Der Kunstverein Fischerhude möchte möglichst vielen Menschen Zugang zu Kunstgegenständen verschaffen

Wo die Künstler lebten und die Kunst lebt

Fischerhude. Möglichst vielen Menschen Zugang zu Kunstgegenständen verschaffen und ihnen einen Weg zu dem zu bereiten, was ihm selbst stets am meisten am Herzen gelegen habe, das war – und ist – das Anliegen von Wolf-Dietmar Stock. „Und das war auch der Grund, weshalb ich 1987 den Kunstkreis Fischerhude gegründet und viele Jahre im privaten Rahmen betrieben habe.
13.01.2019, 00:00
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Von Andrea Kreutzer

Fischerhude. Möglichst vielen Menschen Zugang zu Kunstgegenständen verschaffen und ihnen einen Weg zu dem zu bereiten, was ihm selbst stets am meisten am Herzen gelegen habe, das war – und ist – das Anliegen von Wolf-Dietmar Stock. „Und das war auch der Grund, weshalb ich 1987 den Kunstkreis Fischerhude gegründet und viele Jahre im privaten Rahmen betrieben habe.“ Mit Kunst zu tun gehabt habe er als freischaffender Maler, Verleger von Kunstbüchern und -kalendern sowie als Galeriebesitzer quasi sein Leben lang, „von daher war es mir schon immer ein Anliegen, die Kunst ins Leben der Menschen zu holen“. Er habe schon damals den Fokus auf Ausstellungen Fischerhuder Künstler gelegt, da er viele noch persönlich kennengelernt hätte, darunter unter anderem Helmuth Westhoff, Erhart Mitzlaff, Christian Modersohn oder auch Olga und Mietje Bontjes van Beek. „In den letzten 120 Jahren haben hier über 50 Künstler gelebt.“

Nur sehr wenige Mitglieder habe der Kunstkreis damals gehabt, doch als er im Jahre 2002 schließlich seinen heutigen Namen, Kunstverein Fischerhude, bekommen habe, seien es bereits an die 100 Menschen gewesen. „Heute haben wir 150 Mitglieder“, der überwiegende Teil von ihnen sei schon etwas älter: „Bei den meisten fängt das Interesse an Kunst dann an, wenn man nicht mehr arbeiten muss und wieder mehr Zeit hat.“ Früher hätten sie sich auch immer wieder um Schulklassen bemüht, doch das finde aktuell nicht mehr statt. Dafür fehle ihnen eine konkrete Person im Verein, die sich diesem Bereich widme.

Nach der Umbenennung zum Kunstverein habe auch die Zusammenarbeit mit dem Buthmanns Hof begonnen. Insgesamt könnten sie über drei Räume mit einer Gesamtfläche von etwa 200 Quadratmetern verfügen, wobei der eine auch zum Teil durch die Stiftung Heimathaus Irmintraut genutzt werde. „Das ist der eigentliche Besitzer des Buthmanns Hof, wir haben die Räumlichkeiten angemietet, müssen aber nur für Strom- und Heizungskosten aufkommen.“

Wer oder was den Anstoß zu einer bestimmten Ausstellung gebe, sei ganz verschieden: „Manchmal verlangen gewisse Daten oder Jubiläen quasi danach, dass man dazu eine Ausstellung macht“, in anderen Fällen entstehe die Idee dadurch, dass ein bestimmtes Thema oder eine bestimmte Kunstrichtung lange nicht ausgestellt worden sei. Im Fall der letzten Ausstellung über den Künstler Hans Meyboden, die im vergangenen Oktober zuende ging, sei der Anlass der Nachlass des Künstlers gewesen, der vor zehn Jahren an die Modersohn Gesellschaft gegangen sei, damals mit der Auflage, die Kunstwerke im Rahmen eines eigenen Museums auszustellen. Dies sei jedoch aus verschiedenen Gründen nicht möglich gewesen, jedoch habe man sich dazu entschlossen, eine große Reihe von Bildern im Rahmen einer ihrer Ausstellungen zu präsentieren.

