Wochenmarkt in Hagen Ein Ort des Austauschs

Der Wochenmarkt in Hagen bietet den Kunden seit 2005 jede Menge Frische. Der Markt, der immer donnerstags stattfindet, ist aber mehr als nur ein Einkaufsziel: Er ist ein Ort des Austauschs.
24.10.2021, 18:30
Lesedauer: 5 Min
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Von Christa Neckermann

Hagen. „Die Kunden kommen sogar aus Osterholz-Scharmbeck“, freut sich Doris Walleit. Sie ist in der Gemeinde Hagen im Bremischen für die Wirtschaftsförderung zuständig. Woher sie das weiß? „Wenn wir Marktverlegungen bekannt geben müssen, erreichen uns Anrufe aus dem ganzen Umland von Hagen.“

Der seit 2005 bestehende Wochenmarkt in Hagen hat sich durchgesetzt. Zu Beginn wäre es nicht ganz einfach gewesen, erinnert sich Gerhard Gonska, der Marktmeister. Er gehört mit seinem Obst- und Gemüsestand, an dem er gut 250 unterschiedliche Sorten anbietet, zu den Gründern und gilt damit als Urgestein des Marktes. „Die Fläche hier auf dem Amtsplatz, schräg gegenüber dem Rathaus, umgeben von alten Bäumen, schafft eine einmalige Atmosphäre“, findet Gonska. Die Marktbeschicker hätten sich auf eine gesunde Mischung verständigt. „Drei Bäcker- oder Käsewagen brauchen wir hier nicht“, findet Gonska. Er plädiert dafür, dass alle Anbieter ein faires Stück des Kuchens erhalten.

Reichhaltiges Angebot

Das Angebot des Marktes ist reichhaltig. Neben Gerhard Gonska bietet noch Heike Schwabe aus dem Kreis Wesermarsch Obst und Gemüse an, doch bei ihr wurde es biologisch angebaut. „Unsere Kunden achten auf diese Dinge. Es ist unsere Aufgabe, für das entsprechende Angebot zu sorgen“, ist Gonska überzeugt.

Inga Meyer bietet an ihrem Stand regionale wie auch überregionale Käse-Spezialitäten an. Besonders liegen ihr dabei die handwerklich hergestellten Käsesorten aus kleinen Hof-Käsereien am Herzen. „Was haben Sie denn heute als Besonderheit im Angebot?“, fragt eine Kundin, die die sachkundige Beratung von Inga Meyer schätzt. „Probieren Sie doch einmal den ‚Allgäuer Uriger‘, der ist cremig, aber auch schön würzig“, empfiehlt die Fachfrau. Neben harten, cremigen, milden, würzigen oder streichfähigen Kuh-, Schafs- oder Ziegenkäsen hat Inga Meyer auch Brot und Brötchen, italienische Marmeladen und sogar Müsli im Angebot.

Duft geräucherter Würste

Schon auf dem Weg zum Tresen des Standes der Landschlachterei Bernd Kille steigt dem Kunden der Duft geräucherter Würste und köstlich zubereiteter Fleischgerichte in die Nase. Das Rind- und Lammfleisch, das in der Schlachterei verarbeitet wird, stammt unter anderem vom eigenen landwirtschaftlichen Betrieb, auf dem Limousin-Rinder gehalten werden. Damit stellt der Betrieb die gleichbleibend hohe Qualität der Fleisch- und Wurstwaren sicher. Suppen und selbst gemachte Salate gehören gleichfalls zum Angebot der Landschlachterei. Fleisch gibt es auch gegenüber am Stand des Geflügelhofes Onken aus Bockhorn. Hähnchen und Pute, am Stück, in Teilen oder verarbeitet zu Wurst und Grillgut können die Kunden hier erwerben. Auch Geflügelsalate, verschiedene Suppen und viele Arten Aufschnitt lassen den Kunden das Wasser im Munde zusammenlaufen. Hier warten schon eine Reihe von Kunden darauf, dass sie endlich ihre Wünsche äußern dürfen. Die Zeit wird genutzt, um die ganze Länge des Tresens ausgiebig zu begutachten. „Hühnerbrüstchen könnte ich auch mal wieder machen“, hört man es murmeln. „Oder, nee, lieber marinierte Putensteaks für den Grill!“

Ort der Frische

Dirk Jander besucht nach wie vor gern den Markt in Hagen. Der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde schätzt den Markt sowohl als Ort der Frische („Gemüse, das Sie hier kaufen, ist auch noch nach mehreren Tagen knackig!“) als auch als Ort des Austausches. Hier sei immer etwas los, die Kunden kämen bei jedem Wetter, hat er beobachtet. Gleichzeitig macht er den Marktbeschickern ein Kompliment: „Markt muss man mögen, diesen Job muss man lieben“, sinniert er. Er spielt dabei auf die frühen Stunden an, zu denen Obst und Gemüse von den Großhändlern oder von den Lagerorten abgeholt werden muss. Dann werden die Kühlwagen mit Frischfleisch und Wurst bestückt, oder die knusprigen Brötchen warm aus dem Ofen geholt und auf die Wagen verteilt. „Der Markt ist ein sozialer Treffpunkt. Hier wird miteinander geschnackt und sich ausgetauscht“, weiß Jander, der oft genug selbst mittendrin mit einem Bekannten spricht, während seine Frau die Wocheneinkäufe erledigt.

