Schulausschuss Schulgebäude auf dem Prüfstand

An der Grundschule Bruchhausen-Vilsen muss sich einiges verändern – in baulicher Hinsicht. Zu diesem Entschluss kam nun der Schulausschuss der Samtgemeinde am MIttwochabend auf seiner Sitzung.
10.11.2022, 17:24
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Schulgebäude auf dem Prüfstand
Von Ivonne Wolfgramm

Bruchhausen-Vilsen. Die Grundschule Bruchhausen-Vilsen hat ihre besten Zeiten hinter sich. Kein Wunder, stammt das ursprüngliche Gebäude aus den 1950er-Jahren und hat daher bereits zahlreiche Generationen an Schülern beherbergt. Dass hier also etwas getan werden muss, zu diesem Schluss kamen auch die Mitglieder des Schulausschusses am Mittwochabend.

Anders als sonst üblich, fand die Begehung der Schule nicht vor der Sitzung statt, sondern währenddessen. Dank des direkten Zugangs vom Forum zur Grundschule war dies auch kein Problem. Den ersten Stopp seiner Besichtigung legte der Ausschuss bei den Toilettenräumen ein, die sowohl von der Schule als auch von den Gästen des Forums bei Veranstaltungen genutzt werden. "Die sind völlig veraltet, die werden neu gemacht", stellte Heiko Jahn vom beauftragten KMS-Architekturbüro aus Walsrode klar. Akustik, Beleuchtung, Größe – die Anforderungen an öffentliche Sanitärräume haben sich laut Aussage des Architekten in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Gleiches gilt für das barrierefreie WC, das der heutigen Auffassung von Barrierefreiheit eigentlich gar nicht entspreche, wie Jahn erläuterte.

Barrieren an vielen Stellen

Weiter ging es mit der Begutachtung einzelner Klassenzimmer. Auch hier zeigte sich schnell: So ganz auf dem neuesten Stand sind die Räume vom baulichen Aspekt her nicht. Der Fußboden ist teilweise noch Originalbestand, die Akustik in den Räumen ist schlechter als auf dem Flur, "und die Rippenheizkörper sind so auch nicht mehr zulässig und müssen durch glatte Heizungen ersetzt werden", berichtete Heiko Jahn. In diesem Zuge neige sich auch die Lebenszeit der Deckenbeleuchtung dem Ende zu, sie soll durch moderne LED-Leuchten ausgetauscht werden. Und erneut war auch in den Klassenräumen die Barrierefreiheit ein Thema. In einigen Räumen sind nachträglich die Wände mit schallabsorbierenden Paneelen ausgestattet worden, um den Bedürfnissen hörgeschädigter Schüler gerecht zu werden. "Wir haben aber auch Kinder, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind", sagte die Grundschulleiterin Katrin Westhoff und verwies auf einen kleinen Rollator, der in einem Klassenzimmer stand. "Stellen Sie sich vor, alle Kinder sitzen an ihren Tischen und daneben stehen die Schulranzen. Ein Durchkommen mit dem Rollator ist da schwer möglich."

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Auf der rund einstündigen Ortsbegehung taten sich aber noch weitere Baustellen auf: Die Infrastruktur für digitales Lernen muss im Schulgebäude völlig neu geschaffen werden. "Im Zuge der Sanierung wollen wir den Digitalpakt umsetzen", erläuterte Cattrin Siemers von der Samtgemeindeverwaltung. So müssen in den Wänden entsprechend neue Leitungen verlegt werden, damit die digitalen Tafeln auch genutzt werden können. Zudem muss im gesamten Schulgebäude mehr Raum geschaffen werden. "290 Kinder werden hier derzeit beschult", sagte Katrin Westhoff, "künftig werden es noch mehr werden." Hinzu kommt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ab dem Jahr 2026. Derzeit verfügt die Grundschule über einen entsprechenden Raum, der dann aber auch zu klein sein wird. Schulleiterin Katrin Westhoff ergriff bei der Ortsbegehung sogleich auch noch die Gelegenheit, einen weiteren Aspekt anzusprechen, der ihr anlässlich der Sanierung wichtig ist: die Sicherheit. Momentan liegen die Verwaltungsräume relativ weit entfernt vom Eingang der Schule. "Wir müssen aber frühzeitig erkennen, wer das Gebäude betritt. Das ist leider etwas, worum wir uns in der heutigen Zeit mehr Gedanken machen müssen", erläuterte die Schulleiterin.

