8K-Award Heute 8K-Award, morgen Regie-Studium

Filme machen ist seine Leidenschaft, nun hat Artur Jäger dafür eine Auszeichnung gewonnen. Der 18-Jährige kann sich über den 8K-Award für die beste Kameraführung für seinen Kurzfilm „Rouge“ freuen.
09.11.2020, 17:30
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Heute 8K-Award, morgen Regie-Studium
Von Micha Bustian

Bruchhausen-Vilsen. Es geht um den Oscar, den Emmy oder die Goldene Palme. Wann immer diese Filmpreise vergeben werden, drängen sich Schauspieler, Regisseure und Produzenten in flottem Fummel auf dem roten Teppich. Es wird Champagner geschlürft und freundlich in jede Kamera geschaut. Nur: nicht in Corona-Zeiten. Und auch nicht bei der Verleihung des 8K-Film-Awards von Samsung in Kooperation mit dem deutschen Filminstitut und Filmmuseum (DFF). So jubelte Artur Jäger über die Auszeichnung für die beste Kameraführung bei seinem Kurzfilm „Rouge“ zuhause in Bruchhausen-Vilsen. Nachzuschauen bei Youtube.

„Es ist viel besser geworden als wir dachten“, freute sich der Gewinner online über die Auszeichnung. „Wir“, weil sein Freund Phillip Dreifeld „den Kurzfilm noch ideenreicher gemacht hat, da er im Making-Prozess viel mitgeholfen hat“. Die Geschichte sei seine Idee gewesen, erklärt Artur Jäger, „vorangetrieben von meinem Freund Phillip“. Moderator Dominik Porschen nannte die Story von „Rouge“ sehr persönlich. Die Jury – prominent besetzt mit Marvin Kren (Regisseur von „4 Blocks“), Tom Wlaschiha (Schauspieler bei „Game Of Thrones“), Ellen M. Harrington (Direktorin des DFF) und Mike Henkelmann (Director Marketing für Consumer Electronics bei Samsung) – schloss sich dem anscheinend an.

Drei Minuten und elf Sekunden lang ist das Kunstwerk des 18-Jährigen. Die Kamera fährt von links nach rechts über einen Tisch, auf dem fein säuberlich Pinsel aufgereiht sind. Die Fahrt endet bei einem Töpfchen voller Rouge. Blende. Es erscheint Artur Jägers Gesicht. Langsame Pianomusik erklingt, eine Stimme sagt: „Freiheit. Eine Idee, die mich schon immer fasziniert hat.“ Der Kurzfilm handelt „nicht nur von einem schwulen, sich schminkenden Mann“, so der junge Mann. „Der Kern von ,Rouge' liegt in den Emotionen.“ Was Jäger transportieren will: „Eigentlich sind wir alle gleich, nur haben wir unterschiedliche Erinnerungen, Erlebnisse und Einflüsse erlebt, die uns prägten.“

Die Idee, einen Kurzfilm zu drehen, war schon lange ein Teil in seinem Gedächtnis und den Geschichten, die er sich in seiner Fantasie ausgemalt habe. Die Musik dazu hat er selbst produziert. „Ich arbeite mit Musik, zu der ich eine Geschichte in meinem Kopf abspielen lasse und so war es auch bei ,Rouge' – ich hatte den Soundtrack schon vorher produziert und mir dazu die einzelnen Szenen ausgedacht.“ Gefilmt wurde im Bremer Hauptbahnhof, in der Lüneburger Heide, bei Freunden und im eigenen Garten. Neben Jäger und Dreifeld standen Ronja Schulze, Jonas Schmidt, Nike Tecklenborg, Moesha Clottey, Navid Hamdard, Jack Neumann, Joke Hübner sowie Yannik, Nicole und Monika Dreifeld vor der Kamera.

Der Preis aber ging an Artur Jäger. Der wurde im Januar 2002 in Hoya geboren und wuchs bilingual auf, spricht von Geburt an Deutsch und Russisch. Seine Kindheit und Jugend waren nicht immer einfach. Zwei Jahre hat er laut eigenen Angaben in einem ärmlichen Dorf in Russland gelebt, dort ging er in die erste und zweite Klasse. In der sechsten Klasse erlangte er Erkenntnis zu seiner eigenen Sexualität, berichtet er. Vier Jahre später outete er sich vor Freunden. „Das soziale Umfeld hat mich nicht ganz akzeptiert, ich hatte ein schwieriges Verhältnis zu Verwandten und Freunden wegen meiner Sexualität und musste einige Kämpfe austragen.“

"In den schwierigsten Zeiten meiner Kindheit und Jugend, die von Ignoranz und Homophobie geprägt waren und mich gefangen hielten, hatte ich nur eine Sache, die mich aus der Realität in meine
eigene Fantasie transportieren konnte: Filme." So findet Artur Jäger wieder den Weg zurück zum Thema Film. Er hörte Musik und dachte sich selbst Filmkonzepte aus, fühlte mit seinen selbst geschaffenen Charakteren mit und lernte dadurch, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben.

2019 wurde er aufgrund besonderer schulischer Leistungen zur Deutschen Schüler-Akademie geschickt. Nach dem Abitur soll ein ein freiwilliges kulturelles Jahr in der Film- und Medienbrance her. „Danach werde ich hoffentlich Regie in Berlin studieren“, so Jäger. Der 8K-Award könnte dabei helfen.

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