Festival in Cuxhaven

Wie das Deichbrand zu einem Erfolg wurde

Das Deichbrand-Festival ist ein paar Tage vor dem Beginn so gut wie ausverkauft. Das war nicht immer so: Wie die Organisatoren es schafften, kurz vor dem Aus die Veranstaltung erfolgreich zu machen.
12.07.2018, 22:08
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Wie das Deichbrand zu einem Erfolg wurde
Von Pascal Faltermann

Weiter nach unten ging es nicht mehr: rund 250.000 Euro Schulden, das Wetter spielte nicht mit, die Besucher blieben aus. Marc Engelke und sein Mitstreiter Daniel Schneider, die beiden Geschäftsführer des Deichbrand-Festivals, waren kurz vorm Aufgeben. Eine Insolvenz drohte, Gläubiger machten Druck. Das Festival am Seeflughafen Cuxhaven/Nordholz stand vor dem Aus. Es wurde ein bitterer Gang zur Bank statt zur Bühne. Das war 2008. Zehn Jahre später ist dieser Freiluft-Beschallungszirkus an der Nordseeküste mit 60.000 Besuchern so gut wie ausverkauft.

Künstler wie die Toten Hosen, The Killers oder Casper stehen vom 19. bis 22. Juli 2018 auf den zwei Hauptbühnen. Angefangen hatte der ganze Festivalwahnsinn an der Nordsee bereits im Jahr 2005. Ein paar junge Herren aus Cuxhaven und der Umgebung hatten die Idee, ein Festival mit dem Namen Deichbrand an der Küste zu organisieren. 500 Leuten kamen zum historischen Fort Kugelbake mit Blick auf das aufbrandende Meer.

„Da sie selbst das finanzielle ­Risiko nicht tragen wollten und keine Erfahrung mit Veranstaltungen hatten, haben sie damals rumgefragt“, erzählt Marc Engelke. Unabhängig voneinander sprachen sie Engelke und Daniel Schneider an. Über Engelkes Bruder lernten sich die beiden dann kennen, wurden Partner und sind es bis heute geblieben. Engelke steckte sein Geld, dass er während des Wehrdienstes auf der Fregatte „Hamburg“ gespart hatte, in das erste und zweite Festival. Und es kamen immer mehr Besucher.

Sie hielten durch

Dann das Katastrophenjahr: Eigentlich war 2008 vielversprechend gestartet, ein Jahr zuvor hatte die Veranstaltung eine kleine schwarze Null geschrieben. Der Zuspruch der Besucher war gut, die Bands wurden immer bekannter und größer. Aber es regnete ununterbrochen, in fünf Tagen kamen 110 Liter auf den Quadratmeter vom Himmel. Das größere Veranstaltungsgelände neben dem Windpark am Deich an die Neufelder Straße in Altenbruch lief voll wie eine Badewanne.

Damals habe es in der ganzen Region keine Gummistiefel mehr zu kaufen gegeben, sagt Marc Engelke. Aus der Tageskasse gab es so gut wie keine Einnahmen, die Schulden häuften sich an. Es mussten Auftritte gecancelt werden, die mediale Berichterstattung war nicht die beste. Die beiden Festivalmacher, damals gerade Anfang und Ende 20, mussten tief in die eigene Tasche greifen – mussten das ihren Eltern erklären.

Doch, anstatt alles hinzuwerfen, einen anderen Job oder das Studium aufzunehmen, hielten die beiden durch. Gegen die zahlreichen Ratschläge von Außenstehenden. Sie fingen an zu kämpfen. „Es gab nur zwei Möglichkeiten: Aufhören oder Weitermachen“, sagt Engelke. Es folgte ein erneuter Umzug: Seit der fünften Auflage im Jahr 2009 findet das Festival am Seeflughafen Cuxhaven/Nordholz in der Nähe des Dorfes Wanhöden statt.

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Nach den ersten Auflagen des Festivals, mit dramatischen Schwankungen und herben Verlusten wurde 2010 eine neue Basis geschaffen. Die 2005 gegründete ES Events Engelke & Schneider GbR stellte den Betrieb ein. Stattdessen gründeten Marc Engelke, Daniel Schneider und Berend Koll zusammen mit Folkert Koopmans die ESK Events & Promotion GmbH als neuen Veranstalter. FKP Scorpio, Europas größter Festivalveranstalter aus Hamburg, war also nun Partner.

Als Mitgründer des Deichbrand Festivals und Geschäftsführer der Firmen ESK Events & Promotion und FKP Eventservice ist Marc Engelke für die Bereiche Organisation, Controlling, Produktion und Sponsoring verantwortlich. Sein Partner Schneider kümmert sich um das Marketing und das Booking. „Am Ende treffen wir aber alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam“, sagt Engelke. War es anfangs noch ein Halbtagesjob, arbeiten die beiden seit 2010 in Vollzeit am und für das Deichbrand. Urlaub im Sommer gibt es da nicht.

Planungssicherheit statt ständig neuer Verhandlungen

Aus einem riskanten Roulettespiel auf dem Festivalmarkt mit Stolpersteinen und Gewitterwolken hatte es das Team geschafft, das Fundament für das Deichbrand zu stärken. Die Möglichkeiten zu nutzen. Es ist wohl „die Schönheit der Chance“ wie es in einem Lied von Tomte-Frontmann Thees Uhlmann heißt, der aus dem nicht weit entfernten Hemmoor stammt und dem Festival sehr verbunden ist. Gegen Unwetter, Terror und andere unvorhergesehene Ereignisse ist das Festival mittlerweile versichert.

Seit 2011 ist es ausverkauft. Dieses Jahr könnte der Trend sich fortsetzen, auch wenn andere Festivals wie das Hurricane oder Rock am Ring mit Besucherschwund zu kämpfen haben. Zudem haben die Deichbrand-Macher gerade einen Deal mit der Gemeinde Wurster Nordseeküste abgeschlossen. Die Flächennutzung sowie eine Erweiterung des Festivalgeländes ist für weitere zehn Jahre möglich. Das bedeutet Planungssicherheit statt ständig neuer Verhandlungen.

Weitere Informationen

Alles Infos, Kombitickets und Tagestickets für die 14. Ausgabe des Festivals an der Nordsee am Seeflughafen Cuxhaven/Nordholz von 19. bis 22. Juli 2018 gibt es unter www.deichbrand.de.

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