Gottesdienste mal anders

Die Kirche geht neue Wege

Mit Beginn der Corona-Krise blieben die Kirchen leer: Gottesdienste ware nicht mehr erlaubt. Um die Menschen trotzdem zu erreichen, haben sich die Gemeinden - auch die Hagener - neue Wege überlegt.
22.06.2020, 18:53
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Andrea Grotheer
Die Kirche geht neue Wege

Aufgrund der Corona-Krise hat auch die Kirchengemeinde Hagen im Bremischen neue Wege gesucht, die Menschen zu erreichen.

Andrea Grotheer

Hagen. Keine Gottesdienste, keine Konfirmationen, Beerdigungen nur im engsten Familienkreis: Die umfangreichen Einschränkungen zu Beginn der Corona-Pandemie waren „eine Vollbremsung im laufenden Betrieb“, sagt Ute von Stuckrad-Barre. „Das hat uns relativ unvorbereitet getroffen, wir haben die ersten Gottesdienste abgesagt und überlegt, was das für unsere weitere Arbeit bedeutet“, so die Hagener Pastorin.

Videokonferenzen und Homeoffice hätten plötzlich ihren Tagesablauf bestimmt. Dennoch habe sie die Zeit nutzen können, um die digitalen Kanäle der Kirchengemeinde umzubauen und zu erweitern. So hat Ute von Stuckrad-Barre der Internetseite www.hagen-kirche.de eine Auffrischung verpasst. Zudem wurde die Seite auf den Server der Landeskirche verlegt. „Damit können wir Inhalte teilen und uns mit verschiedenen Institutionen vernetzen“, erklärt die Pastorin. So gebe es nun jeden Sonntag das Video eines Gottesdienstes aus dem Streaming-Angebot der Landeskirche: Mitte Juni beispielsweise unter dem Titel „Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort“ mit dem Liedermacher Heinz-Rudolf Kunze am Klavier.

Der Gemeindebrief, der nicht wie üblich in den Geschäften vor Ort ausgelegt werden konnte, steht seit der vorletzten Ausgabe als PDF-Datei zum Download bereit. Auch ein Kindergottesdienst-Podcast des Evangelischen Kirchenkreises und der Evangelischen Jugend Wesermünde kann online verfolgt werden. „Die Krise hat immer zwei Seiten“, sieht Ute von Stuckrad-Barre auch Chancen in der Pandemie. Nach Absage der Konfirmationen für das Frühjahr wurde der Gottesdienst ZZ entwickelt – zeitgleich und zu Hause. „Wir haben die Konfirmanden angeschrieben und ihnen angeboten, den Gottesdienst zu Hause im Kleinformat für zehn Minuten zu feiern, eine vorbereitete PDF mit der Andacht auszudrucken, eine Kerze anzuzünden, als Nachweis zwei Fragen zu beantworten und ein Selfie an uns zu schicken“, erzählt die Pastorin von einer weiteren Idee, um den Kirchenbetrieb auch ohne den Besuch des Gotteshauses aufrecht erhalten zu können. Alternativ konnte der Gottesdienst auch mit einem YouTube-Video beziehungsweise einer TV- oder Radiosendung gefeiert werden. Das Angebot sei besser angekommen als erwartet: „Wir haben Bilder von Familien am Küchentisch beim Gottesdienst erhalten und ich denke, dass auch Menschen dabei waren, die wir sonst nie erreicht hätten“, erzählt sie. Seit kurzer Zeit ist der Gottesdienst in der Kirche unter Einhaltung von Corona-Vorschriften wieder erlaubt. „In der Hagener Martin-Luther-Kirche können wir 15 Einzelplätze oder, wenn Paare dabei sind, circa 20 Plätze besetzen, das sind weniger als zehn Prozent“, erklärt Ute von Stuckrad-Barre. Es bestehe Mundschutz- und Dokumentationspflicht. Gottesdienstbesucher müssten ihre Kontaktdaten abgeben und würden einzeln in die Kirche gebracht. „Wie im Kino mit Platzanweiser“, wagt die Pastorin einen ironischen Vergleich. Gesungen werden dürfe noch nicht wieder. „Das fällt uns am schwersten, denn wer singt, betet zweifach, soll schon der Kirchenvater Augustin gesagt haben“, so die Pastorin. Aber insgesamt funktioniere der Betrieb ganz gut und in den Kirchen der Region könnten wieder regelmäßig Gottesdienste angeboten werden. „Wir müssen Vorsicht walten lassen. Viele Gottesdienstbesucher gehören zur Risikogruppe. Ich habe aber das Gefühl, die Menschen sind dankbar, dass man sich sehen kann.“ Einen eigenen Gottesdienst im Livestream könne sie nicht anbieten: „Wir haben in der Kirche kein Netz.“

Zu Pfingsten gab es eine weitere Neuerung: Den Gemeindebrief „Weitsicht“ mit dem Untertitel „Hoffnungszeichen“ als Nummer „83 einhalb“ in Kleinformat. „Wir brauchten ein Angebot für die, die nicht online sind.“ Die Print-Ausgabe habe man, ebenso wie ein großes Banner am Kirchturm, genutzt, um auf die digitalen Angebote hinzuweisen, sagt Ute von Stuckrad-Barre. Denn ein für mehrere Wochen oder Monate gedrucktes Medium könne mit der Schnelligkeit der Änderungen kaum mithalten.

Ab Anfang Juli werden in der im Jahre 1897 erbaute Martin-Luther-Kirche im Hagener Ortszentrum erneut keine Gottesdienste möglich sein: Das Gotteshaus wird saniert. „Wir warten schon seit Jahren darauf, jetzt stehen Gelder und Handwerker bereit und wir sind froh, dass wir das endlich machen können“, sagt Ute von Stuckrad-Barre. Das Gebäude habe mit aufsteigender Feuchtigkeit und dem Holzwurm zu kämpfen und soll acht Wochen geschlossen bleiben. Dazu wird die Orgel verpackt, die Kirchenbänke werden ausgebaut und zeitweise ausgelagert. „Wir müssen unser kostbares Gut erhalten“, wünscht sich die Pastorin. Der letzte Gottesdienst findet am Sonntag, 28. Juni, statt. Die Wiedereröffnung ist für Mitte September geplant. Während der Sanierungsarbeiten will Ute von Stuckrad-Barre einen Gottesdienst ohne Besucher auf der Baustelle halten und den Film später ins Internet stellen.

Informationen über die Kirchengemeinde Hagen gibt es im Netz unter der Adresse www.hagen-kirche.de.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+