Abschied "Diese Offenheit war sehr cool“

Mit einem großen Finale verabschiedet sich das Pastorenpaar Hanna und Timo Rucks am Sonntag aus Harpstedt. Passend dazu werfen sie noch einmal einen Blick zurück auf die mehr als sieben Jahre in der Gemeinde.
12.01.2022, 14:51
Lesedauer: 3 Min
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Von Kerstin Bendix-Karsten

In einem alten VW-Bus wird die Familie Rucks am kommenden Sonntag noch einmal durch Harpstedt fahren – an all den Häusern und Orten vorbei, die sie mit Geschichten und Menschen verbindet. Die Samtgemeinde ist für Hanna und Timo Rucks sowie ihre vier Kinder ein Zuhause. Und trotzdem zieht es sie nach siebeneinhalb Jahren fort. Am Sonntag, 16. Januar, verabschiedet sich das Pastorenpaar bei einem Baustellengottesdienst unter dem Motto "Finale" von der Gemeinde. Ab Februar wird Familie Rucks dann in Langenthal in der Schweiz leben und arbeiten. 

„Wir werden vieles vermissen, aber wir freuen uns aufs Neue“, sagt Hanna Rucks. Gemeinsam mit ihrem Ehemann sei sie schon oft im Leben umgezogen. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man Beziehungen auch über die Entfernung halten kann und dass die Trauer um das Alte nicht ständig bleibt", sagt die Pastorin. Von jedem Ort sei etwas in ihnen drin geblieben. "Und das wird hier, wo die Kinder aufgewachsen sind, besonders so sein“, ergänzt sie.

Keine Begeisterung

Liebe auf den ersten Blick war es allerdings nicht. Begeistert waren die beiden nicht, als sie das erste Mal nach Harpstedt fuhren, um sich dem Kirchenvorstand vorzustellen. Hanna und Timo Rucks hatten sich ihre erste gemeinsame Pfarrstelle in oder im näheren Umkreis von Hannover gewünscht. Denn Timo Rucks wollte nach seinem Vikariat mit dem Schwerpunkt Medien gerne weiter in der evangelischen Rundfunkarbeit bleiben. Die Gemeinde, die die Landeskirche für sie vorgesehen hatte, lag jedoch ganz woanders.

Bis zum Dienstbeginn waren es keine zwei Monate. Die Familie stand kurz vor der Entbindung des zweiten Kindes, die Wohnung bereits gekündigt – sie sahen also erst mal keine andere Möglichkeit. Also fuhren sie zum Vorstellungsgespräch nach Harpstedt. Hanna Rucks erinnert sich noch genau an ihren ersten Eindruck vom Ort: „Eine normale deutsche Dorfstraße; einige alte Häuser, die Kirche und die Anlage drumherum waren natürlich schon schön – aber für uns sah es erst mal aus wie überall.“ Nach dem Kennenlernen einiger Kirchenvorstandsmitglieder hatte sich der Blick jedoch schon etwas geändert. „Beim Rausfahren habe ich gedacht: Heute sagt es uns überhaupt nichts, aber all das wird einmal für uns ganz anders aussehen. Wenn wir hier eine Weile gelebt und Beziehungen zu den Menschen haben, in den Häusern waren, dann wird es uns Heimat und lieb sein", erklärt Hanna Rucks. Und so war es auch. "Wir sind sehr glücklich geworden hier in der Gemeinde“, ergänzt sie.

Viel erlebt

Dieser erste Eindruck ist nun siebeneinhalb Jahre her. In der Zwischenzeit kamen privat noch zwei Kinder dazu: Die Vier sind inzwischen neun, sieben Jahre, fünf und vier Jahre alt. Und dienstlich haben sie viele Erlebnisse und Erfahrungen gesammelt. Der moderne Baustellengottesdienst etwa ist zu einer festen Institution für alle Generationen in Harpstedt geworden. Timo Rucks baute eine lebendige Jugendarbeit auf, organisierte Freizeiten, baute die Medienarbeit der Gemeinde aus, streamte als erster in der Landeskirche Veranstaltungen und machte auch technisch aus der Harpstedter Kirche ein modernes Veranstaltungszentrum mit neuer Sound- und Beleuchtungsanlage. Hanna Rucks gründete zusammen mit einigen Ehrenamtlichen die Flüchtlingsinitiative sowie Gruppen und Angebote für Familien.

„Als wir kamen, war die Gemeinde in einer Umbruchsituation. Sie hatten mit Werner Richter und Gunnar Schulz-Achelis zwei sehr prägende Persönlichkeiten gehabt und waren es gewohnt, dass die Pastoren viele Ideen einbringen und Projekte anreißen“, erinnern sich die Rucks. Niemand habe von ihnen erwartet, erst mal alles ein Jahr lang anzugucken und kennenzulernen. "Es war völlig okay, dass wir gleich mit irgendwas loslegen. Diese Offenheit war sehr cool“, sagt Timo Rucks.

Obwohl die Familie Rucks Harpstedt ihr Zuhause nennt, haben sie beschlossen, in der Schweiz neu durchzustarten. Dass Hanna Rucks gebürtige Schweizerin ist, habe damit jedoch nichts zu tun. "Es sind meine Themen, die uns nun dorthin führen“, erzählt Timo Rucks. In der neuen Gemeinde gehe es ganz stark um Modernisierung, Öffentlichkeitsarbeit mit Sozialen Medien, moderne Gottesdienste und Jugendarbeit. "Das, was ich mache und machen möchte. Die Stelle hat uns interessiert, der Kirchenvorstand dort hat schnell gemerkt, wer wir sind und was wir wollen. Und dann haben sie so lange gezogen, bis wir nicht mehr Nein sagen konnten“, erklärt der Pastor.

Zur Sache

Zur Sache

Familie Rucks wird am Sonntag, 16. Januar, um 15 Uhr verabschiedet. Der Baustellengottesdienst in der Harpstedter Kirche trägt den Titel „Finale“. Eine Anmeldung ist ab Donnerstag über die Internetseite www.gottesdienst-besuchen.de möglich. Wegen Corona ist die Besucherzahl auf 120 beschränkt. Der Gottesdienst wird online übertragen.

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