Baubeginn im Sommer 2024 geplant

Zurück im Forum angekommen, erklärte Cattrin Siemers den Anwesenden das weitere Prozedere. "Wir befinden uns noch in der Phase Null", sagte Siemers. Zunächst solle das pädagogische Konzept erarbeitet werden, aus dem sich alles Weitere ergibt. "Uns liegt besonders am Herzen, multifunktionale Räume zu schaffen", erklärte Siemers weiter. Mit dem Walsroder Architekturbüro sollen dann die nächsten Planungen besprochen werden, ehe die politischen Gremien den entsprechenden Beschluss zur Sanierung fassen. Die Bauleitplanung soll laut Siemers im Sommer 2023 erfolgen, die Ausschreibungen dann Anfang 2024. Mit den ersten Bauarbeiten sei dann im Sommer 2024 zu rechnen. "Hier muss richtig was getan werden", sagte der Ausschussvorsitzende Michael Albers und fasste damit die Eindrücke der Begehung zusammen. "Die Grundschule wird uns noch häufig und intensiv beschäftigen."

Zur Sache

Was sonst noch wichtig war

Die Grundschule Bruchhausen-Vilsen war nicht das einzige Thema, dass den Schulausschuss am Mittwochabend beschäftigte. Angefangen hatte er mit der Pflichtenbelehrung eines neuen Mitglieds: Pascal Köster vom Gymnasium Bruchhausen-Vilsen gehört dem Ausschuss ab sofort als neues beratendes Mitglied an und soll die Interessen der Schülerschaft vertreten.

Weiterer Tagesordnungspunkt war Erhöhung des Beitrages für die Mittagsverpflegung im Zuge des Ganztagsschulbetriebs an allen Grundschulen in der Samtgemeinde. Wie bereits der Sozialausschuss am Dienstag (wir berichteten), musste sich nun auch der Schulausschuss Gedanken darüber machen, ob und wie hoch die Kosten für die Mittagsverpflegung angepasst werden müssen. Bereits im Sommer dieses Jahres empfahl der Schulausschuss, den Einzelpreis vom 3,50 Euro auf 3,80 Euro zu erhöhen, damit die Mehrkosten der Caterer gedeckt sind (wir berichteten). "Als Schulträger haben wir aber auch Mehrkosten", berichtete Cattrin Siemers. "Um das Essen kostendeckend anbieten zu können, ist über eine Preiserhöhung nachzudenken." Der Schulausschuss war einstimmig dafür, sich zunächst in den Fraktionen zu beraten und eine Entscheidung erst im Januar des kommenden Jahres im Zuge der Haushaltsberatung zu fällen. Damit folgten sie dem Beispiel des Sozialausschusses. "Die Preissteigerungen werden dann zum 1. August 2023 erfolgen", sagte Siemers.

Das letzte Thema des Abends war die Änderung der Benutzungs- und Gebührensatzung der Büchereien in der Samtgemeinde. Zum einen handelte es sich um eine reine Formalität: Das Wort "Bürgermeister" sollte in der Benutzungsordnung durch das Wort "Samtgemeindebürgermeister" ersetzt werden. So weit gab es keine Einwände des Ausschusses. Einigkeit herrschte auch bei der Anpassung der Gebührenordnung. Die Jahresgebühr für Erwachsene soll von zehn auf zwölf Euro angehoben werden. Der Grund: "Die allgemein steigenden Kosten", erklärte Siemers. Dem Vorschlag, Säumnisgebühr für zu spät abgegebene E-Reader zu streichen, wollte der Ausschuss letztlich nicht folgen. "Die Gebühr wurde erhoben, weil der Run auf die Geräte sehr hoch war. Mittlerweile ist die Nachfrage aber so stark gesunken, dass eine zu späte Abgabe quasi nicht mehr vorkommt." Widerspruch gab es von Martina Claes (SPD): "Ich würde es drin lassen. Bei Büchern wird ja auch eine Säumnisgebühr erhoben. Die Büchereileitung kann entscheiden, ob es geahndet werden soll." Begleitet vom Kopfnicken weiterer Ausschussmitglieder wurde dieser Passus aus der Beschlussvorlage gestrichen.

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