Datenkolumne

Die Digitalisierung des Freizeitlebens

Ob virtueller Spaziergang am kalifornischen Strand, eine Fremdsprache per Podcast lernen oder ein Museumsbesuch am Computer – unsere Datenexperten zeigen, wie stark unsere Freizeit digital durchdrungen ist.
02.06.2020, 17:34
Lesedauer: 3 Min
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Von Sven Venzke-Caprarese und Dennis-Kenji Kipker
Die Digitalisierung des Freizeitlebens

Analog oder lieber per Bildschirm? Das E-Book ist nur ein Beispiel für die Digitalisierung der Freizeitaktivitäten.

Jens Kalaene/dpa

Die Corona-Krise hat vielerorts für einen Digitalisierungsschub gesorgt – und das nicht nur für Beruf und Ausbildung. Vor dem Hintergrund der herannahenden Urlaubszeit soll sich diese Ausgabe der Datenkolumne deshalb vor allem mit neuen Möglichkeiten zur digitalen Freizeitgestaltung beschäftigen – angefangen beim E-Book bis hin zur Virtual-Reality-Reise.

Wer meint, Bücher lesen sei langweilig und altmodisch, der täuscht sich! Das mittlerweile schon von vielen genutzte E-Book ist dabei nur eine Möglichkeit, wie sich ein altbewährtes Medium seinen Weg in das digitale Zeitalter gebahnt hat. Viele Gemeinde- und Stadtbibliotheken bieten beispielsweise mittlerweile ein digitales Angebot an, sodass es nicht mehr notwendig ist, zum physischen Buch vor Ort zu greifen, das vielleicht sogar gerade entliehen ist. Wer selbst nicht lesen möchte, kann sich einfach ein Hörbuch oder Hörspiel downloaden – diese Möglichkeit bieten nahezu alle großen Online-Kaufhäuser und Buchhändler an. Und wer kein ganzes Buch hören möchte, für den empfehlen sich die zahllosen Podcasts zu verschiedensten Themen und unterschiedlichsten Sprachen rund um die Welt – übrigens auch ein gutes Hilfsmittel, um eine neue Fremdsprache zu erlernen. Kreative Künstler haben die Zeit in der Krise auch genutzt, um eigene Online-Kinderbücher ins Netz zu stellen, zu denen es, ähnlich wie bei einer Fernsehserie, mehrmals pro Woche neue Folgen gibt. Ebenso findet man nach kurzer Suche ehrenamtlich engagierte Vorleser, die in Streaming-Videos Geschichten und Märchen für Kinder erzählen. Und für alle, die selbst aktiv werden möchten, bieten verschiedene Websites sogar Online-Bastelkurse für Groß und Klein an. Für die Älteren werden die Angebote aus dem Jugendtreff kurzerhand in den virtuellen Raum verlegt: Seien es Webmeetings, Video- und Telefonsprechstunden oder Online-Kreativwettbewerbe mit selbst gedrehten Videos.

Wer jenseits des klassischen Film- und Serienmarathons rund um Netflix und Co. aktiv werden will (zu empfehlen sei an dieser Stelle die Serie „Upload“, die auf Amazon Prime ausgestrahlt wird), kann mittlerweile mehr denn je Angebote zu digitalen Sportübungen vorfinden: Unterschiedlichste Sportprofis und Fitnessexperten haben in den vergangenen Monaten einen schier unerschöpflichen Pool an unterschiedlichen Übungen – teils sogar mit Haushaltsgegenständen – hochgeladen. Besonders praktisch, sollte einem doch die Zeit für den Besuch im Fitnessstudio fehlen. Online-Yoga-Kurse, Tanz- und Fitnessstunden mittels „Zoom“-Meeting runden das Angebot ab. Und wer Sport macht, darf natürlich auch genießen: Seit der Corona-Krise gibt es verschiedene neue Angebote zu Online-Kochkursen mit schnellen Gerichten für das Homeoffice, die sich an den neuen, digitaleren Lebenswandel angepasst haben.

Das Thema digitale Kulturangebote haben wir schon in unserer vorherigen Kolumne aufgegriffen, in der es um Blockchain-Künstler ging. Nicht wenige Museen und Kunstausstellungen haben die Corona-Krise zum Anlass genommen, ihr digitales Angebot deutlich auszubauen. Der digitale Museumsbesuch kann hier deshalb in Zukunft durchaus als zusätzliches Angebot gesehen werden – zum Beispiel dann, wenn man eine lange Anreise vermeiden möchte. So bietet nicht nur die Kunsthalle Bremen eine Online-Galerie an und ist auf Google Arts & Culture mit den Meisterwerken von Vincent van Gogh aufzufinden, sondern beispielsweise auch die Münchner Pinakotheken oder das Museo del Prado in Madrid. Der Internationale Museumstag verlegte in diesem Jahr trotz zahlreicher schon wieder geöffneter Museen seine Veranstaltungen zu großen Teilen sogar ganz in den digitalen Raum. Und auch der digitale Musikgenuss soll nicht zu kurz kommen: Die Berliner Philharmoniker beispielsweise verfügen über eine so genannte „Digital Concert Hall“, bei der man sich anmelden kann.

Und wem das alles noch nicht reicht, der taucht gleich vollends in das digitale Leben ein: Computerspiele wie die bekannten „Sims“ laden zur Gestaltung und Einrichtung des Eigenheims ein, und passende Kanäle auf der Video-Plattform Youtube bieten nicht nur Landschaftsaufnahmen und Naturpanoramen für das heimische Sofa an, es gibt mittlerweile sogar komplette Virtual-Reality-Erlebnisreisen. Interessant ist auch die VR-App „Wander“, die Google Street-View in die VR-Brille bringt. Ein spontaner Strandspaziergang im sonnigen Kalifornien ist damit kein Problem mehr. Bei aller Digitalisierung sollte man am Ende des Tages aber auch das echte Leben nicht vergessen, und vielleicht auch einfach mal einen kleinen Waldspaziergang machen.

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