Ex-Spieler des FC Hagen/Uthlede

Erik Köhler: „Das Handy ist förmlich explodiert“

Erik Köhler war in den vergangenen drei Jahren eines der Erfolgsgesichter bei Fußball-Oberligist FC Hagen/Uthlede. Jetzt schaffte er mit dem FC Oberneuland den Sprung in den DFB-Pokal - und spricht darüber.
25.08.2020, 09:39
Lesedauer: 5 Min
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Erik Köhler: „Das Handy ist förmlich explodiert“
Von Tobias Dohr
Erik Köhler: „Das Handy ist förmlich explodiert“

Erster beim Gratulieren: Erik Köhler (obenauf) ist nach dem Elfmeterschießen im Pokalfinale ganz schnell zu seinem Torwart Jonas Horsch gesprintet.

Christina Kuhaupt

Herr Köhler, herzlichen Glückwunsch zum Pokalsieg mit dem FC Oberneuland und zum Einzug in den DFB-Pokal. Ist das der bisher größte Erfolg Ihrer noch jungen Karriere?

Erik Köhler: Ja, das kann man schon so sehen. Ich habe vor zwei Jahren zwar auch mit dem FC Hagen/Uthlede die Landesliga-Meisterschaft gewonnen, das war damals auch eine richtig tolle Sache. Aber dieser Pokalsieg verbunden mit dem DFB-Pokal ist schon noch eine andere Geschichte.

Wie viel Glückwunsch-Nachrichten sind denn auf Ihrem Handy eingegangen?

Direkt nach dem Spiel ist das Handy förmlich explodiert. Da kamen wirklich richtig viele Glückwünsche. Das hat echt gedauert, bis ich da jedem geantwortet und mich bedankt habe.

Und wie viele Nachrichten davon kamen aus Hagen und Uthlede?

Sehr viele natürlich. Da hat sich fast die ganze Mannschaft gemeldet, was mich natürlich enorm gefreut hat.

Sie haben noch beste Kontakte zu den Grün-Schwarzen. Wie sehr haben Sie eigentlich bei deren Pokal-Halbfinale in Celle mitgefiebert?

Extrem. Leider gab es ja keine Internet-Übertragung, aber ich habe am Liveticker gehangen und mitgelitten. Hinterher habe ich dann natürlich auch Einzelheiten zum Spielverlauf mitgekriegt, es ist schon wirklich unglücklich gelaufen, wobei die Jungs ein richtig starkes Spiel gemacht haben. Aber natürlich war das etwas Besonderes für mich, weil ich ja in den Runden zuvor mit dafür gesorgt hatte, dass der FC Hagen/Uthlede überhaupt bis ins Halbfinale gekommen ist. Da hat das 2:3 in Celle dann irgendwie doppelt wehgetan.

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Reden wir über Ihren neuen Verein. Wie waren die ersten Wochen im Kreise eines Regionalliga-Aufsteigers?

Sehr intensiv. Das ist von der Qualität auf jeden Fall noch einmal eine andere Sache.

Ist es wirklich noch einmal ein signifikanter Unterschied zum FC Hagen/Uthlede? Da hatten Sie ja schließlich auch schon eine ziemlich gute Mannschaft beisammen.

Definitiv. Und die Zusammensetzung des Kaders ist ja auch etwas anders. In Hagen hatten wir alterstechnisch andere Säulen. Ein Marlo Burdorf, Yannick Becker, Mirko Franke oder Axel France – das sind alles erfahrene Spieler, die auch über ihre Routine ganz viel lösen können. Das ist jetzt in Oberneuland natürlich anders, wir haben dort eine sehr junge Truppe zusammen, die diesbezüglich sicherlich noch ein bisschen was lernen muss. Aber wenn ich dann sehe, wie die Passgenauigkeit ist, wie die Laufwege gemacht werden – da kommt praktisch jeder Ball genau da hin, wo er hinsoll.

Wie sind Sie mit Ihrer persönlichen Entwicklung in der bisherigen Vorbereitungszeit zufrieden?

Es lief bisher noch nicht so richtig rund. Ich hatte ein paar Probleme, bin nicht so gut reingekommen und hatte vor zwei Wochen Leistenprobleme. Da waren dann auch ein, zwei Testspielauftritte dabei, wo ich selber sehr unzufrieden mit mir war. Nach einem intensiven Gespräch mit unserem Trainer Kristian Arambasic habe ich aber jetzt das Gefühl, dass es in die richtige Richtung geht.

Sie sind im Bremer Pokalfinale trotzdem der erste Einwechselspieler gewesen, kamen nach 71 Minuten ins Spiel und haben dann sogar einen Elfmeter geschossen. Das zeugt ja durchaus von Vertrauen des Trainers in Ihre Person.

