Heinz Glaasker zeigt Bilder Erzähler mit Pinsel und Farbe

Windschiefe Häuser und Keramik-Cartoons voller Witz: In der farbenfrohen Welt des Bokeler Künstlers Heinz Glaasker findet sich manch Hintersinniges voll sprudelnder Ideen.
10.08.2019, 22:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Andrea Grotheer

Bokel. Schon der Eingang zum Atelier von Heinz Glaasker lässt keine Zweifel aufkommen: Hier lebt und arbeitet ein kreativer Kopf. Umrahmt von zahlreichen Blumenkübeln, um die sich Ehefrau Gisela Glaasker kümmert, weisen bunte Skulpturen und farbenprächtige Vogelhäuser den Weg zur Wirkungsstätte des Bokelers.

Acrylbilder und Grafiken, aber auch die mit seinem ganz eigenen Humor ausgestatteten Keramik-Cartoons sind die Spezialität des Künstlers, der ausgebildeter Schriftsetzer und Werbegrafiker, aber auch Karikaturist und Illustrator ist.

Mit dem Malen hat Glaasker bereits in frühester Kindheit begonnen. Eine Inspiration für seine Bilder war seine Großmutter. „Ich ging noch nicht in die Schule und meine Oma Hedwig musste immer mit mir malen, obwohl sie das eigentlich gar nicht konnte“, erinnert sich Heinz Glaasker. „Mal mal einen Hund“, habe er sie beispielsweise aufgefordert. Sie habe ihr Bestes gegeben und am liebsten ihrer Fantasie freien Lauf gelassen: „Meine Oma hat einen Baum gemalt, in dem ein Haus war, und einen Vogel obendrauf“, beschreibt Glaasker aus der Erinnerung.

Motive wie diese findet man noch heute in den zahlreichen Bildern von Heinz Glaasker. Windschiefe Häuser, Türme, oft verbunden mit Tieren. Immer wieder kommt ein schwarzer Rabe vor. „Er ist wie ein kleiner Mahner“, erklärt der Maler die Bedeutung. Er störe nicht, weise aber darauf hin, dass die Welt nicht so rosarot sei, wie man sie vielleicht sehe. Und: „Nimm dich selbst nicht so wichtig“, wolle der Vogel so manches Mal sagen.

Mit seinen farbenfrohen Bildern möchte Heinz Glaasker den Betrachter in eine Fantasiewelt entführen und ihn in kleine Märchen-Landschaften eintauchen lassen. „Ich erzähle in meinen Arbeiten Geschichten von der Kindheit, von einer Zeit mit heiler Natur, Sonnentagen mit Blumenwiesen, Bienengesumme und Schmetterlingen, von einer Zeit, an die der Betrachter sich gerne erinnert“, erklärt er mit fast schon poetischen Worten sein künstlerisches Anliegen.

Freude wolle er in diese hektische, oft so unerfreuliche Zeit bringen: „Bilder nur für die Wand, weil da gerade mal Platz ist, sollen andere malen. Meine Bilder sollen erzählen und den Betrachter mitnehmen auf eine Reise.“

Bei seinen „Alice im Wunderland“-Motiven geht es gedanklich eben genau in dieses Wunderland. Träumerisch wirken die Bilder durch den verwaschenen Effekt, den Heinz Glaasker mit ganz unterschiedlichen Hilfsmitteln erarbeitet: „Ich habe die Bilder zum Teil mit alten Pinseln und Schwämmen gemalt, aber auch Sand und Asche verarbeitet“, erklärt er die Entstehung der rauen Struktur. Wie lange er an einem Bild sitze, könne er nicht sagen. „Man denkt, man ist durch. Dann guckt man am nächsten Tag und etwas stört“, beschreibt er den Schaffensprozess.

Seine „Message“ gefunden

Mittlerweile habe er seinen Weg gefunden: „Früher gab es immer jemanden, der meinte, ein Haus braucht einen Schornstein, einen, der einem erzählen wollte, was man zu malen hat“, sagt Glaasker, der während seiner beruflichen Tätigkeit auch Auftragsarbeiten im Bereich Werbung übernommen hatte. Heute, im Rentenalter, male er nur noch, was ihm gefalle und habe im bildlichen Geschichtenerzählen seine „Message“, seinen Willen, gefunden.

