Diskussion über das Oberfeuer in Sandstedt "Das ist unsere Seute Deern"

Ein Gutachten schreibt dem Oberfeuer an der Fährenzufahrt in Sandstedt einen kritischen Zustand zu. Jetzt sollen Fördermöglichkeiten geprüft werden, um über die Zukunft des alten Bauwerks zu entscheiden.
24.11.2021, 18:36
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas Palme

Hagen. „Die Standsicherheit des Oberfeuers in Sandstedt ist gefährdet“, lautet die Bilanz eines Gutachtens zum Zustand des Kulturdenkmals an der Fährenzufahrt in Sandstedt. Mit  den Untersuchungsergebnissen  beschäftigte sich jetzt der Ausschuss für Klimaschutz, Bauen, Umwelt und Planung in seiner jüngsten Sitzung. Die Mitglieder zeigten sich betroffen über die  kritische Verfassung des 123  Jahre alten Bauwerks und diskutierten unter Vorsitz von Hannes Mahlstedt (SPD) intensiv das weitere Vorgehen.

Für die Gemeindeverwaltung erscheint die Instandsetzung aufgrund der Notwendigkeit erheblicher  Sicherungsmaßnahmen und der voraussichtlich hohen Kosten für Gerüstbau und "Einhausung" als nicht sinnvoll und wirtschaftlich. Der Erhalt des Leuchtturmes ist den Vertretern aus Sandstedt jedoch eine „Herzensangelegenheit“.

So riet das Ausschussmitglied Werner Hahn (Grüne) zur baldigen Kontaktaufnahme mit dem Kreisdenkmalschutz, um eine Prüfung von Fördermöglichkeiten zu erwirken. Als Zuhörer warb auch Sandstedts Ortsvorsteher Falko Wahls-Seedorf (CDU) für den Erhalt des Oberfeuers, das in den vergangenen Jahrzehnten Sturm und Wetter getrotzt hat. „Das Oberfeuer ist unsere Seute Deern", bemühte der Sandstedter einen Vergleich mit dem bekannten Seebäderschiff. Er will dennoch um das Bauwerk kämpfen. So will der Ortsvorsteher Firmen für Alternativangebote hinzuziehen, „denn das erste Gutachten von vor zwei Jahren sah nicht so schlecht aus.“

Niederschmetterndes Ergebnis

„Das ist ein niederschmetterndes Ergebnis“, erklärte Ausschussmitglied Sönke Hahlbom (CDU). Auch er hofft auf die Hilfe des Denkmalschutzes bei der Sanierung, fordert hier jedoch schnelle Entscheidungen. „Denn die Gemeinde darf nicht noch weitere Mittel in kurzfristigen Sicherungsmaßnahmen versenken“, erklärte Hahlbom und sprach sich dafür aus, „ohne deutliche Förderzusagen einen Abrissantrag für das Oberfeuer zu stellen“.

Auch Ausschussmitglied Udo Allmers wollte sich lieber „Kulturbanause“  nennen lassen, als 700.000 Euro zu investieren. Der Ausschussvorsitzende sieht in dem Oberfeuer keine touristische Relevanz und  meint, „viele Gäste hätten das Bauwerk hinter den Bäumen noch nicht gesehen“.

Das Gutachten fußt  auf eine Bauwerksprüfung durch das Ingenieurbüro André Bartel im August und September, eine "Sonderprüfung mit objektbezogener Schadensanalyse". Das Ergebnis war ernüchternd, sind bei der Prüfung doch Schäden in enormer Höhe festgestellt worden. So kann eine Grundsanierung nach Kostenprognose etwa 700.000 Euro kosten.

Daher empfiehlt die Verwaltung, das Oberfeuer und die angrenzenden Flächen kurzfristig zu sperren, da die Verkehrssicherheit und die Dauerhaftigkeit der Konstruktion nicht mehr gegeben sei. Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung daraufhin, die Möglichkeiten für den Bezug von Fördergeldern bei einer Grundinstandsetzung zu prüfen, die weitere Vorgehensweise für einen Erhalt aufzeigen oder den kontrollierten Rückbau des Oberfeuers mit der Denkmalschutzbehörde abstimmen.

Umbaupläne zum Dorfzentrum

Im zweiten Tagesordnungspunkt ging es um die Nachnutzung des ehemaligen Feuerwehrgerätehauses Am Brink, welches der Heimatverein Lehnstedt zum Dorfzentrum umbauen möchte. „Damit soll jedoch keine Konkurrenzsituation im Dorf entstehen“, mahnte der Vorsitzende des Ausschuss für Klimaschutz, Bau, Umwelt und Planung, Hannes Mahlstedt (SPD), mit Blick auf die Vorstellungen von Kita und Heimatverein. Während der jüngsten Sitzung stellte die Vorsitzende des Heimatvereins, Birgit Palait, dem Ausschuss die Pläne vor und betonte „dass wir mit dem Kindergarten bei der zukünftigen Nutzung zusammenarbeiten wollen“. 

Mit Verwunderung reagierte Ausschussmitglied Udo Allmers auf die Diskussion. „Die CDU ging von einer beschlossenen Nutzung der ehemaligen Feuerwache durch den Heimatverein aus“, betonte Allmers mit Bezug auf eine 2019 erstellte Schätzung der Umbaukosten in Höhe von 74.000 Euro. Umso unverständlicher sei es, „dass das Projekt so lange liegen geblieben ist“.  Woran es denn gelegen habe, wollte Allmers von der Veraltungsfachfrau Christina Mehrtens wissen, dass keine Leader- oder Zile-Fördermittel beantragt worden seien. Dazu erklärte Mehrtens, „dass aktualisierte Kostenschätzungen und die Pandemie für die lange Bearbeitungszeit verantwortlich gewesen sind.“ Daher seien bisher keine Fördermittel von der Gemeinde beantragt worden. 

Die CDU und FDP schlagen vor, die Gesamtsumme in den Haushalt einzustellen, um auch ohne Förderung sofort mit der Umgestaltung anfangen zu können. Die SPD/Grüne-Gruppe möchte den Umbau jedoch nicht ganz ohne Förderung umsetzen. Dazu sollen die Arbeiten in zwei Bauabschnitten umgesetzt werden. Einen ersten mit 42.400 Euro Haushaltsmitteln plus 20.000 Euro vom Heimatverein für Mehrzweckraum, Toilette und Küche sowie einem zweiten zur Umgestaltung der ehemaligen Fahrzeughalle. Auch dieser mehrheitlich gefasste Vorschlag für eine Ratsentscheidung ermöglicht den sofortigen Baubeginn, lässt aber auf eine Generierung von Fördermitteln für den zweiten Bauabschnitt hoffen.     

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