Fußball-Oberliga

Hagens Comeback der Superlative

Mit einem 0:9 im Gepäck drohte dem FC Hagen/Uthlede bei Arminia Hannover der nächste Super-Gau. Nach dem frühen 0:3 drehte der Oberligist aber wider Erwarten auf.
29.09.2019, 20:24
Lesedauer: 3 Min
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Von Jan-Henrik Gantzkow

Hagen. Spätestens als der FC Hagen/Uthlede im Auswärtsspiel bei Arminia Hannover nach nur einer halben Stunde mit 0:3 in Rückstand geriet, kamen böse Erinnerungen an das 0:9-Debakel gegen den 1. FC Germania Egestorf-Langreder in der Vorwoche hoch. Der Fußball-Oberligist schien auf die nächste Klatsche und somit eine handfeste Krise zuzusteuern. Doch was dann passierte, lässt sich kaum in Worte fassen: Statt sich dem eigenen Schicksal zu ergeben, rappelten sich die Hagener plötzlich auf, zeigten unglaublich viel Herz und siegten nach einer sensationellen Aufholjagd noch mit 4:3 (1:3) in der Landeshauptstadt. Selbst einem bodenständigen Trainer wie Carsten Werde gingen im Anschluss die Superlative aus: „Das ist unglaublich und wir müssen uns in ein paar Tagen wohl immer noch kneifen. Die Jungs haben eine großartige Charakterleistung gezeigt. Wer in irgendeiner Form an der Mentalität oder Qualität des Teams gezweifelt hat, der macht einen Fehler“, strahlte der Hagener Coach nach dem Wahnsinnscomeback.

Auch Werde geriet nach der ersten halben Stunde aber zumindest kurz ins Zweifeln: Seiner Mannschaft war die Verunsicherung in der Anfangsphase deutlich anzumerken, immer wieder reichten lange Bälle der Arminen aus, um die Gäste-Defensive in Verlegenheit zu bringen. So dauerte es nur eine Viertelstunde, ehe Branislav Tesic die Hausherren nach einem Hagener Ballverlust in Führung brachte. Keine 60 Sekunden später sorgte Stephane Dieupeugbeu mit einem Kracher aus 18 Metern für den nächsten Schock. Dieser Doppelschlag zeigte Wirkung, Abdullah Jankirs Kopfballtreffer im Anschluss an eine Ecke schien die endgültige Entscheidung zu sein (31.).

Doch wie aus dem Nichts meldete sich der FCH zurück – und sendete durch einen strammen Schuss von Fabio Hausmann ein erstes Lebenszeichen. Ganz wichtig war dann, dass Christoph Müller nach Ecke von Mirko Franke noch vor der Halbzeit per Kopf verkürzen konnte (42.). Mit neuem Mut ging es in die Kabine, wo Werde eine taktische Umstellung vornahm: Um die schnellen Angriffe des Gegners zu unterbinden, übernahm der schnelle Thomas Wischhusen fortan eine Art Libero-Rolle. Zwar sollte sich dieser Schachzug als äußerst clever erweisen, viel wichtiger war aber die veränderte Körpersprache der Hagener.

Die kämpften ihre Gegenspieler in der zweiten Halbzeit förmlich nieder, praktisch jeder Zweikampf ging an die immer stärker werdenden Gäste. Als ein abgefälschter Freistoß von Mirko Franke dann seinen Weg ins Tor fand (57.), war der Glaube endgültig zurück. Das Spiel kippte nun immer weiter in Richtung der Gäste, auch weil nicht nur die Akteure auf dem Platz Höchstleistungen boten. „Wir haben uns das Spiel auch durch eine unglaubliche Emotionalität von der Bank und Tribüne zurückgeholt. Als große Einheit haben wir gezeigt, was diesen Verein auszeichnet und das Stadion in die Blumenstraße verwandelt“, beschreibt Werde die besondere Atmosphäre. Die heizte Mirko Franke knapp fünf Minuten vor Ultimo weiter ein: Nachdem die Hausherren kurz zuvor bei einem Lattentreffer die Entscheidung verpassten, sorgte der Linksverteidiger mit einem Fernschuss aus 20 Metern für den umjubelten Ausgleich (84.).

„Angesichts des verrückten Spielverlaufs hätte ich das Remis dann auch unterschrieben“, schmunzelt Carsten Werde. Seinen Spielern hingegen reichte der eine Zähler scheinbar nicht. In der allerletzten Minute liefen sie noch einmal hoch an und erzwangen so einen schlechten Befreiungsschlag von Armina-Torwart Sandro Soraro. Der Ball landete vor den Füßen von Hussain Taha, der nicht lange zögerte, sondern aus 40 Metern direkt abzog. Und tatsächlich traf.

Was folgte waren unglaubliche Jubelszenen und eine feucht-fröhliche Rückfahrt. Zwar mahnte Werde im Anschluss, dass auch für so einen Sieg nur drei Punkte gibt, für die Moral war diese beeindruckende Wiederauferstehung aber immens wichtig.

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