Frage der Woche Woher bekommen Bremens Straßen ihre Namen?

Bremen. Wilhelm Kaisen hat eine Brücke, Daniel von Büren eine Straße, auch nach Loriot soll jetzt ein Platz benannt werden. Und einen Stadtmusikantenweg gibt es ebenfalls. Doch woher bekommen Straßen ihre Namen? Das klären wir in der Frage der Woche.
02.12.2011, 12:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Carolin Küter

Bremen. Nach Wilhelm Kaisen heißt eine Brücke, nach Daniel von Büren eine Straße und auch nach Loriot soll jetzt ein Platz benannt werden. Überall in der Stadt findet man die Namen berühmter Bremer oder von Menschen, die diese Stadt geprägt haben. Auch nach den Stadtmusikanten ist ein kleiner Weg benannt. Doch woher bekommen Straßen ihre Namen? Das klären wir in der Frage der Woche.

Wenn jemand auf die Idee kommen würde, einen Platz oder eine Straße umzubenennen, er oder sie käme an Martin Stellmann nicht vorbei. Er ist stellvertretender Leiter des Amtes für Straßen und Verkehr. Die Behörde prüft alle Vorschläge zur Änderung oder Neubenennung von Straßen und öffentlichen Plätzen in Bremen. „Wir sind für die handwerkliche Verwaltungsarbeit zuständig“, beschreibt Stellmann seine Arbeit. Die Vorschläge kommen aus den Beiräten der Stadtteile.

Das Amt überprüft dann die Vergangenheit der Menschen, die als Namenspaten herhalten sollen. Die Behörde arbeitet hierbei eng mit dem Staatsarchiv zusammen, erklärt Stellmann, vor allem um eine NS-Vergangenheit der Kandidaten auszuschließen. Wenn das sicher gestellt werden kann, erstellen Stellmann oder seine Kollegen einen Vorschlag, über den die Parlamentarier der Baudeputation abstimmen. Anschließend geht der Antrag an den Senat. Stimmt der dafür, steht der Umbenennung nichts mehr im Wege. „Das dauert in der Regel drei Monate“, sagt Stellmann. Vor allem, wenn die Um- oder Neubenennungen nicht die Hauptverkehrspunkte beträfen.

Nach den Bremer Stadtmusikanten ist bisher nur ein kleiner Weg in Gröpelingen benannt. „Diskussionen über eine weitere Stadtmusikanten-Straße bekommen wir immer wieder mit“, berichtet er. „Aber wo sollte diese Straße sein? Das müsste angesichts der Bedeutung, die Stadtmusikanten für Bremen haben, schon etwas Herausragendes sein.“ Doch die Möglichkeiten an prominenten Plätzen sind begrenzt. Anbieten würde sich der historische Stadtkern, doch hier haben bereits alle Straßen und Plätze eine eigene Historie, so Stellmann. „In Bremens guter Stube sind die Straßennamen teilweise Hunderte von Jahren alt. Es würde doch niemand ernsthaft auf die Idee kommen, die Langenstraße oder die Böttcherstraße umzubenennen.“ Das seien jedoch alles Spekulationen, so Stellmann, denn letzendlich seien die Beiräte für die Vorschläge zuständig.

Legende am Straßenschild verhindert Umbenennung

Dass andere Straßen umbenannt werden, komme jedoch durchaus vor, mein Stellmann. Er erinnert sich an einen Fall, bei dem dem Stadtbeirat in Walle aufgefallen war, dass eine Straße nach einem Namenspaten mit Nazi-Vergangenheit benannt war. „Da war klar, das können wir so nicht lassen.“ Bei einer Umbenennung hätten jedoch auch die Anschriften der Anwohner geändert werden müssen. In diesem Fall war die Lösung einfach: Der Beirat fand laut Stellmann einen „honorigen Mediziner“ mit demselben Namen und ohne dunkle Vergangenheit. Das Straßenschild konnte bleiben und es wurde lediglich eine Legende angehängt, die darüber informiert, welcher Mann gemeint ist.

Doch auch wenn die Vorschläge für die Namenspaten von den Beiräten kommen, gibt der Senat bestimmte Richtlinien vor. So müssen die Gremien seit 2008 bei jeder Neu- oder Umbenennung Frauennamen den Vorzug geben, denn die meisten der Bremer Straßen haben männliche Namenspaten. Das habe Auswirkung auf das Stadtbild, so Stellmann. „Der Anteil an weiblich benannten Straßen hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht.“

Auch in der kommenden Woche werden wir wieder einen Experten zu einem aktuellen Thema befragen. Haben auch Sie eine Frage? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an onlineredaktion@weser-kurier.de

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