Chronik von Vilsen

„Da wird sich noch manches tun“

Die Druckerschwärze der Wöpser Chronik ist gerade trocken, da entsteht ein weiteres Werk mit historischem Hintergrund. Diesmal geht's um Vilsens Häuser bis zur Gründung der Bundesrepublik.
13.04.2021, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Dagmar Voss
„Da wird sich noch manches tun“

Recherchiert gern in alten Kirchenbüchern: Gästeführerin Christiane Wimmer ist Mitglied des Teams, das sich die Historie des Vilser Ortskern vorgeknöpft hat.

Vasil Dinev

Bruchhausen-Vilsen. Immerhin. Dafür dass sie erst Ende vergangenen Jahres aktiv geworden sind, haben sie schon eine Menge zusammengetragen. Sie, das sind die vier Aktiven Christiane Wimmer, Dieter Schütt, Anja Koppe und Hermann Hamann, die sich um eine Vilser Chronik kümmern wollen – oder eher um eine „Historie rund um den Vilser Ortskern“. So sollte es zunächst thematisch zentriert heißen. Denn ganz Vilsen sei etwas sehr viel, merkt Christiane Wimmer an. Doch dann aber „wuchs das Projekt auf den Umfang von Vilsen mit Häusern bis zur Gründung der Bundesrepublik“, erklären sie und sinnieren weiter: „Wir Autoren dieser Chronik haben uns gefragt, welchen Umfang das Buch bekommen soll und welcher Aufwand dahinter steht, eine komplette Chronik über Vilsen zu recherchieren und zu schreiben.“

Denn es gebe ja viele Häuser in Vilsen, die erst in jüngeren Zeiten entstanden und die Erfordernisse einer Chronik, nämlich den Blick in die Geschichte des Ortes, nicht erfüllen. „Insofern wurde die Entscheidung getroffen, sich auf den ‚Alten Ortskern’ von Vilsen mit Gebäuden bis 1949 zu beschränken und die Geschichte der Kirche und die Entwicklung der Straßen, Häuser und Höfe rund um die Kirche zu beschreiben. Es liegt in der Sache selbst, dass die Beschreibungen einiger Gebäude auch in die nähere Umgebung abschweifen.“ So müsse das ehemalige Kloster Heiligenberg in Zusammenhang mit der Cyriakuskirche erwähnt werden oder Orte von Veranstaltungen wie der Brokser Markt oder zum täglichen Leben gehörende Angebote wie beispielsweise das Wiehebad. Besonderes Augenmerk legen sie auf die Kirchengeschichte und dass diese richtig aufgearbeitet werde. „Da wird sich noch manches tun“, verspricht Wimmer.

Den Anstoß zu diesem Unterfangen gab Dieter Schütt, der zuvor bei der Chronik für Wöpse mitgewirkt hatte (wir berichteten) und noch ganz im Fluss der Archiv-Arbeit war. Und dann sprachen er und Wimmer mit Hermann Hamann aus Broksen und Anja Koppe aus Schwarme - alle vier Mitglieder der Gesellschaft für Familienkunde im Kreis Hoya und der Forschung und Dokumentation der Historie von Personen und der Heimat verbunden. „Wir möchten gern ein ähnliches Kompendium verfassen wie die Wöpser Chronik, wobei es möglicherweise etwas umfangreicher werden könnte.“ Zu rechnen könnte sein mit zwei Bänden bei dem Material, das noch zu erwarten ist. Aber das sicherlich nicht vor 2022.

Alle vier haben ihre eigenen Fachgebiete: So recherchiert die Gästeführerin Wimmer gern in alten Kirchenbüchern, Hermann Hamann im Archiv oder Schütt auch schon mal auswärts: „Ich will noch ins Archiv Oldenburg, dort liegen Dokumente über Johann von Vilsen, einem offenbar Niederadligen um das Jahr 1406.“ Schütt hält ansonsten die Fäden in der Hand als IT-Fachmann, der alles digitalisiert.

Zur bis jetzt geleisteten Arbeit verraten sie, dass sie mit den Online-Recherchen "schon durch" und in Büchern auf 408 Seiten mit wahrem Inhalt gewachsen seien. "Wir haben noch nicht die Dokumente der Archive gesehen, weil diese durch die Pandemie geschlossen waren beziehungsweise nur eingeschränkt besucht werden können.“ Das Interesse des Oldenburgers Schütt rührt aus der Zeit, als er und seine Frau noch in Stapelshorn wohnten und sich für die Vorfahren von ihr interessierten. Sehr viel konnten sie schon über Feuer in Vilsen zusammentragen: „Mehrmals wurde Vilsen von Bränden heimgesucht, die oft verheerende Folgen gehabt hatten", heißt es in der Literatur. "Die damalige enge Bauweise der strohgedeckten Häuser war eine gefährliche Lage bei Funkenflug und brennenden Dächern.“ Da hatte es also zwei solcher Feuersbrünste im 17. Jahrhundert und zwei im 18. Jahrhundert gegeben, bevor man eine Wehr gründete.

Was Straßennamen verraten können, erklärt Schütt: „Im 19. Jahrhundert und früher sah die Straßenführung in Vilsen sehr viel spärlicher aus; die Ostlandstraße gab es noch nicht.“ Ebenso gab es keine Straßennamen. Man bezeichnete einfach den Weg zu einem bestimmten, bekannten Punkt. Wenn man zum Beispiel auf dem Engelbergplatz nach einem Haus in der heutigen Brautstraße gefragt hatte, erhielt man die Antwort: „Da hinten, auf dem Steindamm nach der Kirche.“ Das Quartett ist sich einig, dass „es keine trockene Lektüre geben soll; es sind auch Geschichten und Anekdoten zu lesen, Nachbarn berichten über ihre Zeit oder die Zeit ihrer Vorfahren“.

Info

Zur Sache

Wer noch etwas hat . . .

Die Aufarbeitung und Dokumentation einer Vilser Chronik kann nur in enger Zusammenarbeit mit den Archiven und den Einwohnern geschehen, betonen Christiane Wimmer, Dieter Schütt, Anja Koppe und Hermann Hamann. Die engagierten Historienforscher weiter: „Insofern erhoffen wir uns eine umfangreiche Sammlung von wichtigen Informationen, die wir in die Geschichte einarbeiten können.“ Viele ältere Einwohner haben möglicherweise noch Unterlagen, Bilder oder sogar selbst geschriebene Erinnerungen, die für die Chronik sehr wertvoll sein können – wer also so etwas hat, möge sich gern bei Hermann Hamann melden. Die richtige Telefonnummer lautet 04252/3159.

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