Kunst

Zuhause mit Liebermann und Corinth

Wolfsburg/Braunschweig. Lovis Corinth, Max Liebermann, Käthe Kollwitz, Oskar Kokoschka - im Bungalow des Ehepaares Hans-Joachim und Elisabeth Bönsch sind fast alle namhaften Maler der Klassischen Moderne versammelt.
10.01.2010, 13:50
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Zuhause mit Liebermann und Corinth

Kunstsammler-Ehepaar Bönsch

dpa

Wolfsburg/Braunschweig. Lovis Corinth, Max Liebermann, Käthe Kollwitz, Oskar Kokoschka - im Bungalow des Ehepaares Hans-Joachim und Elisabeth Bönsch sind fast alle namhaften Maler der Klassischen Moderne versammelt.

Seit fast fünf Jahrzehnten sammelt das Wolfsburger Paar Kunst. Schwerpunkt sind grafische Arbeiten, aber auch Skulpturen und Gemälde sind unter den etwa 7000 Kunstwerken zu finden. «Sie sind alle mit Herzblut und nach schlaflosen Nächten von uns persönlich ausgesucht worden», erzählt die 68-jährige Elisabeth Bönsch. 2002 hat das Ehepaar seine Sammlung der Stadt Braunschweig in Form einer Stiftung überlassen. Der Wert wird auf etwa 25 Millionen Euro geschätzt - und die Sammlung wächst weiter.

Hans-Joachim Bönsch sitzt auf dem großen hellen Sofa im weitläufigen Wohnzimmer des Bungalows: «Hier an diesem Tisch wälzen wir die Kataloge der Auktionshäuser», berichtet der 81 Jahre alte Mediziner. Zu Händlern seien sie kaum selbst gereist. «Früher hatten wir keine Zeit und heute sind wir nicht mehr mobil», sagt er.

Das Auswählen der Kunst läuft seit Jahrzehnten nach einem festen Ritual. Erst schreibt jeder eine Wunschliste, die dann gemeinsam zu einer «Machbarkeitsliste» umgearbeitet wird. Ihr Angebot schicken sie dann zu den Auktionen. Dann heißt es: Abwarten und Daumendrücken. Trotz ihrer kostspieligen Leidenschaft haben beide die Bodenhaftung nicht verloren: «Wir haben keine Kinder, hatten eine gut gehende Praxis und dann haben wir halt mal hier, mal dort ein Blatt gekauft», erzählt er. «Wir sind beide nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren, wir haben alles erarbeitet», fügt sie hinzu.

Als Diakonieschwester ist die gebürtige Stuttgarterin Anfang der 60er Jahre ins niedersächsische Wolfsburg geschickt worden. Mit dem Autobauer Volkswagen wuchs damals die Stadt Wolfsburg in einem rasanten Tempo. Und so gab es auch für den aus Pommern stammenden Hans-Joachim Bönsch dort nach dem Studium eine Stelle. «Wir fanden beide Kunst schon immer gut, kamen aber gar nicht auf die Idee, sie auch zu kaufen», erinnert sich Elisabeth Bönsch. Von einem Besuch in ihrer Heimatstadt Stuttgart brachte sie dann ihrem «damaligen Freund» eine Grafik als Geschenk mit. «60 Mark hat sie gekostet», weiß Elisabeth Bönsch noch ganz genau.

Im dann neu gebauten Bungalow seien die Wände schnell voller Bilder gewesen. «Irgendwann muss man sich entscheiden, man darf nicht wild sammeln», sagt Hans-Joachim Bönsch. Einen Schwerpunkt bildet Max Liebermann, der mit rund 700 Werken vertreten ist, darunter 37 Selbstporträts. Von Lovis Corinth haben die Bönschs 500 Arbeiten erstanden und von Ernst Barlach und Oskar Kokoschka hat das Ehepaar mehr Objekte als die meisten Museen.

«Und hier die Skulptur von Käthe Kollwitz, die lieben wir auch besonders. Und dort, das ist unser neustes Liebermännchen», sprudelt es beim Rundgang durch das Haus aus Elisabeth Bönsch heraus. Mit dem Kaufen allein ist es aber nicht getan. Nicht selten ist der Zustand der Kunstwerke schlecht und das Ehepaar muss einen Restaurator beauftragen. Zudem schreibt Elisabeth Bönsch Daten über die Künstler und ihre Werke fein säuberlich auf.

Damit die Sammlung nach ihrem Tod nicht zerrissen wird, hatte sich das Ehepaar schon vor Jahren für die Stiftungsidee entschieden. «Aber es ist gar nicht so einfach, etwas zu verschenken», sagt Bönsch. Die Stadt Wolfsburg habe sich nicht wirklich für die Klassische Moderne erwärmen können, das Berliner Kollwitz-Museum habe nicht genug Platz gehabt und in der Stadt Göppingen wurde ein vertraglich zugesicherter Museumsanbau nach einer Kommunalwahl wieder gestrichen. Braunschweig hatte dagegen mitten in der Stadt ein Gebäude frei und war bereit, es umzubauen. Auf 700 Quadratmetern werden nun seit 2006 in wechselnden Ausstellungen Exponate aus der Sammlung Bönsch gezeigt. «Wunderbar, da haben wir es nicht so weit bis zu unseren Lieblingen», freut sich Elisabeth Bönsch. 

(Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr, der Eintritt ist frei) (dpa)

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