Das hoffe ich. Es ging aber auch darum, die potenziellen Elfmeterschützen auf dem Platz zu haben. Und da ich in Hagen/Uthlede auch zu den Schützen gehörte, hatte ich dem Trainer schon vor dem Spiel signalisiert, dass ich bereitstehen würde, falls es denn soweit kommt.

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Und so war es dann ja auch. Vor Ihnen hatten alle drei bisherigen Schützen verschossen. Hand aufs Herz: Wie nervös waren Sie da?

Es war schon besonders. Eigentlich schieße ich ja am liebsten in die linke Ecke, aber aus irgendeinem Grund hat mein Kopf dann ganz spontan entschieden, nach rechts zu schießen. Es war natürlich extrem wichtig, dass der Ball dann rein ging, wenn auch knapp.

War es für Sie zusätzlich brisant, dass es im Finale ausgerechnet gegen ihren früheren Verein Blumentahler SV ging, bei dem Sie in Jugendzeiten gespielt haben?

Natürlich hat es das noch etwas besonderer gemacht. Ich kenne dort zwar nicht mehr so viele Leute, aber gewisse Kontakte gibt es natürlich immer noch. Nicht zuletzt, weil ich derzeit vorübergehend wieder bei meinen Eltern eingezogen bin und die in Blumenthal wohnen.

Wie sehen denn Ihre Ziele für die anstehende Saison aus?

Natürlich reden wir erst mal nur über den Klassenerhalt. Als Aufsteiger wissen wir natürlich überhaupt nicht, wo wir wirklich stehen. Die Liga und die Gegner sind nicht so bekannt. Und man hat im Endspiel gesehen, dass wir noch viel lernen müssen. Dass bei einer 2:0-Führung ein Gegentor ausreicht, um uns so aus dem Spiel zu bringen, geht natürlich nicht.

Und Ihre persönlichen Ziele?

Ich möchte natürlich so viel spielen wie möglich und dem Trainer beweisen, dass ich das Zeug für die Regionalliga habe.

Was ist Ihrer Meinung nach wahrscheinlicher: Dass der FC Hagen/Uthlede die Liga hält, oder der FC Oberneuland?

(überlegt) Ich denke, das ist beides gleich wahrscheinlich. Der FC Hagen hat ein paar wichtige Spieler verloren, aber starke, junge Leute dazu bekommen, die in der Vorbereitung auch schon positiv auf sich aufmerksam gemacht haben. Und ähnlich wie in den letzten beiden Jahren, wo dem FC Hagen kaum jemand was zugetraut hat, werden sie es am Ende trotzdem wieder schaffen. Für uns in Oberneuland ist die Vorrunde in der Liga natürlich ideal, um uns an das neue Niveau zu gewöhnen. Und spätestens im Frühjahr müssen wir dann da sein.

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Und was geht für Sie am 12. September gegen Borussia Mönchengladbach?

Das ist natürlich ein riesiges Highlight für alle von uns.

Würden Sie lieber am heimischen Vinnenweg oder im Borussia-Park in Mönchengladbach spielen? Offenbar steht ein Heimrechttausch ja durchaus zur Debatte?

Ich persönlich hätte nichts dagegen, in Mönchengladbach zu spielen, dann kann ich dieses Stadion von meiner Liste streichen (lacht). Das wäre natürlich noch mal ein riesengroßes Abenteuer für die ganze Mannschaft. Und sportlich? Nun ja, so ein Spiel ist einfach ein Bonus. Wobei ich auch keine Lust habe, dort 0:10 zu verlieren. Wir werden uns schon bestmöglich vorbereiten und alles versuchen.

Dann mit einem Erik Köhler in der Startelf?

Das hoffe ich natürlich.

Das Gespräch führte Tobias Dohr.

Info

Zur Person

Erik Köhler (22)

war in den vergangenen drei Jahren eines der Erfolgsgesichter beim FC Hagen/Uthlede. Der Flügelstürmer wechselte im Sommer 2017 aus der U19 des Blumenthaler SV an die Blumenstraße und verhalf den Grün-Schwarzen gleich in seiner ersten Herren-Saison mit 14 Saisontoren zur Landesliga-Meisterschaft und zum damit verbundenen Oberliga-Aufstieg. Auch in den darauffolgenden beiden Oberliga-Jahren war Köhler absolute Stammkraft im Team von Trainer Carsten Werde. Nun wechselte der derzeit in Blumenthal wohnende Stürmer zu Regionalliga-Aufsteiger FC Oberneuland, mit dem er am vergangenen Sonnabend den Bremer Pokal gewann und damit den Sprung in die erste DFB-Hauptpokalrunde schaffte. Dort wartet am 12. September Champions-League-Teilnehmer Borussia Mönchengladbach auf die Oberneuländer.

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