Tag des offenen Denkmals Gutshäuser von historischer Güte

Freschluneberg und Frelsdorfermühlen: Am Tag des offenen Denkmals konnten jetzt zwei Gutshäuser in der Gemeinde Beverstedt besichtigt werden, die sonst nicht ohne Weiteres öffentlich zugänglich sind.
11.09.2018, 16:37
Lesedauer: 4 Min
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Von Andrea Grotheer

Beverstedt. 26 Räume auf 570 Quadratmetern – so viel Platz bietet das Gutshaus des ehemaligen Ritterguts Freschluneberg. Erbaut wurde es 1895 vom Geestemünder Baumeister Georg Hoffmeyer, nachdem das Vorgängergebäude aus dem Jahre 1740 abgebrannt war. Viele Besitzer lebten und arbeiteten über die Jahrhunderte auf dem Gut. 2010 kaufte Familie Rüter das Anwesen und bewohnt es heute mit sieben Personen.

„Das Haus war in einem schlechten Zustand“, erzählt Familienvater Martin Rüter, der einen Teil seines Zuhauses zum Tag des offenen Denkmals für Besucher geöffnet hat. Das Dach sei alt, aber zumindest dicht gewesen. „Vor der letzten Renovierung musste man bei Regen 90 Eimer aufstellen, um das Wasser aufzufangen“, weiß er aus Erzählungen. “Entdeckt und gekauft“ habe er das Haus, sagt Martin Rüter. Alle Räume seien aufgearbeitet worden, alle Wände und Decken gestrichen, Stromleitungen unter Putz gelegt und Wasser- sowie Heizungsleitungen neu verlegt worden. Badezimmer wurden renoviert und zum Teil neu eingebaut. Soweit möglich, habe er die alten Fußböden erhalten und ebenfalls aufgearbeitet. Nur in drei Räumen sei ein neuer Bodenbelag erforderlich gewesen.

Ein Beispiel für aktive Denkmalpflege ist der Terrazzo-Boden in der Eingangshalle, die an diesem Tag für Besucher zugänglich ist. „Die Halle ist noch im Originalzustand, wir nutzen sie nur für Familienfeiern“, sagt Rüter. Eindrucksvoll ist die mächtige Holzdecke mit ihrer Inschrift „Frohen Sinn bring herein, Sorgen lass draußen sein“.

Einen Eindruck von der Herrichtung des Hauses vermittelt ein Raum neben der Halle, dem weiße Holzdielen, weiße Wände und Vorhänge, dunkle Holzmöbel und Sofas mit Rosenstoff ein behagliches Ambiente verleihen. Besonders wertvoll seien die beiden farbigen Glasfenster, in deren Mitte jeweils ein Foto von 1895 zu sehen ist. Dekorativ schmücken sie links und rechts den Eingangsbereich. „Leider wurde daran mit Reinigungsmitteln gearbeitet, sodass die Motive ein wenig verwischt sind“, bedauert der Hausherr.

Zwölf Hektar groß ist das gesamte Gelände, zu dem seit 2014 eine Streuobstwiese gehört. Der Reitplatz wurde 2012 neu angelegt, bereits ein Jahr zuvor wurden die Pferdeboxen erweitert. Mithilfe einer Förderung durch das Denkmalamt erhielt das historische Gebäude 2013 ein neues Schieferdach, der Holzgiebel wurde renoviert und die Schornsteine von außen saniert. Die Ursprünge des ehemaligen Ritterguts gehen auf die Familie von Luneberg zurück, die mindestens seit 1579 ihren Adelssitz in Freschluneberg gehabt haben soll.

Die von Luneberg waren es auch, die das Rittergut Frelsdorfermühlen begründeten. Wahrscheinlich bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts ließen die Herren von Luneberg dort im moorigen Gebiet eine Wassermühle errichten. Das Jahr 1583 gilt als Baujahr des Gutshauses Frelsdorfermühlen, das Erbrichter Arend von Luneberg für seine Tochter und ihren Bräutigam errichten ließ. Ende des 18. Jahrhunderts brannte es bis auf die Grundmauern ab und blickt insgesamt auf eine wechselvolle Geschichte zurück.

„Eine erste urkundliche Erwähnung gab es 1562, sie ging einher mit dem Mühlenrecht für die umliegenden Bauern, weil es sonst keine Möglichkeit zum Kornmahlen gab“, erzählt Claudia Roppel. Sie gehört zur Familie von der Ohe, der das Gut seit 1936 gehört, und hat bereits an einer Frelsdorf-Chronik mitgearbeitet. Ihr Neffe Ulf von der Ohe ist der heutige Betreiber des Gutshofs mit 120 Kühen. Neben dem landwirtschaftlichen Betrieb führt die Familie in der unteren Etage des Gutshauses seit 15 Jahren ein Café, das an jedem zweiten und dritten Sonntag im Monat geöffnet hat. Den Kuchen backt Christine von der Ohe, die Mutter des jetzigen Hofbetreibers.

Die obere Etage ist bewohnt. Ganz oben, unter dem Dach, seien noch einige antike Schätze zu finden. „Dort liegen noch alte Lederlöscheimer und auch Schlittschuhe für Pferde“, weiß Claudia Roppel. Die ehemaligen Wohnräume im Erdgeschoss, die früher Wohnzimmer und Kinderzimmer waren, sind heute Café-Räume und auch am Denkmal-Sonntag gut besucht. „Seit fast zehn Jahren nehmen wir am Tag des offenen Denkmals teil und finden das genial“, freut Claudia Roppel sich über den Aktionstag, an dem bundesweit geschichtsträchtige Häuser und Orte bei freiem Eintritt zu einem Besuch einladen.

Die Führungen übers Gelände übernimmt an diesem Tag Wilfried Klapperstück. „Der Garten ist im Stil eines englischen Gartens angelegt, es stehen keine Bäume von einer Sorte nebeneinander, und das ist so beabsichtigt“, erklärt er den Besuchern. Als Schutz gegen die Eisenbahnlinie, die in Frelsdorf 1894 Einzug hielt, sei das Grün gedacht gewesen, da die damalige Bewohnerin eine Aversion gegen den technischen Fortschritt gehegt habe. Die Bäume an der Einfahrt zum Grundstück lassen noch die alte Allee erkennen.

Eine Sehenswürdigkeit der ganz eigenen Art ist die Scheune, deren Statik ohne Trägerbalken auskommt. Längs und hochkant wurden die Steine verarbeitet. Nach dem Krieg herrschte Materialmangel. „Das ist aus meiner Sicht auch eine Art Denkmal“, sagt Klapperstück. Der Weg führt weiter zum früheren Verwalterhaus, das einer Bewohnerin ein Dorn im Auge war und das daher ebenso versetzt wurde wie der Schweinestall.

Carl von der Ohe wurde 1936 von seinem Besitz in Bergen bei Celle durch den Bau des Truppenübungsplatzes verdrängt und siedelte seinerzeit nach Frelsdorfermühlen um. Nach Sohn Siegfried und Enkel Werner ist der Betrieb heute mit Ulf von der Ohe in vierter Generation in der Familie. Der Erhalt des historischen Anwesens sei eine kostspielige und aufwändige Angelegenheit: „Es ist eine Sparbüchse ohne Boden“, sagt Claudia Roppel.

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