Nach doppelter Atlantik-Überquerung

Schwimmendes Klassenzimmer mit 27 Schülern nach Cuxhaven zurückgekehrt

Segeln nach den Sternen als Matheaufgabe? Solche tollen Abenteuer gibt es. Nur ihre Rückkehr nach Cuxhaven nach einem halben Jahr auf See hatte sich eine Schülergruppe anders vorgestellt.
13.04.2020, 12:29
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa
Schwimmendes Klassenzimmer mit 27 Schülern nach Cuxhaven zurückgekehrt

Die Schüler des Ocean College kehren mit der "Pelican of London" zurück. Bei der Einfahrt in den Hafen stehen sie in den Rahen des Segelschiffs.

Mohssen Assanimoghaddam / dpa

Nach einem halben Jahr Unterricht auf See und zwei Atlantik-Überquerungen ist eine Schülergruppe auf einem Großsegler nach Deutschland zurückgekehrt. Der Dreimaster „Pelican of London“ machte am Ostersonntag in Cuxhaven fest. Unter strengen Seuchenschutzvorkehrungen sahen die 27 Jugendlichen ihre Eltern wieder, wobei viele Freudentränen flossen. Die Polizei ließ immer nur zwei Autos von Eltern am Anleger vorfahren. Die luden ihre Sprösslinge mit Gepäck ein und traten dann die Heimfahrt in Bundesländer zwischen Hamburg und Bayern an.

Die Corona-Pandemie habe schon die letzten Wochen des Törns bestimmt, sagte der Geschäftsführer der Firma Ocean College, Johan Kegler, der Deutschen Presse-Agentur. Aber die Stimmung an Bord sei gut gewesen.

Auf ihrem schwimmenden Klassenzimmer waren die Jungen und Mädchen vor Infektionen geschützt. Das Schiff durfte auf der Rückfahrt auf den Azoren nur kurz Vorräte an Bord nehmen. Weil die Häfen in Frankreich geschlossen sind, musste der Endpunkt der Reise von Bordeaux nach Cuxhaven verlegt werden. Die Reise dauerte dadurch ein paar Tage länger.

Man sei „auf See gefangen und doch freier als an Land“, schrieb ein Schüler im Blog von Ocean College. „Seit den Azoren hat sich alles verändert“, notierte ein Mädchen. Sie habe sich die Rückkehr so schön ausgemalt, nun sei alles unsicher. Aber sie fügte hinzu: „Wie immer unsere Ankunft aussehen wird, wir werden sie genießen.“

Die Schülerinnen und Schüler hätten die Bark „Pelican of London“ selbstständig durch den viel befahrenen Ärmelkanal zwischen Frankreich und Großbritannien gesteuert, sagte Kegler. Die Crew um Kapitän Chris Blake habe die Fahrt nur überwacht.

In der „Schule unter Segeln“ verbinde sich Fachunterricht mit Praxis, sagte Kegler zum pädagogischen Konzept. So werde in Mathematik auch Nautik gelehrt: „Kompass zudecken, GPS aus und dann nach den Sternen steuern.“. Die Sprache mit der Stammcrew sei Englisch, in Mittelamerika gebe es einen Spanischkurs. Die Teilnehmer gingen meist in die zehnte Klasse.

Mit 25.000 Euro für ein halbes Jahr, so die Website von Ocean College, ist diese Ersatzschule allerdings nicht billig. Es gibt in Deutschland auch andere Angebote für junge Leute, das Segeln auf einem traditionellen Großsegler zu lernen. Unter anderem werden Törns auf der „Alexander von Humboldt II“ (Heimathafen Bremerhaven), der „Fritjof Nansen“ (Hamburg) oder der „Roald Amundsen“ (Eckernförde) angeboten.

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