Kunst in der Kirche

Ein Bild voller Gegensätze

Weiß/Schwarz, männlich/weiblich, Erde/Himmel - das Bild das derzeit die Beverstedter Kirche schmückt, lebt von seinen Gegensätzen. Und das war auch die Intention der Künstlerin Hildegard Böhler.
21.05.2021, 10:13
Lesedauer: 3 Min
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Von ANG Andrea Grotheer
Ein Bild voller Gegensätze

Das Christusbild der Bokeler Künstlerin Hildegard Böhler ist noch bis Ende Mai in der Beverstedter Fabian- und Sebastian-Kirche zu sehen.

Andrea Grotheer

Beverstedt. Der Blick ist voller Leid, der unbekleidete Körper mit einer als Spur angedeuteten Kreuzform verbunden. Im Hintergrund sind Hügel zu sehen, rechts und links zwei weitere - nur schemenhaft zu erkennende - Gestalten. Umrahmt wird das Motiv von goldenem Lichterschein: Das Christusbild der Bokeler Künstlerin Hildegard Böhler schmückt aktuell den Altarbereich der Beverstedter Fabian- und Sebastian-Kirche.

„Die Idee dazu kam mir vor zwei Jahren bei einem Besuch der Mailänder Pinakothek“, erzählt Hildegard Böhler über den Eindruck, den die vielen, ganz unterschiedlichen Christus-Darstellungen dort bei ihr hinterließen. „Ich möchte das auch einmal machen“, habe sie sich überlegt, und doch angesichts des Motivs erst eine gewisse Hemmschwelle überwinden müssen. Malen ist nur eine der kreativen Leidenschaften von Hildegard Böhler, die auch unter dem Künstlernamen Helly Badura aktiv ist. „Sechs bis sieben Sachen habe ich immer gleichzeitig in Arbeit“, berichtet sie von ihrem aktiven künstlerischen Schaffen.

Zwei Jahre Arbeit

Das Christusbild sei über einen Zeitraum von zwei Jahren entstanden. „Den Kopf habe ich zweimal neu gemalt. Er sitzt nicht ganz mittig auf dem Körper, sondern ist im wahrsten Sinne des Wortes etwas verrückt, beziehungsweise entrückt“, beschreibt sie das zentrale Motiv ihres Bildes. In ihrem Gemälde wolle sie die Gegenpoligkeit mit ihrer Symbolik darstellen: „Das Gesicht ist dunkel im Gegensatz zum Körper, der zudem fast androgyn wirkt“, erklärt die Künstlerin und bezieht sich auf die Gegensätze Weiß/Schwarz und männlich/weiblich. „Christus ist mit seinem leiblichen Körper noch in der Welt, während sein Kopf bereits in himmlischen Sphären weilt“, verweist Hildegard Böhler auf zwei weitere dargestellte Gegenpole.

Zwischen Himmel und Erde

Pastor Eckhard Bock hat das Bild zum Inhalt seiner jüngsten Sonntagspredigt gemacht. „Es ist selten, dass wir ein Original hier haben“, sagt er. Er habe versucht, das Motiv mit dem Kirchenjahr in Verbindung zu bringen. „Ein Bild zwischen Himmel und Erde, ober besser umgedreht zwischen Erde und Himmel, das gut in diese Zeit zwischen Ostern und Himmelfahrt passt“, beschreibt er seinen thematischen Ansatz. Und spricht von der Auferstehung, die am Ostersonntag gefeiert wird, und über Christi Himmelfahrt.

Irdische Züge

Auch irdische Züge sieht der Pastor in dem Gemälde: „In der unteren Bildhälfte ahnt man noch den öden Hügel von Golgatha, der Hinrichtungsstätte. Man sieht die beiden Straftäter, die mit Jesus zusammen hingerichtet worden sind. Vögel flattern über ihnen.“ Gleichzeitig wirke das Ganze schemenhaft. Das Kreuz als rohes Balkenholz fehle. „Stattdessen nur noch eine blaue Spur, die die Kreuze nachzeichnet, wie eine Reifenspur“, so die Sicht des Pastors. Die Kreuzigung gehöre auf dem Bild in eine Welt, die Jesus bereits hinter sich gelassen habe. Und der rote Mond markiere den Übergang. „Jesus entschwindet in den Himmel, in Gottes Wirklichkeit. Das zeigt das Gold, das hinter ihm leuchtet“, beschreibt Eckhard Bock. Ob bei mittelalterlichen Darstellungen wie dem Beverstedter Altarbild oder Ikonen in der orthodoxen Kirche, Gold sei schon immer die Farbe Gottes.

Zweite Darstellung folgt

Hildegard Böhler arbeitet bereits an einer zweiten Christus-Darstellung und hat eine ganz eigene Methode, um mit ihren Werken in Kontakt zu treten: „Ich hänge meine gemalten Bilder in der Küche auf, wo ich sie häufig sehe. So fallen mir notwendige Korrekturen auf oder ich bekomme andere Ideen“, erzählt sie. Das sei fast so, als fände ein Dialog statt und die Bilder würden sich personifizieren. „Wenn ich sie abnehme, entsteht erstmal eine Leere.“

Info

Zu sehen ist das Gemälde in der Beverstedter Kirche noch bis Ende Mai. Geöffnet ist in der Regel jeden Freitag vormittags während der Zeit des Wochenmarkts. Auch vor und nach den aktuell stattfindenden Gottesdiensten können Interessierte sich das Bild ansehen.

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