Ostbahnhof Maidamm Eine ausgezeichnete Villa

Die Genossenschaft Obama erhält den Julius-H.-W.-Kraft-Preis für die Rettung des alten Ostbahnhofs Maidamm. Die Auszeichnung würdigt besondere Leistungen bei der Erhaltung historischer Bausubstanz auf dem Land.
21.04.2020, 17:07
Lesedauer: 3 Min
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Von Bärbel Rädisch und Ilias Subjanto

Bruchhausen-Vilsen. Der alte Ostbahnhof Maidamm (Obama) in Bruchhausen-Vilsen ist in den vergangenen Jahren zu einem Gästehaus umgebaut worden. „Übernachten mit Gleisanschluss“ lautete das Motto der Genossenschaft Obama, die für die Umwandlung des ehemaligen Bahnhofsgebäudes in die neue „Villa Gleisbett“ verantwortlich war. Fünf Doppelzimmer stehen seit November 2019 an der Strecke der Museumseisenbahn zwischen Bruchhausen-Vilsen und Hoya zur Verfügung. Nun hat das Obama-Projekt eine Auszeichnung erhalten.

Groß ist die Freude bei den Vorstandsvorsitzenden des Projekts Meina Fuchs und Christel Stampe und den Genossenschaftsmitgliedern, dass ihre Bemühungen zur Erhaltung des Ostbahnhofs mit einem Preis zum Thema „Gemeinsam gerettet“ ausgezeichnet wurden. Seit 1992 lobt die Interessengemeinschaft Bauernhaus (IgB) den Julius-H.-W.-Kraft-Preis aus. Benannt wurde er nach dessen Gründer. In diesem Jahr wird er geteilt mit dem Altstadt-Teltow-Verein, der mit einem Gebäude in der Innenstadt dazu beigetragen hat, das historische Ortsbild zu bewahren.

Beim Ostbahnhof in Bruchhausen war die Jury von der „pfiffigen Idee“ begeistert, eine Genossenschaft zur Rettung des 1896 errichteten Gebäudes zu gründen. Damit sei die historische Bausubstanz restauriert und erhalten worden. Auch wurde anerkannt, dass ein bauliches Zeugnis der ländlichen Transport- und Verkehrsgeschichte neues Leben erhielt und entgegengewirkt wurde, wo andernorts funktionslose historische Bahnhöfe verfallen. Die Jury hofft und wünscht, dass die Beispiele in der Öffentlichkeit bewirken, ein bürgerliches Engagement von Menschen anzustoßen, die sich mit Mut, Begeisterung und Leidenschaft für die Rettung kulturellen Erbes einsetzen. „Die baulichen Zeugnisse unserer Vorfahren bestimmen den Charakter unseres gesamten Landes. Sie gehören uns und zukünftigen Generationen – als ein Teil unserer gemeinsamen Geschichte“, heißt es.

Der Einsatz der Obama-Genossenschaft hat sich also gelohnt – nicht nur wegen der Würdigung für besondere Leistungen bei der Erhaltung historischer Bausubstanz auf dem Land. Schließlich war die Ruine des Ostbahnhofs 2013 noch zum Abriss bestimmt gewesen, den Meina Fuchs und Christel Stampe erst in letzter Minute verhinderten.

Die liebevoll eingerichteten Gästezimmer erfreuen sich auch bei Touristen einiger Beliebtheit. Davon zeugen die vielen Buchungen, vor allem von Besuchern des Brokser Marktes. Das Konzept ist also aufgegangen – wenn da nicht die Corona-Krise wäre. Durch diese stoppten auch in der „Villa Gleisbett“ im Bruchhauser Gästehaus die Buchungen – und bereits getätigte wurden storniert. Nur Gäste, die beruflich unterwegs sind, darf die Villa noch beherbergen. Ob der Preis am 17. Mai ab 11 Uhr entgegengenommen werden kann, ist noch fraglich. Voller Hoffnung sind jedoch alle bei Obama, zum „Tag des offenen Denkmals“ am 13. September die Türen wieder weit öffnen zu können, wenn es heißt: „Erinnern. Erhalten. Neu denken.“

Neu denken ist auch angesagt in Bezug auf noch fällige kleinere Arbeiten im und am Haus und im Außenbereich. Aufzuräumen ist noch, kleine Ausbesserungen an den Nebengebäuden müssen vorgenommen werden und gärtnerische Tätigkeiten liegen an. Mit großer Mannschaft kann zurzeit ja nicht gearbeitet werden. Der Obama-Vorstand könne sich aber vorstellen, dass sich nach Absprache jeweils ein bis zwei Personen paarweise zu den Kleinarbeiten bereit erklären würden. Wer Lust dazu hat, melde sich unter info@historischerostbahnhof.de.

Die nächste Generalversammlung der Obama-Genossenschaft ist für den 6. Juni geplant. Zudem habe man sich zum „Tag des offenen Denkmals“ am 13. September angemeldet, teilt der Vorstand mit. „Der diesjährige Titel ‚Erinnern. Erhalten. Neu denken‘ passt zu unserem Projekt“, heißt es dazu. Bis zur kompletten Fertigstellung der gesamten Anlage möchte der Obama-Vorstand gerne noch 30 weitere Genossenschaftsanteile verkaufen. „Die ersten beiden sind gerade auf dem Weg“, so der Vorstand. Die Begrüßung des 100. Mitglieds stehe somit kurz bevor.

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