Wie das mit dem frühen Aufstehen ist, weiß auch Karen Lütvogt, die mit den Produkten der Bäckerei Horst Lütvogt aus Wulsbüttel nach Hagen kommt. Zu ihren Stammkunden gehören auch etliche der Verkäufer, die schnell mal vorbeikommen, sich ein Brötchen aufschneiden lassen, das dann am Fleischerwagen nebenan mit entsprechendem Belag versehen wird.

Knuspriges und Krosses

Knusprige Brote, krosse Brötchen und jede Menge liebevoll zubereitetes Kleingebäck wartet bei ihr auf Liebhaber. Saisonale Obstkuchen, der Dauerbrenner Butterkuchen und andere Hefestücke freuen sich darauf, den nachmittäglichen Kaffeetisch zu zieren.

Die Landschlachterei Schöwe aus Sandstedt sorgt mit ihrem Imbisswagen dafür, dass Marktbeschicker wie Gäste gut gestärkt ihre vollen Einkaufstaschen nach Hause bekommen. Hier gibt es den stärkenden Kaffee oder ein Kaltgetränk, dazu eine köstliche Bratwurst auf die Hand. Das Mahl lässt sich besonders gut auf einer der beiden Bänke unter der schattenspendenden Eiche genießen, die die Marktbeschicker aus eigener Tasche finanzierten und aufstellen ließen. Neben Lebensmitteln bietet der Markt auch Ästhetisches. „Zauberhaft“ nennt es Sonja Graschat aus Schwanewede. Bei ihr kann dekoratives Kunsthandwerk für das gemütliche Zuhause erworben werden, und Dalbag Sing aus Bremerhaven ist mit einem breiten Angebot an Kinder- und Damen-Oberbekleidung vertreten. Er schätzt die nette Kundschaft in Hagen, die ihn seit vielen Jahren schon in die hübsche Gemeinde zieht.

Der Hagener Wochenmarkt findet immer donnerstags von 7 bis 13 Uhr auf dem Amtsplatz von Hagen statt. Marktmeister Gerhard Gonska ist unter Telefon 0171 / 63 20 212 zu erreichen.

Info

Flotte Sprüche, Eier und mehr

Nett, fröhlich und immer einen lustigen Schnack auf den Lippen – zumindest wenn er in Hagen Eier verkauft – so präsentiert sich Matthias Wulff auf dem Hagener Wochenmarkt. Rein technisch gehört Wulff zwar zum Geflügelhof Onken aus Bockhorn, doch sein Eierstand ist fast ebenso lang wie der Wagen mit den Geflügelprodukten.

Eier aus „Bodenhaltung mit Wintergarten“ werden hier angeboten, wobei es sich hier um einen überdachten Auslauf handeln dürfte, „Wieseneier“ sind zu haben und zu jedem Ei könnte Matze eine Geschichte erzählen. 42.000 Legehühner produzierten täglich seine Ware, erzählt er stolz. „Unsere fleißigsten Mitarbeiterinnen sind in Freiland-, Boden- und Kleintiergruppenhaltung untergebracht“, erläutert Wulff lachend. Die Haltung in der Kleingruppe sehe pro Hennen eine Fläche von 800 Quadratzentimetern vor. Die Bedürfnisse der Tiere seien durch ein angemessenes Platzangebot und die Aufteilung des Käfigs in Einstreufläche, Nest und Sitzstangen berücksichtigt. Hinter einem abgedunkelten Nest könnten die Hennen ungestört ihre Eier legen, auf den Sitzstangen könnten sie ruhen und die Einstreu zum Scharren und Picken böten den Legehennen ein verhaltens- und tiergerechtes Leben bei einer Gruppengröße von 20 bis 60 Hennen.

Die Kunden stehen inzwischen bereits mit ihren Eierbehältern Schlange, wollen „nur braune“ Eier oder ziehen die mit der weißen Schale vor. Eigentlich ist es egal, welche Farbe die Schale hat, denn solange der Kunde die Wahl hat, sind alle zufrieden, weiß Matze.

„Nehmen Sie hier von unseren frischen Nudeln noch ein paar mit“, lockt Matze seine Kunden. Spaghetti, Makkaroni, Farfalle, Spiralnudeln, Spätzle und mehr – fast jede Form ist hier zu finden. Auch die kleinen, griechischen Kritharaki-Nudeln gibt es hier. Oder doch lieber Honig? Auch der steht bei Matze Wulff an vorderster Front. „Den beziehen wir vom Honig-Hof Göken in Thüle“, erläutert er. „Sehen Sie sich nur mal diesen goldenen Orangenblüten-Honig an!“

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