Mindestens ein Jahr vor Beginn einer Ausstellung würden sie mit den Planungen beginnen. Ein natürlich sehr wichtiger Punkt sei jeweils das Beschaffen der Bilder: Sehr viele würde man von Privatpersonen aus dem Umkreis von etwa 50 Kilometern entleihen. Einige kämen direkt aus Fischerhude, andere aus Lilienthal oder Bremen. „Wir haben uns über die Jahre einen Kreis von Bildsammlern, Galerien und Museen aufgebaut, von denen wir uns immer wieder mal Bilder ausleihen und die sich darüber freuen, ihre Bilder in der Öffentlichkeit präsentiert zu wissen.“

Oftmals könnten sie auch Kunstgegenstände aus ihrem eigenen Bestand verwenden: „Wir verfügen insgesamt etwa über 200 Objekte, darunter Bilder, Skulpturen und Grafiken.“ Entstanden sei dieser inzwischen doch recht große Bestand entweder durch eigene Ankäufe oder aber durch Vermächtnisse, „denn es kommt immer mal wieder vor, dass der Verein in einem Testament bedacht wird oder aber dass wir Bilder als Dauerleihgabe erhalten“.

Sie vom Vorstand teilten sich die für eine Ausstellung anfallenden Arbeiten stets auf. Während der eine für die Werbung zuständig sei und sich beispielsweise um das Erstellen der Flyer und um Plakate kümmere, organisiere ein anderer den Transport der Bilder. „Bilder werden grundsätzlich senkrecht stehend transportiert, da ist die Belastung für die Kunstwerke am geringsten.“ Für zusätzlichen Schutz sorge eine entsprechend gepolsterte Folie. Seien alle Bilder im Ausstellungsraum angebracht, sorge ihre Lichtanlage und gesonderte Strahler für die optimale Ausleuchtung der Gemälde.

Für jede Ausstellung müsse man mit Kosten von 8000 bis 10 000 Euro rechnen. „Unser Glück ist, dass wir als Verein über sehr viele ehrenamtlich arbeitende Helfer verfügen.“ Wenn es beispielsweise um das Besetzen der Kasse geht, hätten sie noch nie jemanden gesondert engagieren müssen. Ein Kostenpunkt, der für jede Ausstellung zu berücksichtigen sei, sei der für die Versicherung. „Für 40 Bilder fallen da, je nach Länge der Ausstellung und des veranschlagten Gesamtwerts, um die 300 Euro an.“

Als Einnahmen hätte der Verein zum einen die Eintrittsgelder – im Jahresdurchschnitt seien es im Schnitt 2800 Besucher, pro Ausstellung circa 1500 – zum anderen die Mitgliedsbeiträge (für Einzelpersonen 36 Euro, für Paare 54 Euro) oder auch manchmal kleinere und größere Spenden oder Erbschaften. „Unsere Einnahmen würden aber bei Weitem nicht ausreichen, um die nächste Ausstellung finanzieren zu können.“ Sie selbst versuchten stets, etwa 25 Prozent der Kosten selbst zu tragen. „Darüber hinaus stellen wir Zuschussanträge, beispielsweise beim Landschaftsverband, bei der EWE-Stiftung oder der Gemeinde Ottersberg.“

Wenn es um die Organisation und Leitung von Führungen gehe, so kümmere sich oftmals die zweite Vorsitzende, Barbara von Monkiewitsch, selbst darum. Außerdem habe man im vergangenen Jahr damit begonnen, nicht nur Führungen seitens des Vereins anzubieten, sondern auch einmal monatlich Bildbesprechungen, die dann vor Ort vor einem bestimmten Bild stattfinden würden. Die Teilnahme an der Besprechung sei kostenlos. „Die Resonanz war immer sehr positiv, diese Neuerung werden wir gewiss beibehalten.“

Von Ausstellungen einmal abgesehen, organisiere der Verein auch Lesungen. Im Rahmen der Meyboden-Ausstellung habe es zwei Lesungen gegeben, bei der einen habe man den Sohn von Hans Meyboden, Lorenz Meyboden, als Gast begrüßen dürfen, der den Zuhörern auch von seinen Erinnerungen an seinen Vater berichtet habe. Stock: „Auch Veranstaltungen dieser Art werden wir wohl in Zukunft noch öfter machen, es hat großen Anklang gefunden.“

In den vergangen Monaten habe man sich intensiv mit der Organisation einer Ausstellung über Fischerhuder Künstlerinnen im Vergleich zu Künstlerinnen aus Nidden beschäftigt. Daher habe man sich auch etliche Bilder aus dem Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg ausgeliehen. „Und nun, am heutigen Sonntag, wird die Ausstellung eröffnet.“ Parallel werde in ihren Räumlichkeiten eine zweite Ausstellung zu sehen sein, die des Fotografen Bernd Hägermann, der das heutige Fischerhude unter dem Titel ‚Twischentied‘ in schwarz-weißen Bildern präsentiere.

Kontakt zum Verein gibt es unter www.kunstverein-fischerhude.de, unter 0 42 93 / 4 91 oder per E-Mail an stock@atelierbauernhaus.de.

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