Und der Erfolg gibt ihm recht: „Seit Pfingsten haben wir hier jeden Sonntag offenes Atelier von 14 bis 17 Uhr und viele Gäste“, freut sich der Maler gemeinsam mit Ehefrau Gisela über den regen Zuspruch. „Fleißig ohne Ende“ sei er und arbeite abwechselnd an Bildern und Skulpturen. „Ich bin froh, dass ich in der Lage bin, in meinen Werken das auszudrücken, was ich möchte“, sieht er in seinem Schaffen eine Aufgabe, die ihn komplett zufriedenstellt.

„Wenn ich innerlich in meinem Strandkorb bin“ – der aber auch tatsächlich vor seinem Atelier steht – sei alles gut, sagt Heinz Glaasker mit dem ihm eigenen trockenen Humor, der gerade in seinen Keramik-Cartoons immer wieder Raum findet. In Ton geformte Alltagsszenen sorgen – mal verschmitzt und hintergründig, mal recht derb – für Lacher, wenn beispielsweise der „Arsch mit Ohren“ vom Künstler dreidimensional in Ton umgesetzt wurde.

Zum Einsatz kommt dabei ein schamotthaltiges und bis zu einer Temperatur von 1250 Grad brennbares Material, das nach dem Formen zunächst an der Luft zwei Wochen trocknen muss. Im eigenen Brennofen geht es bei einer Temperatur von bis zu 780 Grad in den sogenannten Schrühbrand, den Rohbrand, der für eine erste Festigkeit sorgt. Schneeweiß kommen die Figuren aus dem Ofen. „Ich tunke sie dann in eine englische Glasur, die sie rot werden lässt“, erklärt Heinz Glaasker weiter.

Im Anschluss bürstet er – ausgerüstet mit Staubmaske – die Kunstwerke ab, so dass nur ein Rest der Glasur übrig bleibt, der die Figuren elfenbeinfarben aussehen lässt. „Weiß wäre ja langweilig“, meint Heinz Glaasker. Bei 1100 Grad brennt er die Formen im vollen Ofen etwa weitere zehn Stunden, bevor sie bemalt und mit passendem Zubehör ausgerüstet werden können. Aktuell entstehen im Atelier von Heinz Glaasker auch Werke für die nächste Ausstellung der Künstlervereinigung Arche, die am 6. Oktober in der Beverstedter Oberschule eröffnet wird.

Zu einer Schaffenspause lädt der liebevoll gestaltete Künstlergarten ein: Rund um Atelier und Wohnhaus blühen zahlreiche Blumen, vor allem die Hortensien mit ihren vollen Blüten ziehen die Blicke auf sich. Im Gewächshaus, das mit Tisch und Stühlen zum Verweilen einlädt, wachsen Gurken, im Gartenteich drehen unter blühenden Seerosen Goldfische ihre Runden.

Märchenwelt in der Realität

Auch im Wasser hat die Kunst ihren Platz gefunden: Eine Styropor-Skulptur, die vor rund 20 Jahren im Rahmen eines Kunstprojekts entstanden ist, hält der Witterung noch immer Stand. Die Figur mit dem kecken Blick und dem Fisch auf dem Kopf passt perfekt in diese künstlerische Märchenwelt, die doch mitten in der Realität stattfindet. Bis Ende September lädt der vielseitige Künstler jeden Sonntag unter dem Motto „Gemalte Märchenwelt“ in sein Atelier und den dazugehörigen Künstlergarten in 27616 Beverstedt-Bokel, Hauptstraße 3, ein. Geöffnet ist von 14 bis 17 Uhr.

Außerdem stellt der Künstler in der Kreisstadt aus. Im Kreiskrankenhaus in Osterholz-Scharmbeck zeigt Heinz Glaasker bis Ende September unter dem Titel „Das Haus im Blütenbaum“ 35 Acrylbilder, die täglich zu sehen sind. Erreichbar ist die Ausstellung über den Haupteingang. Informationen über Heinz Glaasker gibt es auch im Internet unter www.glaasker.de.

Am Sonntag, 1. September, beteiligt sich das Ehepaar Glaasker zudem am Tag des offenen Ateliers und öffnet Atelier und Garten von 11 bis 18 Uhr. An diesem Aktionstag, der bereits zum siebten Mal vom Regionalforum Bremerhaven organisiert wird, stellen Kunstschaffende in den Städten Bremerhaven und Cuxhaven sowie in den Landkreisen Cuxhaven und Wesermarsch ihre Werke aus und ermöglichen interessierten Besuchern einen Überblick über die Vielfältigkeit der bildenden Künste in der Region.

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