Veränderungen durch Corona-Lockerungen Lob und Kritik an Lockerungen

Während die Schulen ab dem 27. April für Abschlussklassen wieder öffnen dürfen, stehen die Gastronomen weiter im Regen und bangen um ihre Existenz.
16.04.2020, 18:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Johannson

Landkreis Diepholz. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat von einem „zerbrechlichen Erfolg“ im Kampf gegen das Coronavirus gesprochen. Um diesen nicht zu gefährden, hat die Bundesregierung nur leichte Lockerungen in Aussicht gestellt. Das hat einige Veränderungen zur Folge.

KGS Brinkum

Für die Abschlussklassen wird der Unterricht am 27. April fortgesetzt. Die weiteren Jahrgänge starten schrittweise ab 4. Mai. Das bestätigte Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne am Donnerstagnachmittag. Michael Triebs, Leiter der KGS Brinkum, begrüßt diese Entscheidung einerseits: „Eine gewisse Vorlaufzeit zu den Prüfungen ist dringend nötig.“ Andererseits blickt Triebs sorgenvoll in Richtung Schulstart: „Mir ist es schleierhaft, wie die Hygienemaßnahmen eingehalten werden sollen, wenn nicht einmal Kliniken über genügend Sicherheitsmaterial verfügen. Wo sollen wir so viel Desinfektionsmittel herholen, dass sich die Schüler alle zwei Stunden die Hände waschen können?“ Zudem befürwortet er generell einen Schulstart nur für die rund 160 Schüler, die vor Abschlussprüfungen stehen. „Das wäre noch händelbar.“

Modehaus Maas

Für das Modehaus Maas tickt die Zeit. „Die Situation ist existenzgefährdend“, betont Betreiber Michael Maas. Durch die Lockerungen dürfen ab Montag zwar die beiden Filialen in Syke und Kirchweyhe öffnen, doch das reicht nicht aus. „Wenn das Haupthaus geschlossen bleibt, gibt es keine Erleichterung“, erklärt Maas. Ob das Bekleidungshaus in Bassum bald wieder Kunden begrüßen darf, soll sich noch in dieser Woche entscheiden. „Wir sind auf alle Szenarien vorbereitet und werden bis dahin dafür sorgen, dass die Hygienevorschriften sichergestellt sind“, sagt Maas, der mit der Entscheidung der Politik nicht einverstanden ist: „Ich kann die Einschränkungen nicht nachvollziehen und halte sie für unseren Standort im ländlichen Gebiet für nicht angemessen. Ich hätte mir gewünscht, dass man pro Quadratmeter eine maximale Zulässigkeit ausspricht.“

Gasthaus Nobel

Die Situation im Gasthaus Nobel im Stuhrer Ortsteil Moordeich ist laut Geschäftsführer Klaas Nobel „gewöhnungsbedürftig“. Er weiß jedoch damit umzugehen: „Ich finde es richtig, was die Regierung macht. Dass wir jetzt besonders davon betroffen sind, liegt in der Natur der Sache. Bei uns gibt es nun einmal ganz oder gar nicht.“ Durch den April sei das Gasthaus noch einigermaßen unbeschadet gekommen, allmählich nimmt der Druck jedoch zu. „Wir stehen vor großen Aufgaben. Wenn die Situation noch weitere drei Monate anhalten sollte, wird es interessant“, sagt Nobel und ergänzt: „Das größte Problem ist, dass wir einfach nicht planen können.“ Er setzt darauf, dass sich für die Gastronomen im Laufe des Mai irgendetwas zum Positiven wendet. „Ich hoffe, dass sie sich etwas einfallen lassen, denn unsere Branche kriegt es gerade richtig eingeschenkt.“

Polizei im Landkreis Diepholz

Bei der Polizei wird sich durch die Lockerungen nicht viel ändern. „Wir werden weiterhin den Fokus auf unsere Präsenzstreifen zur Einhaltung der Verfügungen legen. Jedoch müssen wir abwarten, ob sich die Lage verändert, wenn die Läden ab Montag aufmachen“, sagt Sprecher Thomas Gissing. Gute Erfahrungen machte die Polizei, als die Baumärkte ihre Türen öffneten: „Davor hatten wir größte Sorgen, aber die waren im Nachhinein unbegründet“, sagt Gissing. Aufgrund des Veranstaltungsverbotes wird auf die Beamten weniger Arbeit zukommen. „Das ist möglich, aber ich bin mittlerweile so lange im Amt, um zu wissen, dass sich für jede wegfallende Arbeit etwas anderes auftun wird.“

Ordnungsamt Syke

„Corona bestimmt unsere Arbeit“, sagt Sykes Bürgermeisterin Suse Laue und fährt fort: „Das Ordnungsamt bekommt sehr viele Anfragen von Bürgern, die wissen wollen, welche Läden offen sein dürfen, welche Feiern erlaubt sind und vieles mehr. Diese ganzen Fragen müssen beantwortet werden.“ Durch die leichten Lockerungen wird die Arbeit vermutlich nicht weniger: „Nun werden wieder andere Fragen gestellt“, sagt Laue.

Industrie- und Handelskammer

Beim Geschäftsführer der IHK-Syke, Constantin von Kuczkowski, steht das Telefon seit Wochen nicht still. „Heute hat sich wieder ein Gastronom beklagt, dass sein Geld nicht ankommt. Ich werde weiterhin jeden Tag Anrufe bekommen, die sich um Corona drehen. Es gibt kein anderes Thema mehr.“ Ihm zufolge hat die N-Bank inzwischen rund 140 000 Anträge erhalten. Davon seien 75 000 bearbeitet worden. „Die Politik geht jetzt die ersten Schritte, um mittelfristig zu einer Normalisierung zu kommen“, so von Kuczkowski. Für ihn sei es jedoch schwierig zu argumentieren, warum ein Autohändler öffnen darf, ein Möbelgeschäft aber nicht. Die Öffnungen seien gut, bringen aber weiter viele Fragen mit sich.

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