Haus am Paschberg Optimistisch durch die Krise

Mit dem Lockdown mussten auch Schullandheime wie das Haus am Paschberg in Wulsbüttel schließen. Doch die Einrichtung profitiert davon, dass nicht nur Schüler ihre Gäste sind.
10.08.2020, 06:06
Lesedauer: 3 Min
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Von Andrea Grotheer

Wulsbüttel. Die coronabedingten Lockdowns zwangen die Schullandheime in Deutschland dazu, vorübergehend zu schließen. Auch Klassenfahrten waren nicht mehr möglich. Eine existenzbedrohende Situation für viele Einrichtungen. Auch das Haus am Paschberg, ein Freizeithaus für Menschen mit und ohne Behinderung in Wulsbüttel, war von dieser Regelung betroffen. Doch das Team des vor fast 40 Jahren aus einer Elterninitiative entstandenen Hauses hat das Beste daraus gemacht.

„Die Mitarbeiter haben einen Monat unbezahlten Urlaub genommen“, erzählt Leiterin Antje Bertram. Das sei großartig und keine Selbstverständlichkeit, ist sie dankbar für dieses Entgegenkommen. Staatliche Leistungen habe das Schullandheim, das seinen Schwerpunkt auf das Beherbergen von Menschen mit Behinderungen setzt und entsprechend ausgestattet ist, nicht bekommen. „Ich bin allerdings in Kurzarbeit“, so Antje Bertram.

Während des Lockdowns habe sie sich die Frage gestellt, wie es weitergehen soll. „Wir sind aus der Vergangenheit gut aufgestellt und haben hier nicht nur Schüler, sondern auch regelmäßig wiederkehrende Gäste.“ Für sie ein klarer Vorteil gegenüber klassischen Schullandheimen. So kämen Wohngruppen, die auch in ihrem Alltag bereits in einem geschlossenen System leben, jetzt wieder für einen Aufenthalt infrage.

Eine solche Gruppe ist die Lebensgemeinschaft aus Sassen in Hessen, die zweimal im Jahr mehrere Wochen Urlaub in Wulsbüttel macht und momentan die Sommertage im Haus am Paschberg genießt. „Wir haben hier eine tolle Umgebung und Betreuung“, lobt eine der mitgereisten Betreuerinnen. Gemeinsam unternehme die Gruppe Ausflüge, die selbstständig organisiert würden. Bei den Teilnehmern kommen Haus und Gelände sehr gut an: „Die Natur und das Gelände sind einfach toll“, sind sich beispielsweise Renate und Diana einig.

Renate ist mit einem Gehwagen unterwegs und kann sich über eine Erleichterung beim Eintritt in das Haupthaus freuen: Die neue Eingangstür schwingt nach leichter Berührung auf. Auch der Hintereingang hat moderne Türelemente erhalten. Die Gesamtkosten betrugen gut 20 000 Euro. Möglich wurde der Einbau durch private Spenden. 2000 Euro überbrachten jetzt Vertreter des Bremer Unternehmens Acelor Mittal. Rund 3000 Mitarbeiter hatten sich an der Aktion „Restcent“ beteiligt, bei der die Beträge nach dem Komma auf der Gehaltsabrechnung gespendet werden. Die so entstandene Summe wurde vom Arbeitgeber verdoppelt. „Wir haben eine lange Liste an Interessenten, unser Ziel ist es, im Umkreis zu helfen“, so Gesamtbetriebsratsvorsitzender Klaus Hering. Die Aktion laufe bereits seit 2008, sagt Arbeitgebervertreterin Marion Müller-Achterberg.

Sie sieht eine große Bereicherung in der Spendenaktion und durch den persönlichen Besuch der unterstützten Organisationen: „Wir sind in Bremen und umzu gut vernetzt und bekommen ganz andere Einblicke, die unseren Horizont erweitern.“ Hajo Kuckero ist stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins Haus am Paschberg und freut sich ebenso wie Heimleiterin Antje Bertram über die Spenden – gerade in dieser Zeit. „Es ist wichtig, dass wir immer wieder Spender finden“, so Antje Bertram.

Die Corona-Pandemie bleibe eine Herausforderung für das Haus: „Alles ist viel aufwendiger“, sagt sie und nennt als Beispiel die Reinigung der Zimmer in den beiden voneinander getrennten Häusern. Das Mittagessen für die Gruppen stelle ein Caterer bereit. Frühstück und Abendessen würden sich die Gruppen selbst zubereiten: „Das ist wie in einer Ferienwohnung mit einem voll gepackten Kühlschrank“, erklärt Antje Bertram. Das Haus am Paschberg sei generell eher aufgestellt wie ein großes Ferienhaus: „Die Gruppe bekommt den Schlüssel und ist selbstständig. Wir unterstützen, wo wir können“, erklärt die Heimleiterin. Zum Team des Hauses gehören zwölf Personen, darunter Reinigungskräfte und ein Hausmeister.

Was nach der Corona-Krise komme, wisse man nicht. Nach heutigem Stand sei das Haus am Paschberg bis zum Jahresende gut ausgelastet: „So lange halten wir auf jeden Fall durch, weil wir auch Belegungen haben“, bleibt Antje Bertram optimistisch. Sie habe viele Telefonate mit gebuchten Gruppen geführt, die ihre Reise nicht antreten konnten und auch Stornierungsgebühren bezahlt haben. Darum hat Antje Bertram gebeten: „Wer will, dass es uns weiterhin gibt, kann vielleicht auch etwas bezahlen“, ist ihre Sicht der Dinge. „Es wird viel gejammert in dieser Zeit, aber wenn wir alle an einem Strang ziehen, funktioniert das auch“, ist sie überzeugt. Informationen über das Haus am Paschberg gibt es auch im Internet unter der Adresse www.hausampaschberg.de.

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