TSV Uthlede

Kein Gedanke ans Aufhören

Peter Hackmann vom TSV Uthlede hat im November 2019 seinen 80. Geburtstag gefeiert, ist aber noch weit davon entfernt, seinen Tischtennis-Schläger an den Nagel zu hängen.
07.01.2020, 13:40
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann

Uthlede. Peter Hackmann vom TSV Uthlede hat im November 2019 seinen 80. Geburtstag gefeiert, ist aber noch weit davon entfernt, seinen Tischtennis-Schläger an den Nagel zu hängen. Noch immer bestreitet der Routinier Punktspiele für den FC Hambergen VI in der 4. Kreisklasse Osterholz. Auch wenn sich in diesem Team die ältesten Spieler des Vereins zusammengefunden haben, ist Hackmann hier immer noch der Senior. Teamkollege Horst Prigge ist aber auch bereits 79 Jahre alt.

Zusammen verbreiten die Oldies in ihrer Spielklasse gegen meist wesentlich jüngere Konkurrenten immer noch Angst und Schrecken. „Neulich habe ich gegen einen 18-Jährigen gespielt und gewonnen“, berichtet der Oldie, der altersmäßig auch der Urgroßvater seines Widersachers hätte sein können. Die jungen Talente wollen aus seiner Sicht zwar noch etwas erreichen, müssten aber eben auch noch viel lernen. Immer wieder beißen sich die jungen Akteure die Zähne am Defensivkünstler aus, der meist ein paar Meter hinter der Platte alle Bälle wieder auf den Tisch zurückbringt. Viele Kontrahenten wollen dem Routinier mit Top-Spin-Bällen beikommen.

Beeindruckt von Florian Kohfeldt

„Diese Bälle nehme ich unter dem Tisch an, wo der Drall nicht mehr so groß ist“, berichtet der Rentner, der Dauerkarten-Inhaber bei Werder Bremen ist und gelegentlich am Trainingsgelände neben dem Weserstadion vorbeischaut. Vor dem Spiel beim FC Bayern München sprach Peter Hackmann Werders Coach Florian Kohfeldt noch Mut zu. Auch wenn alles Daumendrücken angesichts der 1:6-Schlappe bekanntlich nichts half, zeigte sich Hackmann schwer beeindruckt von Kohfeldt: „Der hat sogar extra seine Handschuhe ausgezogen, um mir die Hand zu geben – der hat richtig feine Manieren.“

Peter Hackmann verfolgt die Karriere von Florian Kohfeldt nicht erst seit dessen Engagement bei den Grün-Weißen. „Ich kenne Florian schon aus seiner Zeit als Torwart von Atlas Delmenhorst. In Delmenhorst hat er auch erfolgreich Tennis und Tischtennis gespielt“, informiert der 80-Jährige, der früher selbst in Delmenhorst wohnte. Seine eigene Laufbahn im Tischtennis begann Hackmann einst beim TS Woltmershausen, ehe er zum Ligarivalen aus der Verbandsliga, TSV Grolland, wechselte. Schnell avancierte der Sportler zum Bremer Jugendauswahl-Spieler und machte auch den Oberligisten SV Werder Bremen auf sich aufmerksam. „Der hat mich dann zu sich geholt“, lässt Peter Hackmann wissen. Die Oberliga stellte seinerzeit die höchste Spielklasse im Tischtennis dar.

Anfangs fuhr Hackmann sogar noch zweigleisig, denn er spielte auch noch Fußball beim TS Woltmershausen. „Ich war in meiner Jugend Mittelläufer. Doch weil sich die Punktspiele irgendwann überschnitten haben, musste ich mich für eine Sportart entscheiden“, erklärt der in zweiter Ehe mit Erika Hackmann verheiratete Spieler. Vor 25 Jahren baute sich das Ehepaar Hackmann ein Schwedenhaus in Uthlede. Fast genauso lange ist Peter Hackmann schon Mitglied beim TSV Uthlede. „Wir hatten auch mal eine tolle Mannschaft beisammen, in der ich mit sehr viel Spaß gespielt habe. Als dann aber nach und nach Spieler den Verein verlassen haben, bin ich zum FCH gewechselt“, sagt Hackmann. Die TSV-Tischtennissparte ruht derzeit auch angesichts mangelnden Interesses.

