Bahnstrecke Bünde-Bassum

Neue Züge auf alten Gleisen

Geht es nach dem Aktionsbündnis Eisenbahnstrecke Bassum-Bünde, fahren zwischen Bassum und Rahden bald wieder Züge. Das Bündnis will die Strecke reaktivieren und lässt derzeit die Machbarkeit prüfen.
06.08.2021, 17:15
Lesedauer: 3 Min
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Neue Züge auf alten Gleisen
Von Wolfgang Sembritzki
Neue Züge auf alten Gleisen

Das Aktionsbündnis Eisenbahnstrecke Bassum-Bünde will die Strecke von Bassum nach Rahden reaktivieren. Die Gleise sind vorhanden, aber mitunter zugewuchert.

Vasil Dinev

Landkreis Diepholz. Seit 1994 ist die Bahnlinie von Bielefeld über Bünde, Rahden und Bassum nach Bremen nördlich von Rahden stillgelegt. Geht es nach dem Aktionsbündnis Eisenbahnstrecke Bassum-Bünde (AEBB), rollen dort jedoch bald wieder Züge. "Mehr Verkehr auf die Schiene" ist eines der Mottos der Klimapolitik. Das AEBB folgt dem und setzt sich für die Wiederinbetriebnahme ein. "Der Bahnverkehr ist ein Stück Daseinsvorsorge", sagt Detlev Block vom Vorstand des AEBB. Die Verbindung könne dazu beitragen, den Autoverkehr zu reduzieren, Pendler zu ihrer Arbeitsstätte zu bringen und gleichzeitig das Klima zu schonen.

Seit rund zwölf Jahren ist die Strecke unter den Fittichen des AEBB. Alle stillgelegten Abschnitte seien  gewidmete Eisenbahnstrecken geblieben, was das Bündnis für sich als Erfolg wertet. Die Bahnstrecke sei ins niedersächsische Landesraumordnungsprogramm (LROP) aufgenommen worden und auch die Aufnahme in den neuen Regionalplan Ostwestfalen-Lippe stehe kurz bevor, berichtet Block. Außerdem habe sich der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in einer Studie aus dem Jahr 2020 für eine Wiederbelebung und Elektrifizierung der Strecke ausgesprochen.

Konkret heißt das: Die Stadt Rahden und das AEBB haben eine Machbarkeitsstudie für die Reaktivierung zwischen Rahden, Sulingen und Bassum in mehreren Stufen in Auftrag gegeben. Sollte sich nach den ersten fünf Stufen herausstellen, dass eine Wiederbelebung der Eisenbahnstrecke volkswirtschaftlich sinnvoll sein könnte, soll als nächster Schritt ein Gutachten nach der standardisierten Bewertung eingeholt werden. Die standardisierte Bewertung ist eine gesamtwirtschaftliche Nutzen-Kosten-Untersuchung von öffentlichen Personennahverkehrsprojekten in Deutschland. "Der Unsicherheitsfaktor ist die Deutsche Bahn", erklärt Block. Die Bahn lege schließlich des Öfteren kleinere Nebenstrecken still, um Geld zu sparen.

Doch der Weg zur Reaktivierung ist weit. Ein Forschungsteam um Professor Volker Stölting von der Hochschule Köln müsse zunächst alle zur Verfügung stehenden Daten, wie Einwohner- und Schülerdaten der Landkreise, Fahrgastzahlen und Beschäftigungsstruktur sammeln und sichten. Zudem bedürfe es einer Streckenbegehung zur Ermittlung des Streckenzustands. Dann müsse die Nachfrage errechnet werden, der Bedarf an Infrastruktur ermittelt und ein Betriebskonzept erarbeitet werden, führt Block aus.

Zudem muss ein Fahrplan für das Sulinger Kreuz her. Dabei würden die Fahrplananschlüsse in Bassum, Rahden, Diepholz und Nienburg zugrunde gelegt. Sulingen soll zum Umsteigeknoten werden. "Abschließend muss geprüft werden, ob positive Ergebnisse einer Reaktivierung zu erwarten sind", sagt Block. Die Finanzierung dieser ersten fünf Stufen sei durch finanzielle Mittel des AEBB und der Stadt Rahden abgesichert. Erst, wenn all diese Schritte abgeschlossen sind, kann die standardisierte Bewertung vorgenommen werden. Mit dieser Analyse kann jedoch das gesamte Projekt stehen und fallen. Das Ergebnis der standardisierten Bewertung ist für die Weiterverfolgung der Reaktivierung maßgeblich. Die Bewertung gibt das Nutzen-Kosten-Verhältnis an. Ist der Wert größer als eins, bedeutet dies, dass der Nutzen größer ist als die erwarteten Kosten. Nur Projekte mit einem Wert größer als eins gelten als wirtschaftlich und dürfen gefördert werden. 

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie erwartet das AEBB Ende September dieses Jahres. Dann möchte das Bündnis einen Bahnkongress zur Reaktivierung abhalten, der im Rahdener Bahnhof stattfinden wird. Teilnehmen werden Vertreter der Mitgliedskommunen des AEBB, der Gemeinden und Städte an der Strecke sowie der betroffenen Landkreise.

Zur Sache

Wirtschaft und Klimaschutz

Zwei Hauptaspekte sprächen für die Wiederaufnahme des Zugbetriebs zwischen Rahden und Bassum, erklärt Block. Das sei zum einen natürlich der Klimaschutz. Das AEBB hofft, dadurch mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene verlegen zu können. Zum anderen gingen auch volkswirtschaftliche Vorteile damit einher: Durch die Reaktivierung lasse sich die Region weiterentwickeln, da die an der Strecke liegenden Kommunen an den ÖPNV angebunden werden. Und gut angebundene Orte locken möglicherweise Unternehmen an, die Arbeitsplätze bieten. "Wir wollen die Strecke ins Bewusstsein bringen", so Detlev Block.

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