millionen Zuschauer an.

Die Shows wollten einen realistischen Einblick in den Wilden Westen geben. Um die Wende zum 20. Jahrhunderts waren „Völkerschauen“ sehr beliebt. Schon 1874 zeigte der Hamburger Tierhändler und Zoodirektor Carl Hagenbeck Lappländer, später brachte er eine grönländische Inuitfamilie sowie Kalmücken, Singhalesen und Beduinen auf die Bühne. Mit ihm wetteiferten Ludwig Ruhe und Carl und Heinrich Reiche durch Nubier-, Irokesen- und Afrika-Schauen um Besucher. Bis zum Ersten Weltkrieg boomte das Geschäft mit exotischen Kolonialausstellungen. Offenbar ließ sich auch Schriftsteller Karl May von den Wild West Shows zu seinen Romanhelden inspirieren.

Der am 26. Februar 1846 geborene Cody wuchs nahe Fort Leavenworth in Kansas auf. Bereits als Kind arbeitete er als Goldgräber, Viehtreiber und Fallensteller. Mit 14 wurde er Reiter beim Pony-Express, im Amerikanischen Bürgerkrieg diente er auf Seite der Nordstaaten. Ab 1867 versorgte er Arbeiter der Kansas Pacific Railway mit Fleisch, in dieser Zeit erhielt er seinen Spitznamen Buffalo Bill, da er nach eigener Aussage in 18 Monaten 4280 Bisons erlegte. Danach kämpfte er gegen Prärieindianer. Während einer Auseinandersetzung mit den Cheyenne verlor er einen Teil seines Skalps, deshalb trug er später stets einen Hut. Bis 1872 beschäftigte ihn die US-Army als Kundschafter.

Trotz dieser beeindruckenden Karriere fehlte noch eine Kleinigkeit, um Cody schon zu Lebzeiten zu einer Legende werden zu lassen. Unter dem Pseudonym Ned Buntline war der Journalist und Schriftsteller Edward Zane Carroll Judson zum Erfinder der „Dime Novels“ („Groschenromane“) geworden. Nach einer Begegnung mit Cody begann er, grotesk überzeichnete Theaterstücke und Groschenhefte über den Mann aus dem Westen zu schreiben. Mit dem Stück „Scouts of the Prairie“, das 1872 am Bowery Theater in New York City Premiere feierte, ging Cody auf Tournee. Im Winter stand er als Schauspieler auf der Bühne, im Sommer arbeitete er als Fährtenleser bei der Armee.

Nach drei Jahrzehnten hatten sich Codys Shows überlebt, 1913 war Buffalo Bill bankrott. Er starb im Alter von 70 Jahren in Denver, Colorado, an Nierenversagen und wurde am Fuße der Rocky Mountains begraben. Entgegen aller Kritik verloren die Indianer aus dem Pine Ridge Reservat mit Cody ihren engagiertesten Fürsprecher: „Ihr sollt wissen, dass das Volk der Sioux in Buffalo Bill einen guten und treuen Freund gefunden hatte. Unser Herz ist schwer von Trauer über seinen Verlust.“

„Unser Herz ist schwer von Trauer über seinen Verlust.“ Indianer, Pine Ridge Reservat
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