Peter Hackmann, dessen Vater Fritz Hackmann vor dem 2. Weltkrieg ein Milchgeschäft in der Bremer Innenstadt betrieb, verbindet sehr viel mit dem SV Werder Bremen. Während seiner beruflichen Laufbahn lernte er zum Beispiel Werder-Legende Arnold „Pico“ Schütz kennen. „Was hatte der für einen Schuss“, schwärmt Peter Hackmann noch heute über den inzwischen verstorbenen Meister von 1965, der mehr als 800 Spiele für die Grün-Weißen bestritt. Über „Pico“ Schütz lernte Hackmann auch Werders langjährigen Torwart Dieter Burdenski kennen.

„Wir drei haben häufig zusammen ein Bier getrunken“, teilt der Haudegen mit. Über Burdenskis Reisebüro buchte Peter Hackmann auch bereits so manche Europapokal-Auswärtsfahrt der Bremer. Unter anderem er dieser nach London, Bordeaux und Parma. Mit den Eigenheiten der heutigen Spieler wird der Uthleder nicht immer warm: „Der erblondete Claudio Pizarro sieht ja unmöglich aus.“ Dennoch fiebert Hackmann nach wie vor bei jedem Spiel der Werderaner mit. „Ich hoffe auch darauf, dass Werder wieder so eine Rückrunde wie in der vergangenen Saison hinlegt. Vor allem für Florian Kohfeldt würde mich dies freuen“, sagt der leidenschaftliche Anhänger der Grün-Weißen.

Zum Schwimmen nach Bremerhaven

Um selbst fit zu bleiben, tut Peter Hackmann einiges. So geht er beispielsweise einmal in der Woche mit einer Gruppe aus Uthlede in Bremerhaven zum Schwimmen. Dazu macht Hackmann auch regelmäßig Gymnastik und besucht zumindest einmal pro Woche das Training beim FC Hambergen oder beim SV Werder Bremen. „Ich wiege bereits seit längerer Zeit 86 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,86 Metern. Das soll auch so bleiben“, betont der Aktive. Im Training müsse er sich stets anstrengen, um noch mithalten zu können. „So lange ich so wie jetzt noch Spaß an meinem Sport habe, werde ich auch weitermachen“, verspricht der Altmeister, der jedoch mit Herzrhythmus-Störungen und mit einem stark variierenden Blutdruck zu kämpfen habe. „Ich messe aber jeden Tag meinen Blutdruck“, so Hackmann.

Ernsthaft verletzt war der Pensionär nur einmal. Als er während eines Doppels seinem Partner ausweichen wollte, prallte er mit der linken Schulter gegen die Hallenwand und zog sich eine sehr schmerzhafte Schultereck-Gelenksprengung zu. „Ich hatte mir sämtliche Bänder in der Schulter gerissen. Aber meinen Schläger habe ich nicht losgelassen", sagt Peter Hackmann, der in der Nähe des Sportplatzes in Uthlede wohnt. Zu den Heimspielen des FC Hagen/Uthlede in der Fußball-Oberliga muss er allerdings an die Blumenstraße nach Hagen fahren. „Für diese Mannschaft interessiere ich mich auch sehr“, versichert der 80-Jährige.

Schweren Herzens trennte sich Peter Hackmann übrigens von seinem mehr als 60 Jahre alten Tischtennis-Schläger, mit dem er über ein halbes Jahrhundert gespielt hatte. Der Schläger von der Firma Bergmann ist mittlerweile im Wuseum des SV Werder Bremen zu bestaunen. Bei Werder ist Hackmann bereits seit 1971 Mitglied.

Als es noch keine Schutzhüllen gab, wickelte der ehemalige Fuhrunternehmer sein antiquiertes Spielgerät in Zeitungspapier ein, um es anschließend in einen tresorähnlichen Schrank zu schließen. Mit Museen pflegt der Uthleder übrigens einen guten Kontakt. Auch sein Küper-Brief aus dem Jahre 1958 befindet sich schließlich in einem Museum, und zwar im Hafenmuseum im Speicher 11 in der Bremer Überseestadt. Hackmann ist gelernter Küper, also Ladungskontrolleur. Hier war er unter anderem für Baumwolle und Kaffee zuständig.

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