Gemeinde Hagen Positive Bilanz im Krisenjahr

Die Gemeinde Hagen hat das Haushaltsjahr 2022 mit einem Überschuss von einer Million Euro abgeschlossen. Wie das gelang, erklärt Bürgermeister Andreas Wittenberg.
11.01.2023, 12:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Luise Bär

Herr Wittenberg, was werden in der Gemeinde Hagen die wichtigsten Themen des Jahres 2023 sein?

Andreas Wittenberg: Eines habe ich aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre gelernt: es kann ganz schnell ganz anders kommen als erwartet. Die Maßnahmen in der Corona-Pandemie und wirtschaftliche Verwerfungen, zurückzuführen auf den Krieg in der Ukraine, haben zu starken Veränderungen geführt. Ich hatte das Gefühl, ich war überwiegend ein Krisenmanager.

Worauf wird der Fokus im neuen Jahr liegen?

Auf dem Bau einer neuen viergruppigen Kindertagesstätte in Bramstedt. Das ist finanziell ein hoher Einsatz, aber ein weiterer Meilenstein für eine familienfreundliche Gemeinde. Hauptsächlich in den Ortschaften Hagen und Bramstedt werden weitere Bauplätze ausgewiesen, da muss die Infrastruktur angepasst werden. Ebenso wird die Feuerwehr mit Baumaßnahmen und technischer Ausrüstung weiter auf einen guten Stand gebracht. Und ich freue mich, dass im Rathaus in diesem Jahr die mittlerweile zu schwachen elektrischen Leitungen im Untergeschoss saniert werden. Im Anschluss werden dann die Räume optisch ansprechender und moderner gemacht.

Alle Planungen und Wünsche stehen oder fallen mit den Finanzen. Wie sieht es da in Hagen aus?

Das erfreuliche Ergebnis ist, dass wir das Haushaltsjahr 2022 wohl mit rund einer Million Euro im Plus abschließen werden. Darauf bin ich stolz, wir brauchten keine Kassenkredite und das erste Jahr seit der Umstrukturierung zur Einheitsgemeinde haben wir ein Plus in der Kasse. Das gute Ergebnis spiegelt die Einsparungen aus dem verringerten Aufwand der früher sieben selbstständigen Gemeinden wider, die ja auch siebenmal Wünsche hatten. Und die Steuereinnahmen, insbesondere die Gewerbesteuer, fielen höher aus als kalkuliert. Der Ausblick auf den Haushalt 2023 ist allerdings getrübt, wir rechnen zur Zeit mit rund 400.000 Euro Minus. Durch das gute Ergebnis in 2022 werden wir in diesem Jahr eine höhere Abgabe zur Kreisumlage leisten müssen.

Sie hatten auf der konstituierenden Sitzung vor einem Jahr den Klimaschutz als Gemeinde-Aufgabe genannt. Was hat und was will die Gemeinde auf diesem Sektor unternehmen?

Wir gehen jetzt mit unserem Haushalt 2023 in die Beratungen und möchten beispielsweise in Photovoltaikanlagen auf Rathaus und Schulen investieren. Für die genehmigte Stelle eines Klimaschutzmanagers fehlt uns leider immer noch die Förderzusage. Wenn die Stelle besetzt ist, wird es die erste Aufgabe sein, die Gebäude energetisch sparsamer zu machen.

Wie geht es mit dem Anlagenausbau für regenerativen Energien weiter, insbesondere hinsichtlich der Vorgaben von Bund und Land über bereitzustellende Flächengrößen? Oder hat die Gemeinde bereits das angepeilte Ziel erreicht?

„Die Vorgaben sind recht vage. Die diskutierten zwei Prozent der Fläche einer Gemeinde, was heißt das? Gilt für einen Windpark mit zehn Anlagen das ausgewiesene Gebiet oder nur die Fundamentgröße? Tatsächlich gehen viele Anträge von Investoren im Rathaus ein. Zur Zeit halten wir uns für Ausweisungen an die bisherigen Vorranggebiete aus dem regionalen Raumordnungsprogramm. Zusätzlich befürworten wir Photovoltaik-Freilandflächen im Randbereich der Autobahn, da sind Flächen in der Gemarkung Uthlede in der Planung. Ob weitere Flächen, zum Beispiel Richtung Wittstedt/Hollen, genehmigunsfähig sind, ist aus Naturschutzgründen fraglich. Übrigens: Mittlerweile erzeugen wir aus regenerativen Quellen bereits fast das Dreifache der in der Gemeinde Hagen verbrauchten Energie.

Der bisherige Bürgermeister der Stadt Geestland, Thorsten Krüger (SPD), ist zum Landrat im Landkreis Cuxhaven gewählt worden. Wird das die Kommunen stärken?

Es ist schön, dass der neue Landrat die Innenansicht einer Kommune kennt. Ich hoffe, dass wir auf Augenhöhe mit dem Landkreis zusammen arbeiten und deutlich enger. Der Landkreis sollte nicht über die Gemeinden bestimmen, sondern wir sollten gemeinsam an Aufgaben herangehen.

Welche weiteren Wünsche haben Sie an das Jahr 2023?

Ich wünsche einen verbesserten Glasfaserausbau und hoffe auf gut gefüllte Fördertöpfe. Für den nicht fachgerecht ausgeführten Piazza-Bau in der Ortsmitte hat der Arbeitskreis Pläne erarbeitet, die jetzt in die Politik gehen werden und dann hoffentlich in diesem Jahr ausgeführt werden. Für unser Klageverfahren gegen den Planfeststellungsbeschluss zum Bau und Betrieb einer Deponie in Driftsethe-Weißenberg setze ich auf Erfolg. Ich bin dem Nabu dankbar, dass der Verband auf den letzten Drücker noch eine Klage eingereicht hat, sie bewirkt ein umfangreiches Kontrollverfahren, das die Gemeinde vom Gericht nicht hätte verlangen können.

Das Interview führte Luise Bär.

Zur Person

Andreas Wittenberg

ist parteiloser Bürgermeister der künftigen Einheitsgemeinde Hagen im Bremischen. Er wurde 2021 im Amt des Verwaltungschefs bestätigt, mit einem noch besseren Ergebnis als 2013, als er  Susanne Puvogel (SPD) abgelöst hat. Wittenberg hat eine lange Amtszeit vor sich. Aufgrund der Umwandlung der Samt- zur Einheitsgemeinde dauert die neue Amtszeit neun Jahre und zehn Monate. 

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