Brokser Heiratsmarkt

Ein Hoch auf den Brokser Markt

Der Brokser Heiratsmarkt ist ausgefallen. In der Garage der Familie Steding trafen sich dennoch Volksfest-Fans zum Frühstück.
26.08.2020, 18:17
Lesedauer: 3 Min
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Von Dorit Schlemermeyer
Ein Hoch auf den Brokser Markt

Zum traditionellen Frühstück in der Garage von Familie Steding haben sich Brokser-Markt-Fans getroffen, um trotzdem auf das Volksfest anzustoßen.

Vasil Dinev

Bruchhausen-Vilsen. In Bruchhausen-Vilsen ist in diesem Jahr die fünfte Jahreszeit ausgefallen, fünf Tage Party fanden nicht statt – zum zweiten Mal überhaupt. Im Ort herrschte in während der Markttage schon fast so etwas wie eine Staatstrauer, waren doch alle Bürger eingebunden in das Geschehen. Sei es als Gäste, Standbetreiber oder einfach nur zum Feiern. In diesem Jahr gab es keine langen Schlangen, staute sich nicht der Verkehr, ja, es konnte jeder bis aufs Marktgelände fahren. Damit wenigstens ein klein wenig Marktflair erhalten blieb, gab es am Freitagabend eine kleine Markteröffnung zusammen mit der Schaustellerfamilie Stummer. Familie Steding veranstaltete – wie etliche andere Einwohner auch – ein kleines Feuerwerk. „Das war ein kleiner Trost, denn sonst treffe ich mich immer mit den Kumpels zum romantischen Feuerwerk“, blickt Andree Steding auf eine lange Tradition zurück. Er wohnt mit seiner Frau, genau wie seine Eltern, direkt am Marktplatz. Eine Tradition haben sich Familie und Freunde aber nicht nehmen lassen: am Montagmorgen gemeinsam frühstücken.

„Wir waren sonst jedes Jahr alle fünf Tage auf dem Markt“, erzählt er. In seiner Firma war klar, dass er zu dieser Zeit Urlaub bekam. Und auch die anderen Familienmitglieder haben Urlaub, seine Frau Maiga und seine Eltern Annette und Richard Steding. Außerdem sind auch noch Robert Wendel und Christoph Cordes Frühstücksgäste in der stedingschen Garage. „Letztes Jahr hätten wir uns jetzt überlegt, was wir essen“, beschreibt Maiga den typischen Ablauf. Denn auch das eine Tradition: Die Küche bleibt kalt am Brokser Markt. Auf dem Frühstücktisch stehen Sonnenblumen und ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Brokser Markt“. Das kam von der Familie Stummer.

„Ich bin immer mit meinem Opa zum Markt gekommen, der war damals so etwas wie der stellvertretende Marktmeister, kannte alle Schausteller und wusste, wo sie stehen“, erinnert sich Andree Steding. Los ging es eigentlich immer beim Break-Dancer, und dann ist man losgezogen. Wendel und Cordes sind 1992 in die Samtgemeinde gezogen und fast gleich vom Marktvirus infiziert worden: „Ich habe meine High Heels angezogen und war völlig baff, wie viele Männer die hier in der Pampa anprobieren wollten“, gab es eine Überraschung für den Musiker, der auch gerne mal mit den Geschlechterrollen spielt.

Für Annette Steding ist der Markt schon immer Teil ihres Lebens gewesen, denn ihre Eltern boten in ihrem Haus am Marktplatz einen Ausschank an. Und eigentlich haben die Versammelten nur gute Erinnerungen an die fünfte Jahreszeit. Nur einmal kam Töchterchen Ilona, als sie etwa zehn Jahre alt war, nicht nach Hause. Natürlich machten sich die Eltern direkt auf die Suche. „Wir haben sie dann bei den Pferden entdeckt. Davon konnte sie sich wohl nicht trennen“, vermuten sie. Mittlerweile hat genau diese Tochter einen Stand auf dem Markt, bietet Pferdeartikel an, und die Familie fasst mit an. Doch nicht nur am Familien-Stand, sondern auch bei anderen Schaustellern. „Wir vertreten sie dann an ihrem Stand, damit sie auch mal über den Markt gehen können“, so Richard Steding.

All die Jahre sei nichts Schlimmes passiert, allerdings habe es schon mal die eine oder andere Schlägerei gegeben. Einmal habe es sogar eine Schießerei gegeben. Als der Rettungswagen noch in der Nähe seine Station hatte, habe man gewettet, wann der wohl das erste Mal losfahren müsste. „Der Promi-Hype ist nicht so mein Ding, am meisten freue ich mich darauf, Freunde und Bekannte zu treffen“, erzählt Sohn Andree und seiner Mutter Annette fällt ein, dass sie ja mal Jürgen Drews auf dem Markt getroffen hat: „Der sah in echt lange nicht so gut aus wie im Fernsehen." Das mit dem Promi-Hype sehen andere offenbar anders, denn im vergangenen Jahr war das Zelt beim Auftritt von Nino de Angelo proppevoll“, hat Andree beobachtet und ist auch heute noch stolz darauf, im Fahrgeschäft „Top Spin“ 22 Umdrehungen durchgehalten zu haben. Alle Stedings und ihre Gäste jedenfalls wünschen sich: Hoffentlich ist nächstes Jahr wieder Brokser Markt.

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