Datenkolumne Digitale Kunst auf der Blockchain

Das Auktionshaus Christies versteigert das erste Mal ein rein digitales Kunstwerk. Unsere Daten-Experten erklären die Hintergründe der Kunst in der Blockchain.
02.03.2021, 18:15
Lesedauer: 3 Min
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Von Sven Venzke-Caprarese und Dennis-Kenji Kipker

Vor einem knappen Jahr haben wir in der Datenkolumne von einer Nische berichtet: digitale Kunst, die auf der Blockchain gespeichert und auf digitalen Marktplätzen gehandelt wird. Mittlerweile nimmt dieser Trend an Fahrt auf und eines der traditionsreichsten Auktionshäuser der Welt, Christies, versteigert aktuell das erste Mal in seiner Geschichte ein mit der Blockchain verbundenes digitales Bild. Die Auktion ist auf 14 Tage ausgelegt und stand bereits nach drei Tagen bei drei Millionen US-Dollar. Vermutlich wird das Endgebot noch um einiges höher liegen.

Worum geht es hier genau? Rein technisch gesehen geht es um die Versteigerung eines digitalen Bildes des Künstlers Beeple im Datei-Format JPG mit einer Auflösung von 21.069 x 21.069 Pixeln. Beeple hat seit Mai 2007 ohne Aussetzer jeden Tag ein digitales Kunstwerk geschaffen, und das aktuell zur Versteigerung stehende Bild vereint dabei in einer Art Collage die zentralen Werke, die in den ersten 5.000 Tagen entstanden sind. Das Bild selbst ist über eine Identifikationsnummer mit der Blockchain verbunden – also einem dezentralisierten Netzwerk, dessen Nutzer über eine digitale Geldbörse verfügen, in der die mit der Blockchain verbundenen Identifikationsnummern besonders sicher gespeichert werden können. Etwas einfacher ausgedrückt: Die Blockchain erlaubt den Nachweis, wer Eigentümer des digitalen Bildes ist.

Es geht also um die Versteigerung eines rein digitalen Bildes. Ein physisches Kunstwerk ist von der Versteigerung nicht umfasst. Und auch einen Kopierschutz gibt es nicht. Tatsächlich kann das zur Versteigerung gestellte Bild von jedem angezeigt und mit wenigen Klicks auf dem eigenen Computer gespeichert werden. Lediglich die Verknüpfung mit der Blockchain ist einzigartig. An dieser Stelle wird es daher etwas kompliziert, den Wert hinter der Verknüpfung mit der Blockchain zu verstehen. Denn wenn man das digitale Bild einfach speichern kann, warum sollte man dann mehrere Millionen dafür bezahlen? Die Antwort liegt vermutlich in der Tatsache, dass es nur einen Inhaber geben kann, der die Nutzungsrechte an dem Bild erhält und dies durch jeden fälschungssicher nachprüfbar ist. Das digitale Bild an sich kann dann zum Beispiel auf digitalen Leinwänden oder in virtuellen Galerien angezeigt werden. So könnte es als echtes Kunstwerk durch die Museen der Welt reisen, ohne überhaupt transportiert zu werden.

Was ist nun davon zu halten? Von der Kunstwelt ist man aus der Vergangenheit ja einiges gewöhnt. Ein (physisches) Bild des Künstlers Banksy, das sich während der Versteigerung selbst schredderte, erzielte einen Erlös von über einer Million Euro und eine mit Klebeband an die Wand getapte Banane des Künstlers Maurizio Cattelan angeblich über 100.000 Euro. Die Verbindung von Kunst mit der Blockchain hat bei näherer Betrachtung aber doch einiges an Potenzial und geht über eine bloße Kuriosität hinaus. Denn sie erlaubt in einer digitalisierten Welt digitalen Künstlern das erste Mal, ihre Werke auf Augenhöhe mit physischen Werken zu präsentieren. Zudem können diese Werke sehr viel einfacher einem größeren Publikum gezeigt werden, da die Hürden, eine physische Galerie zu finden, in der die Werke ausgestellt werden müssen, wegfällt.

Insgesamt fördert an dieser Stelle eine neue Technologie die Kreativität von Künstlern und erlaubt einigen von ihnen, von ihrer Kunst zu leben. Außerdem kann die Kunst, die vielfach immer noch einen „elitären“ Charakter hat, einer Vielzahl von Menschen neu zugänglich gemacht werden – denn jeder, der ein Smartphone hat, kann theoretisch ohne Abstriche in den Genuss der digitalen Werke kommen. Verfolgt man außerdem den Bereich der mit Blockchain verbundenen Kunst etwas näher, stellt man fest, dass Beispiele wie die aktuelle Versteigerung bei Christies zwar besondere Erfolgsmomente einer möglicherweise neuen Kunstbewegung darstellen, darüber hinaus aber bereits viele andere erfolgreiche Projekte existieren und diese Strömung immer mehr an Zuspruch gewinnt. Und falls Sie jetzt neugierig geworden sind und selbst einmal einen Blick in das neue Blockchain-Kunstwerk von Beeple werfen möchten, ist das Bild online unter https://onlineonly.christies.com/s/beeple-first-5000-days/beeple-b-1981-1/112924 zu finden.

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