Grienenbergsmoor Probleme mit Büschen und der Zufuhr unerwünschten Wassers

Im Grienenbergsmoor gibt es Probleme mit Büschen und unerwünschter Wasserzufuhr. Experten sehen die Notwendigkeit von Nachbesserungen.
24.01.2023, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas Palme

Hagen. Die Renaturierung des Grienenbergsmoores gilt als "quasi abgeschlossen". Diese Mitteilung des Eigentümers war der Anlass für offizielle Vertreter der Gemeinde Hagen, Gäste vom BUND Unterweser und Fachleute aus dem Landkreis Cuxhaven, sich über den Erfolg der  Arbeiten vor Ort zu informieren. Zur Winterexkursion hatten die Moorfreunde Hagen eingeladen, die seit Jahren die Renaturierung begleiten. Schon auf dem ersten Blick war der große Aufwand erkennbar, mit dem das Projekt betrieben wurde. So haben schwere Maschinen Aufwallungen in dem ehemaligen Torabbaugebiet  geschaffen, größere Wasserflächen sind als Ergebnis der Staumaßnahmen deutlich zu erkennen. Mit der Erhöhung des Wasserspiegels soll den moortypischen Pflanzen neuer Lebensraum geschenkt werden.

 „Klimaschutz im Königs- und Grienenbergsmoor ist schon etwas Besonderes“, stellte der Sprecher der Hagener Moorfreunde, Heino Hüncken, in seiner Begrüßung fest.  Er verlieh seiner Freude darüber Ausdruck,  dass die Firma Compo ihr selbst gestecktes Ziel übertroffen  habe und die Renaturierung statt in den geplanten sechs Jahren in der Hälfte der Zeit fertig gestellt hat.

Verbuschung

Eike Rachor von BUND mahnte dagegen, "dass wir die Firma nicht vorschnell aus ihrer zukünftigen Verantwortung als Eigentümer des Moorgebiets entlassen sollten“. Er betonte, dass möglicherweise "Nachbesserungen" notwendig werden könnten. Dass diese Annahme nicht ganz unzutreffend sein könnte, deutete sich während der folgenden Besichtigung der Naturflächen an, die immerhin zwei Stunden dauerte.  Entlang des „Kapitänsweges“  konnten die Teilnehmer sich ein Bild von der aktuellen Lage machen. Zahlreiche Zwischenstopps gaben dem Umweltexperten Eckhard Brune Gelegenheit, auf positive wie negative Folgen der Arbeiten einzugehen. „Ein großes  Problem stellt die zunehmende Verbuschung des Geländes dar“, erklärte Brune und prophezeite, „dass wir von hier aus bald in einen Birkenbruchwald blicken werden“. Aus Sicht der Experten hätte die Beseitigung der Birken Vorrang vor der Vernässung haben müssen. „Zumal die Bäume durch den Stickstoffeintrag aus der Luft beste Wachstumsvoraussetzungen haben“, so Brune.

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Darüber hinaus sei das Problem des Wassereintritts im südlichen Bereich des Moores nur unzulänglich geklärt. Der bisher angelegte „Stopfen“ wird regelmäßig überflutet und bringt nährstoffreiches Wasser über die zentrale Rinne in die geschützten Gebiete. Auch seien schon in den Planungen aus den 1980er-Jahren geforderte Gräben zur Ableitung des Wassers vom Autobahnparkplatz bis heute nicht umgesetzt worden.

Zu der Besuchergruppe stieß mit Cord Hasselmann auch ein Anlieger der Straße Grienenberg, die den nördlichen Moorabschluss darstellt. Der Landwirt, der auch Chef einer Landtechnikfirma ist, vermisste ein umfassendes Wassermanagement. „Auf unserem Betriebsgelände ist der Wasserspiegel deutlich angestiegen“, berichtete Hasselmann. Er führt das auf den angehobenen Wasserstand im Moor zurück.  Darüber hinaus wies der Anlieger auf eine Torfansammlung im Vorfluter zum Indiekkanal hin, die den Wasserablauf behindere und möglicherweise zu Folgeschäden führt. Einer kurzfristigen Veränderung der Wasserführung steht die Druckrohrleitung unter der Straße Grienenberg im Wege, die das Hagener Abwasser zur Kläranlage Sandstedt fördert. Hinsichtlich der "unsachgemäßen" Abdichtung der Grüppen zur Moorentwässerung im Nordbereich soll möglichst kurzfristig für Abhilfe gesorgt werden. „Wir müssen den Wasserverlust schnellstens stoppen“, hieß es, und an dieser Stelle waren sich die Fachleute einig. Sie sehen die Gemeindeverwaltung in der Pflicht, „sich gemeinsam mit dem Landkreis bei Compo für zeitnahe Nachbesserungen einzusetzen“.

Ortstermine zur Prüfung

Darüber hinaus soll der Stand der Renaturierung vor einem offiziellen Arbeitsabschluss im Rahmen von Ortsterminen überprüft werden. Und die Firma Compo soll die Verantwortung für ihre Moorflächen auch mindestens während der vertraglich vereinbarten sechs Jahre wahrnehmen. Lobend nahmen die Besucher die aufgestellte Torf-Lore wahr. Am westlichen Moorzugang könnte sich dort ein Ausgangspunkt zur touristischen Entwicklung des 70 Hektar großen Moores ergeben.

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