Junge Forscherinnen und Forscher wagen sich beim sechsten Bremer Science Slam auf die Bühne

Wissenschaft leicht gemacht

Bremen. Die Shakespeare Company ist ausverkauft bis auf den letzten Platz. Sina Cordsen tritt auf die Bühne und steht im Licht der Scheinwerfer.
09.10.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von PAULINE DECKERT
Wissenschaft leicht gemacht

Zufrieden mit ihrer Premiere: die Personal-Trainerin Sina Cordsen.

Christina Kuhaupt

Die Shakespeare Company ist ausverkauft bis auf den letzten Platz. Sina Cordsen tritt auf die Bühne und steht im Licht der Scheinwerfer. Die 26-Jährige begrüßt das Publikum mit einem einfachen, norddeutschen „Moin“, atmet tief durch und beginnt mit ihrem Vortrag. „Jede Woche gibt es eine neue Diät. Und warum? Weil die letzte nicht geklappt hat“, sagt die Bremerin und erntet dafür zustimmendes Nicken und lautes Lachen aus dem Publikum. Dieses Problem scheint bekannt zu sein. Anders als beim Poetry Slam, geht es beim Science Slam nicht nur um Wortgewandtheit, sondern auch um Wissenschaft. Und darum, diese möglichst originell zu vermitteln.

Die Atmosphäre im Saal gleicht der eines Popkonzertes, doch der Grund für die Begeisterung der Zuschauer sind keine Musiker, sondern fünf schlaue Köpfe aus Bremen: zwei Technomathematiker, ein Spezialist für Raumfahrt, eine Dozentin in betrieblichem Gesundheitsmanagement und ein Medienpädagoge.

Den sechsten Bremer Science Slam eröffnet am Mittwochabend Nicole Dubilier, Professorin am Bremer Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie. Anhand ihres selbst gebastelten Modells stellt die Wissenschaftlerin den Zuschauern den darm- und mundlosen Meereswurm „Olavius“ vor, der im Atlantik und im Mittelmeer zuhause ist. Anders als an der Universität sind die Beiträge keine elendig langen Vorträge, sondern zehnminütige Mini-Referate. Mit Witz und Wissen fesseln die fünf Kandidaten das Publikum. Beim Science Slam gibt es keine Jury. Mit der Lautstärke ihres Applauses und Punktetafeln entscheiden die Zuschauer über die Platzierung der Teilnehmer.

Oberstes Gebot bei der Wertung: Fairness. Klatschen und Jubeln ist erwünscht, Buhrufe, sagt Moderator Sven Kamin, seien ganz und gar nicht gewollt. Stattdessen könnten die Zuschauer ja leiser applaudieren. „Es ist nicht immer leicht, die jungen Wissenschaftler für die Bühne zu begeistern. Im Mittelpunkt, vor einem so großen Publikum zu stehen, ist nicht jedermanns Ding“, sagt Organisatorin Isabell Harder, die den Science Slam nach Bremen geholt hat.

Sina Cordsen kommt von der Bühne. Normalerweise arbeitet sie als selbstständige Personal-Trainerin. Sie selbst nennt sich „die Fitalistin“. Der Begriff, erklärt sie, setze sich aus ihrem Spezialgebiet Fitness und dem Streben nach der Verwirklichung der Ideale ihrer Kunden zusammen. Heute hat sie die Zuschauer mit ihrem Kurzvortrag „Der Jojo-Effekt – Ein missverstandener Urinstinkt“ über Diät-Probleme aufgeklärt. Am Ende muss sich die einzige Teilnehmerin der männlichen Konkurrenz geschlagen geben. Heute reicht es nur für Platz fünf. Mit ihrem Debüt ist Cordsen trotzdem zufrieden: „Mir macht es Spaß, Menschen etwas mit auf den Weg zu geben. Science Slam ist die perfekte Abwechslung zum Arbeitsalltag“, sagt sie. „Ich stehe gerne auf der Bühne.“

Gewinner des Abends ist Medienpädagoge Michael Berndt, der mit einer aufwendigen Power-Point-Präsentation den Zuschauern erklärt, wie man erfolgreich eine Schülerzeitung aufbaut und gestaltet. Mit Witz und Charme referiert sich der Sozialwissenschaftler in die Herzen der Zuschauer und sichert sich so die Trophäe des Science Slam: das „Goldene Gehirn“.

Die Wissenschaftler müssen die Zuschauer erreichen und dabei ihre Forschung leicht verständlich machen. Am Ende gelingt das allen fünf Teilnehmern. „Ich bin von der Veranstaltung begeistert“, resümiert Sina Cordsen, die großen Gefallen am Science Slam gefunden hat. Geht es nach ihr, wird sie auch im nächsten Jahr wieder auf der Bühne stehen.

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