Schullandheime Derzeit meckern nur die Ziegen

Schullandheime und Jugendherbergen dürfen derzeit wieder Gäste beherbergen. Wie es aber weiter geht, ist derzeit noch offen. Die Verantwortlichen hoffen auf eine stabile Lage.
30.07.2021, 18:00
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Derzeit meckern nur die Ziegen
Von Peter von Döllen

Landkreise Osterholz/Cuxhaven. Sönke Hofmann muss einen kleinen Moment nachdenken. Dann sagt er: "Die Situation ist durchwachsen." Die Dreptefarm in Wulsbüttel hat die schwierige Phase überstanden. Wie alle Schullandheime und Jugendherbergen haben die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie die Einrichtung des Naturschutzbundes (Nabu) gebeutelt. Lange waren sie geschlossen, die meisten schrammten am finanziellen Ende gerade so vorbei. Momentan gibt es einen Silberstreifen am Horizont, der Hoffnung macht. Unter Auflagen sind die Heime wieder geöffnet. Im Hinterkopf schwingt aber die Angst vor neuen Beschränkungen mit.

"Es ist besser als im vergangenen Jahr", erzählt Lena Mädje, Vorsitzende des Schullandheimvereins Allmersschule in Bokel. Von einer optimalen Auslastung sind die Heime aber nach wie vor weit entfernt. "Es geht uns nicht gut", bemerkt Sönke Hofmann, Vorsitzender des Trägervereins der Dreptefarm. Ähnlich ist es auch beim Haus am Paschberg in Wulsbüttel – da sind alle gleich betroffen. Sie haben allerdings völlig unterschiedliche Grundlagen, die Einfluss auf die jeweilige Situation während der Pandemie haben.

Leerlauf für Sanierung genutzt

2019 verzeichnete die Dreptefarm eine sehr hohe Auslastung. Das führte zu höheren Rücklagen, von denen die Farm vergangenes Jahr zehren konnte. Allerdings hatte das auf der anderen Seite zur Folge, dass kaum Hilfsgelder gewährt wurden. Der Leerlauf wurde laut Hofmann genutzt, um mit viel ehrenamtlicher Arbeit die Bäder neu zu machen. Und die Auszubildenden von Mercedes waren auch wieder da, um anzupacken. Doch die Projekte müssen auch finanziert werden. "Das geht an die Substanz", bemerkt Hofmann.

Im Augenblick profitiere die Dreptefarm von ihrer Verbindung zum Nabu. Denn er organisiert seine Ferienfreizeiten, die auch auf der Dreptefarm stattfinden. "Man merkt, wie ausgehungert die Kinder sind, etwas zusammen zu machen", findet Sönke Hofmann. Es werde nicht gemeckert, wenn es um die Arbeit mit den Tieren oder das Spülen geht. Für den Herbst gebe es zwei oder drei Buchungen. Und einzelne Lehrer fragten bereits wegen Klassenfahrten im kommenden Jahr an. Viele wollten diese. Schließlich gehe es darum, miteinander klar zu kommen. Klassenfahrten seien wichtig für die persönliche Entwicklung. "Aber wir müssen schauen, wie es mit der Inzidenz weitergeht." Es müsse weiter geimpft werden, findet Hofmann.

Auch das Haus am Paschberg ist weniger auf Klassenfahrten angewiesen. Es ist ein Schullandheim für geistige und körperlich behinderte Kinder. "Wir sind ganz anders vernetzt", erklärt die Leiterin Antje Bertram. Das vergangene Jahr war aber wegen der Schließung schwierig. Es habe jedoch auch viele Unterstützer gegeben, die ein Überleben möglich machten. Die Stadt Bremen habe das Haus am Paschberg die vergangenen eineinhalb Jahre unterstützt. Auch von der Aktion Mensch gab es finanzielle Hilfe, und Airbus spendete Geld. "Viele haben angerufen und gefragt: Was braucht ihr?", erzählt Bertram. Es gab auch Kurzarbeit. Aber: "Wir haben versucht, jede Kraft weiterzubeschäftigen."

Impfungen und Tests

Jetzt sind wieder Gruppen Gast im Haus am Paschberg. Und wie Sönke Hofmann hat Bertram beobachtet, wie sehr die Besucher den Aufenthalt genießen. Das Lächeln der Kinder sei Lohn für die Arbeit des Teams. Natürlich müssen dabei Hygieneregeln eingehalten werden. Antje Bertram setzt auf Impfungen und Tests. Auch Genesene sind willkommen. Alle im Team sind geimpft, werden aber trotzdem regelmäßig getestet. Sie geht davon aus, dass die Buchungen bis zum Oktober auch realisiert werden können. "Wir können aber nicht in die Glaskugel schauen", sagt Bertram. Sie hoffe indes, dass es nicht wieder zu einem Lockdown kommt.

Das Schullandheim Allmersschule ist ein klassisches Schullandheim, das gegründet wurde, um Schulklassen eine Fahrt zu ermöglichen. Schulklassen fallen derzeit aber aus. "Es sind Familiengruppen oder Kirch

engruppen, die derzeit kommen", berichtet Lena Mädje. Üblicherweise starke Buchungszeiten wie Ostern, Pfingsten oder Himmelfahrt konnten dieses Jahr nicht genutzt werden. Es sei aber besser als im vergangenen Jahr. Das Schullandheim in Bokel profitierte von einer Änderung bei den Überbrückungshilfen. Vereine konnten diese zunächst nicht beantragen. Doch das ist nun möglich, und zusammen mit Spenden sei das Überleben bis zur kommenden Saison 2022 gesichert. Was allerdings passiert, wenn die Zahl der Corona-Infizierten wieder steige, ist noch unklar. So klammern sich die Heime an die Hoffnung, dass die Zeiten besser werden.

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