Flüchtlingsituation Wohnraum wird knapp

Der Sozialausschuss Bruchhausen-Vilsen tagte am Dienstagabend. Auf der Tagesordnung stand dabei die Flüchtlingssituation in der Samtgemeinde, über die die Verwaltung und auch Lebenswege begleiten berichtete.
28.09.2022, 17:03
Lesedauer: 4 Min
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Wohnraum wird knapp
Von Ivonne Wolfgramm

Bruchhausen-Vilsen. Gut ein halbes Jahr ist es her, dass die ersten Geflüchteten aus der Ukraine in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen angekommen sind. "Bisher haben wir das gut gemanagt", sagte Volker Kammann von der Samtgemeindeverwaltung am Dienstagabend auf der Sitzung des Sozialausschusses. Das sei auch der guten Kooperation mit dem Verein Lebenswege Begleiten zu verdanken, wie der Fachbereichsleiter Bürgerservice weiter ausführte und dem Gremium einen Sachstandsbericht zur Flüchtlingssituation in der Samtgemeinde darbot. Auch  Lebenswege Begleiten war geladen, um über ihre aktuellen Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit zu berichten.

Wie ist die Aufnahmesituation für Asylbewerber und Flüchtlinge in der Samtgemeinde?

Rückwirkend zum 1. August 2021 ergab sich für den Landkreis eine Quote von 2000 Personen beziehungsweise 180 für die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen. Durch die Aufnahme der ukrainischen Geflüchteten in den vergangenen Monaten ergibt sich für die Samtgemeinde (Stand 23. September) eine übererfüllte Quote von 83 Personen. Laut Kammann wird die Quote zum 1. Oktober 2022 neu festgesetzt auf 180 Personen, die die Samtgemeinde aufnehmen muss. Unter Berücksichtigung der Überfüllung liegt die tatsächliche Aufnahme eher bei 100 Personen.

Wie ist die Situation in Gemeinschaftsunterkünften?

Die in den Einrichtungen des DRK geschaffene größere Gemeinschaftsunterkunft ist mit 80 Personen zu circa 70 Prozent belegt. "Es ist davon auszugehen, dass durch die neue Quotenfestsetzung und die aktuell zu erwartenden Zuweisungen in Kürze eine Vollbelegung stattfinden wird", teilte Kammann mit. Ob eine weitere Gemeinschaftsunterkunft durch den Landkreis geschaffen werden kann, sei aktuell jedoch nicht bekannt.

Wie viele Flüchtlinge beziehungsweise Migranten leben in Bruchhausen-Vilsen?

Wie Volker Kammann darstellte, sind 1313 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit gemeldet. Etwa 700 von ihnen haben den Status Flüchtling oder sind Migranten aus Nicht-EU-Ländern. "Die größte Anzahl nehmen nun die ukrainischen Kriegsflüchtlinge mit etwa 300 Personen ein", sagte Kammann. Daneben stellen syrische, irakische, afghanische, russische und kolumbianische Staatsangehörige die größten Gruppen dar. Insgesamt kommen die Migranten aus 35 verschiedenen Staaten.

Wie sind die (ukrainischen) Geflüchteten derzeit untergebracht?

Die Samtgemeinde verfügt über 50 Wohnungen, in denen Geflüchtete untergebracht sind. 14 Wohneinheiten sind in Asendorf, 28 in Bruchhausen-Vilsen, zwei in Martfeld und sechs in Schwarme. Hierbei merkte der Fachbereichsleiter jedoch an, dass eine dezentrale Unterbringung in allen Gemeinden nicht mehr möglich sei; die Unterbringung in Mobilbauten oder in öffentlichen Gebäuden, etwa in Sporthallen, sei kein Thema. "40 Personen sind in privaten Unterkünften aufgenommen worden", berichtete Kammann weiter. Dies führe zwischen Gastgebern und Geflüchteten aufgrund der langen Wohndauer unter anderem zu Herausforderungen, die zu einer Auflösung des Wohnverhältnisses führen. Die Konsequenz wie Volker Kammann erläuterte: "Für mindestens 100, womöglich aber alle, muss eine neue Unterkunft gefunden werden, sonst droht die Obdachlosigkeit." Aktuell gelinge es der Verwaltung jedoch, Wohnraum herzurichten und auszustatten.

Wie sieht es in den Schulen und Kindergärten aus?

Rund zehn Prozent der Kita-Kinder und elf Prozent aller Schüler in der Samtgemeinde haben einen Migrationshintergrund. Das Problem dabei: "Platz- und Betreuungsprobleme verschärfen sich laufend", sagt Kammann.

Was sagt Lebenswege Begleiten zu der generellen Flüchtlingssituation in Bruchhausen-Vilsen?

Antje Alberts betonte deutlich, dass nach wie vor auch Geflüchtete aus anderen Ländern hier eine neue Heimat suchen. "Die fragen dann aber auch, wieso sie nicht kostenlos telefonieren oder Bus fahren dürfen." Sie sagte aber auch, dass einige Migranten mittlerweile auch selbst als Asylbegleiter tätig sind. "Viele Kinder und Jugendliche machen mittlerweile ihren Schulabschluss oder eine Berufsausbildung." Problematisch bleibe jedoch, dass Berufs- oder Ausbildungsabschlüsse nicht anerkannt werden und "diese Menschen oft im Niedriglohnsektor bleiben". Insgesamt lobte Alberts aber die Zusammenarbeit zwischen dem Verein und der Samtgemeinde.

Und wie ist die Lage mit den ukrainischen Flüchtlingen?

Darüber konnte Gottfried Voß von Lebenswege Begleiten dem Sozialausschuss berichten. "Wir konnten schnell unser Netzwerk aktivieren. Ein erstes Treffen mit 90 Gastgebern und den Geflüchteten fand bereits Ende März statt", sagte er. Insgesamt bietet Lebenswege Begleiten zurzeit sechs Deutschkurse an, zwei davon extra für Mütter, zwei Alphabetisierungskurse sowie Sprachkurse für Ukrainer. Ein großes Problem sei die ärztliche Versorgung, sagte Voß. "Viele hier in der Region nehmen keine Neupatienten auf, wir müssen teilweise bis nach Verden oder Bassum fahren, um einen Arzt zu finden." Angesichts der derzeitigen Benzinpreise sei das kein leichtes Unterfangen.

Zur Sache

Gemeinschaftszentrum geplant

Im Zuge der Sitzung des Sozialausschusses nahm der Verein Lebenswege Begleiten auch die Gelegenheit war, die Mitglieder über das geplante Gemeinschaftszentrum im ehemaligen Gasthaus Peters am Brokser Marktplatz zu informieren. Derzeit ist dort unter anderem die Schülerfirma Fahrradschuppen, die bei Lebenswege Begleiten läuft, angesiedelt. "Was in dem Gemeinschaftszentrum stattfinden kann, wollen wir mit den Menschen erarbeiten", erklärte Axel Hillmann. Eine Idee sei beispielsweise das Angebot eines sozialen Mittagstisches. Gefördert werde das Vorhaben durch das Programm "Gemeinwesenarbeit und Quartiersmanagement - Gute Nachbarschaft" der N-Bank. "Als eine von 15 Initiativen haben wir den Zuschlag bekommen. Das ist ein großes Glück für uns." Die Förderung soll unter anderem für die Schaffung einer Vollzeitstelle im Gemeinschaftszentrum genutzt werden. Konkret losgehen soll es mit dem Zentrum im nächsten Jahr. Zumindest aber steht der Namen schon fest, wie Hillmann verrät: "Haus am Markt soll es heißen."

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