Premiere am 20. Mai Besuch bei einem Exoten

Die Theatergruppe „Das letzte Kleinod“ blickt mit szenischem Rundgang auf das Leben von Hermann Allmers. Premiere ist am 20. Mai.
07.05.2021, 05:33
Lesedauer: 3 Min
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Von Andrea Grotheer

Rechtenfleth. Der Hof wird zur Ziegelei, im Küchengarten nimmt das Reethandwerk eine Rolle ein, und der Teich spiegelt die Freude an Bädern in der nahegelegen Weser wider: Die Theatergruppe „Das letzte Kleinod“ lässt in einem Theaterprojekt den Marschendichter Hermann Allmers rund um sein früheres Anwesen aufleben. Von 1821 bis 1902 lebte er direkt am Deich in Rechtenfleth, in diesem Jahr hätte er seinen 200. Geburtstag gefeiert.

„Heimat & Fremde“ ist das in Kooperation mit der Hermann-Allmers-Gesellschaft entstandene Projekt betitelt. „Wir beleben gerade das Museum und setzen uns mit dem Erbe von Hermann Allmers auseinander“, sagt Jens-Erwin Siemssen, zusammen mit Juliane Lenssen künstlerischer Leiter der Theatergruppe. Zunächst war eine begehbare Theatervorstellung, die quer durch die Achse des Hauses führen sollte, geplant. Bedingt durch die Corona-Pandemie wurde daraus aber mittlerweile ein szenischer Rundgang unter freiem Himmel, rund um das Hermann-Allmers-Haus: „Corona hat großen Einfluss auf unsere Arbeit und lange Zeit stellte sich die Frage, ob wir die Vorstellungen überhaupt machen können“, sagt Jens-Erwin Siemssen.

Doch mit der Erteilung der Genehmigung des Gesundheitsamtes für die Begehung des botanischen Gartens gemäß der Corona-Notbremse auch bei einem Inzidenzwert von über 100 stehe der Premiere am 20. Mai und den bis zum 6. Juni folgenden Vorstellungen nichts mehr im Wege. Auch die Entscheidung der niedersächsischen Landesregierung, dass ab dem 10. Mai Theater unter freiem Himmel wieder stattfinden dürfe, sei gerade rechtzeitig gekommen.

Hygienekonzept

„Selbstverständlich haben wir ein sehr strenges Hygienekonzept, jeder Zuschauer muss ein aktuelles negatives Testergebnis vorlegen“, erklärt der künstlerische Leiter die zu beachtenden Vorgaben. Sechs Schauspielerinnen und Schauspieler begeben sich in die Welt von Hermann Allmers, unterstützt werden sie dabei auch von der Laienschauspielgruppe des Ortes. Die musikalische Leitung hat Jan-Hendrik Ehlers übernommen.

Schon im Februar hatte sich die Schauspieltruppe in Arbeitsquarantäne im Hermann-Allmers-Haus begeben und sich dann nach Ostern dort wiedergetroffen. „Wir haben uns mit dem literarischen Werk, aber auch mit der Landschaft auseinandergesetzt“, so Jens-Erwin Siemssen. Die Gewerke der damaligen Zeit wie Ziegelbrand, Melken, Reetdachdeckerei oder Schlachten habe man im Sinne der Heimat ebenfalls recherchiert. „Hermann Allmers war zu seiner Zeit ein Exot, er ist mit einer Hasenscharte und Gaumenspalte zur Welt gekommen und hat knapp überlebt“, erzählt Schauspieler Richard Gonlag, der die Rolle des Dichters übernommen hat.

Redegewandt und intelligent

Sehr redegewandt und intelligent sei Hermann Allmers gewesen, doch habe er große Mühe gehabt, sich verständlich zu machen. „Die Kinder haben sich über ihn lustig gemacht“, sagt der Allmers-Darsteller, der sich ausführlich mit den Briefen des Dichters, die dieser zu Tausenden hinterließ, befasst hat. „Er hat sehr schwärmerische Briefe an seine sogenannten Wahlneffen geschrieben, und ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass er ziemlich schwul war“, spricht Richard Gonlag seine Gedanken aus. Allmers habe sich um die Landwirtschaft, die er von seinen Eltern übernommen hatte, sowie eine eigene Ziegelei gekümmert. Auch in eine Brauerei habe er investiert. Doch sein Herz habe für die Kunst geschlagen. „Das hat ihn in diesem kleinen Dorf zu einem absoluten Exoten gemacht.“ Akzeptiert habe man ihn aufgrund seiner Position als wohlhabenden Landwirt wohl dennoch.

An neun Stationen rund um das Hermann-Allmers-Haus können die Zuschauer in die Zeit des Marschendichters eintauchen. Premiere ist am 20. Mai um 19. 30 Uhr. Eintrittskarten gibt es unter www.das-letzte-kleinod.de. An einem Abend können bis zu drei Veranstaltungen für jeweils 32 Personen stattfinden. Zu den Vorstellungen nach 22 Uhr wird das Allmers-Hauses illuminiert.

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