Corona und der Deutsche Eisenbahn-Verein

„Der Fahrplan steht“

„Der Deutsche Eisenbahn-Verein (DEV) hat die Auswirkungen der Corona-Pandemie kräftig zu spüren bekommen“, sagt DEV-Pressesprecher Martin Thies zur aktuellen Situation der Museums-Eisenbahn.
19.01.2021, 18:15
Lesedauer: 4 Min
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Von Dagmar Voss

Herr Thies, in der jetzigen Zeit mit den Einschränkungen der Pandemie gibt es sicherlich etliche Effekte auf den Betrieb der Museums-Eisenbahn?

Martin Thies: Der Deutsche Eisenbahn-Verein hat die Auswirkungen der Corona-Pandemie kräftig zu spüren bekommen. So konnte die Fahrsaison 2020 über vier Wochen später erst am 31. Mai aufgenommen werden. Trotz Verlängerung bis zum 25. Oktober konnten die Mindereinnahmen nicht aufgefangen werden. Ursachen dafür waren sehr viel weniger Fahrgäste, die befördert werden konnten, da Abstände eingehalten werden mussten. Ferner konnten Fahrkarten überwiegend nur online erworben werden.

Gab es neben den negativen auch positive Effekte?

Erfreulicherweise blieb die DEV-Mitgliederzahl von 1100 stabil. Aus den Reihen der Eisenbahnfreunde und -freundinnen wurden zusätzliche Spenden dem Verein überwiesen. Ein engagierter Kreis leistet wertvolle Unterstützung, indem er sich mit vielen unentgeltlichen Arbeitsstunden einbringt, beim Lok- und Fahrzeugpark, auf dem Bahnhofsgelände und am Streckenverlauf. In diesen Tagen sind viele fleißige Helferinnen und Helfer am Gleis unterwegs, um Büsche und Bäume zurückzuschneiden und Gleisrinnen an Übergängen zu säubern.

Welche Pläne kann der Verein derzeit überhaupt machen? Wie sieht es mit dem Fahrplan für dieses Jahr aus?

Der Fahrplan für 2021 steht. Die Museums-Eisenbahn bleibt zwangsläufig optimistisch, ihren Fahrbetrieb am 1. Mai wie gewohnt aufnehmen zu können. Auch die Sonderveranstaltungen zählen dazu. Bereits am 4. und 5. April sind wieder die beliebten Osterfahrten geplant; per Triebwagen führen die Fahrten nach Heiligenberg. Dort hat der Osterhase für die Kinder kleine Überraschungen versteckt. Zusätzliche Zugfahrten werden nicht nur zum Saisonstart am 1. und 2. Mai erfolgen, sondern auch zu Pfingsten, am Dieseltag am 3. Juli, Inselbahntag am 4. Juli, zum Wettlauf „Mensch gegen Maschine“ am 18. Juli, an den Tagen des Eisenbahnfreundes am 7. und 8. August, an den Sonderfahrten des Triebwagens T44 Ende August, am „Historischen Wochenendes“ Anfang September und zum Saisonschluss Anfang Oktober. Auch öffentliche Werkstatt- und Hallenführungen sind wieder für jeden Monat ab Mai vorgesehen. Die Dampfzüge führen in der Regel einen Bewirtschaftungsservice für Getränke und einen Wagen für Personen mit Mobilitätseinschränkung mit. Fahrräder können im Gepäckwagen mitgenommen werden.

Was heißt das in Bezug auf innervereinliche Vorgänge und vor allem auch für die Fahrpreise?

In den zurückliegenden Wochen und Monaten konnten nur Arbeiten in der Werkstatt durchgeführt werden, die mit keinen großen Ausgaben verbunden waren. Es bleibt abzuwarten, wie sich die finanzielle Situation entwickelt. Aufgrund der Pandemie sind Anträge gestellt worden, um Mindereinnahmen ausgleichen zu können. Erfreulicherweise müssen die Fahrgäste dafür nicht tiefer in die Tasche greifen. Die Fahrpreise für Erwachsene bleiben mit elf Euro für eine Rückfahrkarte unverändert, Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren zahlen die Hälfte, Familienfahrkarten gibt es für zwei Erwachsene mit bis zu drei Kindern im Alter von sechs bis 14 Jahren für 25 Euro. Fahrkarten sind beim Tourismus-Service Bruchhausen-Vilsen und online unter www.museumseisenbahn.de oder www.nordwest-ticket.de erhältlich.

Insbesondere interessiert uns: Was ist der Stand bei den Lizenzen für Lokführer, Vorgaben wegen Mindeststunden für eine Berechtigung zum Fahren?

Die Lokführerinnen und -führer sind nach dem geltenden EU-Recht ausgebildet und geprüft worden. Für die Museums-Eisenbahn in Bruchhausen-Vilsen muss aufgrund der Länge der Fahrstrecke und der zeitlich begrenzten Fahrsaison eine Mindestzahl von 50 Fahrstunden geleistet werden. Es sind hier ja keine hauptberuflichen Lokführer, und daher müssen sie nicht – wie sonst üblich – 100 Stunden ableisten. Dafür sind entsprechende Nachweise in Form von Stundenzetteln zu führen, das haben wir gemacht und dokumentieren das auch weiterhin, sodass alle auch in diesem Jahr fahren dürfen.

Lokführer müssen also nicht verzichten. Wie sieht es mit den Loks aus, werden alle wieder im Einsatz sein?

Die Dampflok Spreewald – Baujahr 1917 – wird voraussichtlich nicht in dieser Fahrsaison eingesetzt werden können. Eine erforderliche Abnahme für den Kessel ist inzwischen bei der Märkischen Kleinbahn erfolgt. In diesem Jahr wird sie dort auch als Gastlok eingesetzt.

Das Interview führte Dagmar Voss.

Info

Zur Person

Martin Thies

ist Pressesprecher des Deutschen Eisenbahn-Vereins in Bruchhausen-Vilsen.

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Zur Sache

Fahrstunden-Nachweis für Lokführer

Um die Lokführer-Lizenz zu behalten, müssen die Museumseisenbahner 100 Fahrstunden pro Jahr nachweisen. Doch während Corona ist diese Vorgabe ausgesetzt, erklärt Joachim Kothe, Sprecher der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde (DHEF), die Fahrten mit der historischen Kleinbahn Jan Harpstedt ermöglichen. „Es greift eine Sonderregelung, weil Ausflugsfahrten derzeit nicht möglich sind“, erklärt er weiter. Etwa fünf Lokführer hat der Verein, einige von ihnen sind auch regulär im Beruf Lokführer, weshalb der Nachweis für sie ohnehin kein Problem darstellt. Einer der Lokführer mit anderem beruflichen Hintergrund habe im vergangenen Jahr dagegen „gar keine Stunde fahren können“. Durch die ausgesetzte Nachweispflicht der Fahrstunden sei das nun aber kein Problem. Bisher habe es keine Schwierigkeiten gegeben, dass die Lokführer des Vereins auf ihre Stundenzahl kommen, sagt Kothe. Es werde auf eine gerechte Aufteilung bei den Fahrten geachtet. „Rangierfahrten auf dem Gelände in Harpstedt zählen ja auch“, sagt er. Einen Fahrplan für 2021 gibt es bei der Bahn Jan Harpstedt, die auch über Heiligenrode fährt, noch nicht. Da gebe es noch zu viele Unsicherheiten, sagt Kothe, der auch darauf hinweist, die Internetseite www.jan-harpstedt.de im Blick zu behalten.

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