FC Hagen/Uthlede

Zum Duray-Debüt kommt ausgerechnet der Spitzenreiter

Ist es nun ein Vor- oder ein Nachteil, dass das erste Punktspiel unter dem neuen Trainer Benjamin Duray ausgerechnet gegen den verlustpunktfreien Oberliga-Spitzenreiter SC Spelle-Venhaus geht?
10.10.2020, 10:19
Lesedauer: 3 Min
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Zum Duray-Debüt kommt ausgerechnet der Spitzenreiter
Von Tobias Dohr
Zum Duray-Debüt kommt ausgerechnet der Spitzenreiter

Der neue Mann ist da: Marco Vehrenkamp, Tjark Seidenberg, Gunnar Schmidt, Wilfried Roes (von links) nehmen den neuen Trainer Benjamin Duray in ihre Mitte.

Julian Berndt

Hagen. Benjamin Duray ist wahrlich kein ängstlicher Charakter. Wer sich für ein Engagement in Russland und China entscheidet, der muss definitiv über eine gehörige Portion Flexibilität, Abenteuergeist und Wissensdurst verfügen. Und sicher gehört auch Mut dazu, sich auf solch eine Geschichte einzulassen. Egal, wo der 41 Jahre alte neue Coach des FC Hagen/Uthlede bisher gearbeitet hat, die Entscheidung war wohlüberlegt. Insofern konnte Duray irgendwie selbst nicht so richtig glauben, was da am Dienstagnachmittag an der Blumenstraße passierte.

„Das ging fast alles etwas zu schnell“, sagt der neue FC-Trainer mit einem Tag Abstand. „Aber es fühlt sich einfach alles richtig gut an“, fügt Duray hinzu. Am Montagmorgen hatte Hagens Teammanager Gunnar Schmidt den Kontakt zum momentan vereinslosen Duray hergestellt, knapp 24 Stunden später hatten sich beide Parteien bereits geeinigt. Der A-Lizenz-Inhaber ist der neue Coach beim niedersächsischen Fußball-Oberligisten, der nach dem überraschenden Rücktritt von Carsten Werde am vergangenen Sonntag einen neuen Trainer brauchte.

Bereits am Dienstagabend leitete Duray das Training bei den Grün-Schwarzen, am Mittwoch folgte die offizielle Vorstellung des neuen Coaches, der als Lehrer an einer Bremerhavener Schule arbeitet und in Stade wohnhaft ist. Deshalb wird Duray an den Trainingstagen nach der Arbeit die Zeit vor Ort nutzen, um dann nur den kurzen Weg nach Hagen zu haben. „Das sind dann insgesamt natürlich extrem lange Tage für mich, aber ich bin sehr dankbar und glücklich, dass meine Familie das so unterstützt und hinter mir steht.“

Es juckte Duray ziemlich doll in den Füßen, endlich wieder an der Seitenlinie zu stehen. Im vergangenen Herbst war sein Gastspiel als Co-Trainer beim russischen Erstligisten Akhmat Grosny zu Ende gegangen, seitdem war Duray ohne Verein. Die Nähe zum Rotenburger SV, wo er selbst schon zwei Jahre als Chefcoach tätig war, zog ihn zuletzt wieder öfter als Zuschauer auf die Plätze. Die Paarungen der Rotenburger gegen Heeslingen und Uphusen hat er sich jüngst angeschaut, ist bestens mit RSV-Coach Tim Ebersbach vernetzt.

„Ich würde schon sagen, dass ich mich in der Oberliga ganz gut auskenne“, sagt Duray. Auch bei seinem neuen Verein hat er schon Erfahrungen als Trainer einer gegnerischen Mannschaft gesammelt. „Ich weiß sehr genau, was es bedeutet, an der Blumenstraße zu spielen, was diesen Klub auszeichnet und besonders macht.“

Auch viele Spieler der aktuellen Mannschaft kennt Duray. Allen voran Axel France, mit dem er in Rotenburg bereits zusammengearbeitet hat. „Kai Diesing stand damals auch schon immer in meinem Scoutingblock. Oder Spieler wie Marlo Burdorf und Yannick Becker, um nur ein paar Namen zu nennen. Da steckt schon Qualität im Kader.“

Genau diese Qualität gilt es nun herauszukitzeln. Kein leichtes Unterfangen, wie Duray weiß, denn: „Es war hier ja weiß Gott nicht alles schlecht in der Vergangenheit. Es geht jetzt eher darum, mal ein paar andere Schrauben zu drehen und ein paar neue Ideen in die Mannschaft hineinzutragen.“ Die ersten Trainingseindrücke am Dienstag und Mittwoch seien durchweg positiv gewesen. Jetzt gelte es, den frischen Wind auch in die Punktspiele zu transportieren.

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Zur Sache

Klare Rollenverteilung vor der Duray-Premiere

Ist es nun ein Vor- oder ein Nachteil, dass das erste Punktspiel unter dem neuen Trainer Benjamin Duray ausgerechnet gegen den verlustpunktfreien Oberliga-Spitzenreiter SC Spelle-Venhaus geht? Jene Mannschaft, gegen die es für den FC Hagen/Uthlede in der vergangenen Saison auch mal ein 0:10 gesetzt hatte. Für Duray ist die Sache glasklar: „Es ist eigentlich scheißegal, gegen wen es geht. Es geht jetzt ohnehin erst einmal um andere Dinge.“ Soll heißen: Natürlich wollen sie beim FC Hagen/Uthlede am Sonntag (Anpfiff 15 Uhr) punkten. Aber am Ende geht es vor allem auch um die Art und Weise, wie sich die Mannschaft im ersten Spiel nach dem Rücktritt von Carsten Werde präsentiert. Ob der neue Chefcoach die Mannschaft komplett umkrempelt, oder auf die zuletzt nominierten Kräfte setzt, wollte Duray naturgemäß noch nicht verraten. „Aber ich habe der Mannschaft schon ein paar Ideen mitgeteilt, wie wir spielen wollen.“ Gegen Spelle-Venhaus, das am vergangenen Wochenende spielfrei war, dürfte vor allem die Hagener Defensive gefordert sein. Auf 15:2 Tore kamen die Speller in ihren ersten vier Partien, während die Hagener in fünf Spielen lediglich auf 3:15 Tore verweisen können. Die Kräfteverhältnisse scheinen also klar – aber manchmal löst der Impuls eines Trainerwechsels ja die verrücktesten Geschichten im Fußball aus.

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